Die Casa Fontauna im Val Lumnezia wurde bis vor über 100 Jahren als Wohnhaus genutzt, die letzten Bewohner waren die Gebrüder Derungs, ein altes Geschlecht in der Val Lumnezia. Danach wurde das Haus bis in die 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts als Schreinerei, später als Hobbyraum und Lager genutzt. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass das Haus in seiner Ursprünglichkeit erhalten geblieben ist. Die talseitige Haushälfte wurde nun ab 2021 restauriert, im Frühjahr 2025 fertiggestellt und ist seitdem über Ferien im Baudenkmal zu mieten.
Lumbrein liegt auf einer eher schwach ausgeprägten Terrasse an der Talstrasse, knapp 350 m über dem Fluss Glenner in der Val Lumnezia. Es ist beeindruckend, dass sich im hinteren Teil des Tales ein so grosses und offensichtlich bedeutendes Dorf entwickeln konnte, das an seiner Bausubstanz mit imposanten Wohntürmen ablesbar ist. Darunter auch die Casa Fontauna, ein ausserordentlich gut erhaltenes Doppelwohnhaus in typischer Strickbauweise auf einem gemauerten Kellersockel. Der Grundriss der beiden Haushälften ist nahezu symmetrisch und diente seit der Entstehungszeit als Wohnhaus für zwei, meist verwandte Familien.
Das dendrochronologisch auf das Baujahr 1742-44 datierte Strickhaus gehört zu den bedeutendsten Zeugnissen des bäuerlichen Hausbaus in der Val Lumnezia. Es handelt sich um ein in Firstrichtung geteiltes Doppelhaus mit Quergang im klassischen Stil des 18. Jahrhunderts. Die breitgelagerte Giebelfassade ist nicht wie üblich talwärts, sondern zum Brunnenplatz hin ausgerichtet, der sich von der Durchgangsstrasse aus erstreckt.
Durch die ungewöhnliche Drehung des Hauses quer zum Hangverlauf ergeben sich zwei Besonderheiten: Zum einen ist der sonst gemauerte Küchentrakt hier ebenfalls in Strickbauweise ausgeführt, zum anderen erfolgte die sonst getrennte Erschliessung der beiden Haushälften ursprünglich gemeinsam von der Strassenseite her. Das Äussere des Hauses ist geprägt durch das im Stil der Erbauungszeit gegliederte und verzierte Strickwerk. Die breitgelagerte Giebelfassade ist über den gemauerten Kellerblock vorkragend und ruht auf geschnitzten Konsolen mit stilisierten Pferdeköpfen.
Die in den Obergeschossen in der Höhe abnehmenden drei- und zweibahnigen Fensteröffnungen sind im Bereich des Stubentraktes und an der gesamten Strassenfassade in horizontale Fensterfriese eingebunden. Die Friese bestehen aus zwei Zahnschnittreihen und einem unten abschliessenden, teilweise variierten Blattrand, die Schwellbalken sind mit Kielbogenmotiven verziert.
Während die um 1900 vergrösserten Stubenfenster des bergseitigen Hausteils an der Nord- und Westfassade bei der Restaurierung 1970 in ihrer ursprünglichen Form wiederhergestellt wurden, ist diese Bauphase an der Giebelfassade des talseitigen Hausteils noch ablesbar. Die Öffnungen in der Ostfassade des talseitigen Hausteils sind seit jeher original erhalten.
Während sich am nördlichen Teil eine im 19. Jahrhundert erneuerte Trauflaube mit feingliedrigem Staketen erhalten hat, sind an der südlichen Trauffassade noch die Konsolen einer ursprünglichen Laube erhalten, die – wie die Dachpfetten und die Vorschubkonsolen – mit geschnitzten Pferdeköpfen verziert sind. Auf eine Rekonstruktion der Trauflaube wurde verzichtet, stattdessen erhielt der südliche Hausteil im Zuge der Restaurierung einen eigenen Zugang zum Wohngeschoss über einen neu errichteten Hocheingang mit vorgelagertem Balkon.
Im Inneren des nun restaurierten Südteils erschliesst der zentrale Quergang im Wohngeschoss Stube und Küche, im darüber liegenden Schlafgeschoss zwei Kammern sowie eine neu ausgebaute Nasszelle und das Schlaflager auf dem Dachboden. In der Stube hat sich eine der wenigen Ausstattungen des 18. Jahrhunderts erhalten, eine kräftig profilierte Balkendecke mit Unterzug, sowie eine in Felder gegliederte Wandvertäfelung entlang der Aussenwände, die aus schmalen Profilleisten und breiten eingenuteten Brettern bestehen. Die Innenwände zum nördlichen Hausteil und zum Flur blieben unverkleidet.
Die in der Nasszelle erhaltene Täferimitation dürfte als Bemusterung im Zusammenhang mit einer geplanten malerischen Überfassung des Stubentäfers und einer ergänzenden Imitation auf den rohen Strickwänden stehen – eine Gestaltungsweise, die im frühen 20. Jahrhundert in Lumbrein verbreitet war. Darauf deuten die vorgefundenen Vorbereitungsspuren hin, darunter die Verkittung von Rissen sowie eine begonnene Grundierung der Holzoberflächen.
In der Küche zeugt die rauchgeschwärzte Stotzwand (Rückwand) von der ehemaligen offenen Feuerstelle. Die stark ausgetretene Türschwelle weist auf die Nutzung von genageltem Schuhwerk hin, das bei der ländlichen Bevölkerung gebräuchlich war. Als prägendes neues Element fällt die Arbeitsfläche der Küche und der Abwaschtrog aus weissem Serenastga-Marmor auf, einem seltenen und hochwertigen Marmor aus dem gegenüberliegenden Serenastga-Tal, das vom Küchenfenster aus zu sehen ist.
Die Casa Fontauna wurde bis vor über 100 Jahren als Wohnhaus genutzt, die letzten Bewohner waren die Gebrüder Derungs, ein altes Geschlecht in der Val Lumnezia. Danach wurde das Haus bis in die 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts als Schreinerei, später als Hobbyraum und Lager genutzt. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass das Haus in seiner Ursprünglichkeit erhalten geblieben ist. Vor einigen Jahren begannen sich die Nachkommen Derungs und Collenberg, zwei Brüder und ein Cousin, Gedanken über die Zukunft des Hauses zu machen. Niedrige Raumhöhen, steile Treppen und eine begrenzte Anzahl von Zimmern erschwerten die Nutzung als Familienhaus. Es wurde nach einer Lösung gesucht, um das historische Haus dennoch dauerhaft zu erhalten. Die jungen Eigentümer wurden auf die Stiftung Ferien im Baudenkmal aufmerksam. Es kam zur Zusammenarbeit, wobei die sanfte Restaurierung und Erhaltung der historischen Bausubstanz durch den Lumbreiner Architekten Ramun Capaul von Capaul Blumenthal Architekten und das gesamte Restaurierungskonzept für die Nutzung als Ferienwohnung im Sinne von Ferien im Baudenkmal erarbeitet und umgesetzt wurden. Die talseitige Haushälfte wurde ab 2021 restauriert und im Frühjahr 2025 fertiggestellt. Der gemauerte Sockel wurde, wo nötig, ausgebessert und im rückwärtigen Keller die neue Haustechnik integriert.
Generell wurde bei der Restaurierung so viel wie möglich erhalten und die bauzeitliche Struktur respektiert. Neue Einbauten wurden reversibel in die Räume eingefügt. Auch bei der Möblierung konnte auf den Fundus der Eigentümer zurückgegriffen werden, was fehlte, wurde durch moderne Stücke ergänzt.
© Gataric Fotografie
Die Casa Fontauna ist in Privateigentum und wird über die Stiftung Ferien im Baudenkmal vermietet.
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