Once upon Drawing. Im Modulør 02/26 widmen wir uns Eric Wong. Seine Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle zwischen gebauter Realität und visionärer Imagination, wofür er Zeichnung, Raumkonzeption und spekulatives Denken vereint.

Lebbeus Woods war kein Architekt im herkömmlichen Sinne, vielmehr war er ein visionärer Forscher des Raums, der Architektur als radikales Denkexperiment verstand. Er verfolgte eine Praxis, die jenseits funktionaler Normen operierte: Architektur als ergebnislose Frage, als Labor der Möglichkeiten, das die Grenzen der Materialität, die Dominanz von Struktur und die Gewalt der Idee herausfordert.
Woods’ Arbeiten sind fast ausschliessliche kalligrafische Projektionen, Skizzen, die in Krisen- und Katastrophenszenarien denken. Er sammelte Ruinen, zerstörte Städte und kosmische Ordnungen, um daraus architektonische Modelle zu entwickeln, die soziale, politische und ethische Spannungen sichtbar machen. Seine Zeichnungen und Entwürfe lesen sich wie Blaupausen einer postapokalyptischen Gegenwart: Räume, die sich selbst neu verhandeln, Brüche, die zu Stätten der Reflexion werden, und Strukturen, die den Menschen nicht als Beherrscher, sondern als Teil eines grösseren Systems begreifen.
Denn in Woods’ Welt ist Raum kein statischer Container, sondern ein dynamisches Feld, in dem Last, Schwerkraft, Luft und Licht miteinander verhandeln. Seine Dichtung aus durchscheinenden Membranen, schroffen Stützen und verformten Geometrien eröffnet eine Sprache des Unbestimmten: Wie könnte Architektur in extremen Zuständen funktionieren? Welche Formen entstehen, wenn Stabilität auf Wucht, Ethik auf Verantwortung trifft? Die Antworten sind oft unorthodox, provokativ und fragmentarisch – doch genau darin liegt die Kraft seines Denkens: Es fordert die Disziplin heraus, sich selbst neu zu erfinden.
Lebbeus Woods war auch ein leidenschaftlicher Theoretiker. Seine Schriften, Kolumnen und Vorträge lesen sich wie Offenbarungen, die die Möglichkeit einer politikfähigen Architektur bekräftigen. Er sah Architektur nicht nur als Ästhetik, sondern als Instrument kollektiver Handlungsfähigkeit – als Mittel, Räume der Freiheit zu schaffen, wenn politische Strukturen versagen. In einer Zeit, in der Städte sich durch Krisen, Klimawandel und Ungleichheit schleppen, bleibt sein Archiv der Möglichkeiten, das Architekten herausfordert, die Welt durch Entwürfe ständig neu zu denken.
In dieser Ausgabe widmen wir uns dem amerikanischen Architekten, beleuchten seine Arbeit „Zagreb Free Zone“ genauer und sprechen hierfür mit Leo Modrčin. Gemeinsam mit Peter Noever, ehemaligem Leiter des MAK, werfen wir einen Blick auf Woods’ Bezug zu Wien und erörtern mit Guy Lafranchi das Erbe des amerikanischen Architekturtheoretikers in der Schweiz.
Mehr über die Entwicklungen in Bergen finden Sie in unserer neuesten Ausgabe.
