Im Schloss

Das Château d’Anchettes liegt in der Nähe des Dorfes Venthône, mitten in der Weinregion des Zentralwallis. Das Objekt bildet den ursprünglichen mittelalterlichen Kern des Weilers Anchettes, zusammen mit einer barocken Kapelle, einigen Häusern und mehreren ländlichen Nebengebäuden, sogenannten Raccards (Stadel), die hauptsächlich zur Getreideaufbewahrung dienten.

Ab dem Ende des 13., Anfang des 14. Jahrhunderts wohnte eine Familie in dem Weiler Anchette Bernard (Anset Bernart) und nahm den Namen der Ortschaft an. Diese Familie gewann an Bedeutung und gehörte schliesslich zum Adel, bevor sie um 1400 ausstarb. Aus dieser Zeit stammen die schönen Mauern mit Fischgrätenmuster in den Kellern des Hauptgebäudes. Nach dem Aussterben der Familie Anchette ging das Schloss durch Heirat in den Besitz der Familie de Platea über, deren Wappen und Initialen noch heute im Anwesen zu sehen sind. Ende des 16., Anfang des 17. Jahrhunderts wurde der massive Turm mit quadratischem Grundriss auf der Nordseite des Hauptgebäudes errichtet, der bis heute das Aussehen des Schlosses prägt.

Der Ostflügel mit den Arkaden wurde um 1618 von Franz VI. de Platea und seiner ersten Frau Catherine de Preux errichtet. Die klaren Linien der Arkaden zeugen von den Anfängen der klassischen Architektur im Wallis. Die obere Kolonnade zeichnet sich durch doppelt geschweifte Säulen aus. Diese entwickelten sich in der Renaissance, einer Strömung, die am Ende des Mittelalters die Rückkehr zu den klassischen Formen der Antike markierte.

Erwähnenswert ist die Hochzeit im Jahr 1636 zwischen Marie de Platea und Jean-Antoine de Preux. Das Ehepaar nahm im Haupthaus des Château d’Anchettes Wohnsitz und liess um 1649 südlich des Schlosses die barocke Kapelle Notre-Dame du Mont-Carmel erbauen. Mit dem Bau des holzverkleideten Prunksaals, der sogenannten „Grande Salle“, im Jahr 1667 wurde das Ensemble vollendet. Die Familie de Preux spielte vom Spätmittelalter bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts eine wichtige Rolle in der politischen, militärischen und kirchlichen Geschichte des Wallis. Sie lebte auch vom Ertrag des Guts und verkaufte Honig, Obst, Trauben und Wein. Seit dem 17. Jahrhundert befindet sich das Schloss im Besitz der Familie de Preux, von denen einige Mitglieder noch heute im Gebäudekomplex wohnen. Im Laufe der Zeit wurden die verschiedenen Gebäudeteile innerhalb der Familie in separate Wohnungen aufgeteilt. Die Ferienwohnung befindet sich im ersten Obergeschoss des Haupthauses und umfasst den prächtigen Prunksaal aus dem Jahr 1667.

Wenn man den Weiler Anchettes erreicht, fallen als Erstes die historischen Raccards auf, die früher zur Aufbewahrung des Getreides dienten. Umkurvt man an der engsten Stelle die Kapelle Notre-Dame du Mont-Carmel aus dem Jahr 1649, fällt gegenüber der Torbogen  ins Auge. Durch dieses Tor betritt man den von den verschiedenen Gebäudeteilen umrahmten Innenhof. Das fünfgeschossige Haupthaus dominiert mit seiner imposanten Grösse das Ensemble. Östlich davon verbindet ein bezaubernder Arkadengang aus dem Jahr 1618 die Seitenflügel sowie den Ostbau mit dem Haupthaus. Im Hof befand sich ein Hühnerstall mit einem Taubenschlag darüber. Der ehemalige Stall wird heute als Lager und Garage genutzt.

Das Haupthaus wurde 1893 vom Architekten Joseph de Kalbermatten grosszügig saniert. Er überarbeitete die Fassaden, die zuvor noch die unregelmässigen Öffnungen der ersten Bauphasen aufwiesen, im klassizistischen, symmetrischen Stil. Westlich des Hauptbaus führt eine Treppe in den grosszügigen, umfriedeten Garten. Die Ferienwohnung befindet sich im ersten Obergeschoss und ist über eine doppelläufige Freitreppe zu erreichen.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Hauptgebäude in verschiedene Wohneinheiten für die Mitglieder der Familie de Preux unterteilt. Die Ferienwohnung erstreckt sich über das gesamte erste Obergeschoss des Haupthauses, der Beletage und umfasst zudem die ehemalige Speisekammer im angebauten Turm aus dem 16. Jahrhundert.

Das Kernstück der Wohnung ist der Prunksaal „La Grande Salle“ aus dem Jahr 1667 mit seiner reich kassettierten Decke und dem aufwändigen geometrischen Rahmenwerk, das seinen repräsentativen Charakter betont. In der Mitte des Raumes befindet sich ein kleiner, rechteckiger Rahmen mit einem bemalten Stück Leinwand, das das Wappen der Familien de Preux und Venetz zeigt und von einer Allianz aus dem 18. Jahrhundert zeugt. Die Wände sind raumhoch mit einem aufwändigen Täfer verkleidet. Dieses wird durch die prunkvolle Haupttüre zum anschliessenden Salon unterbrochen. Die Haupttüre wird von zwei mit Pflanzen umrankten Säulen flankiert, die ein Gebälk mit der Inschrift „1667“ tragen. Über dem Gebälk befindet sich das Lilienwappen der Familie de Platea mit der Inschrift „Dei beneficio ac amicorum auxilio construxit nobilis Franciscus de Platea bandertus et catellanus sirri anno 1590”. Das Wappen stammte ursprünglich von einem anderen Ort des Schlosses und wurde vermutlich nachträglich oder beim Einbau über der Tür angebracht. In einer Raumecke steht ein dreistöckiger, zylindrischer Ofen aus dem Jahr 1670. Der schlichte, runde Specksteinofen trägt die aneinandergefügten Wappen von Preux und de Platea.

Gegenüber steht ein grosser Sekretär, ein in seiner Art einzigartiges Möbelstück im Privateigentum im Wallis, das ursprünglich ebenfalls woanders im Schloss stand. Das aufwändig gearbeitete Möbelstück beeindruckt durch seine zierlichen Details, darunter korinthische Säulen und aufwändige Furnierarbeiten. Der Kranz ist mit der Inschrift „construvere fecit in memoriam n francis de Platea ban deseni sirri anno 1586“ verziert und wurde in Gedenken an Francis de Platea, der 1586 starb, erbaut.

©Studio Gataric Fotografie

Weitere Informationen zu dem Objekt finden Sie hier.

 

Meistgelesen

Meistgelesen