Fünf Jahrhunderte Geschichte

Die Stiftung Ferien im Baudenkmal eröffnet eine historische Ferienwohnung in der „Bleiche“ in Appenzell Innerrhoden. Das aus dem 16. Jahrhundert stammende Ensemble gehört zu den bedeutendsten Profanbauten des Kantons und ist berühmt für seine kunstvolle und charakteristische Appenzeller Fassadenmalerei. Mit der behutsam restaurierten Wohnung wird ein einzigartiges Kapitel regionaler Gewerbe-, Architektur- und Familiengeschichte erlebbar.

Am ruhigen Dorfrand von Appenzell öffnet eines der bedeutendsten Baudenkmäler Innerrhodens ein neues Kapitel: In der Bleiche, einem einzigartigen Gewerbeensemble mit nahezu 500-jähriger Geschichte, lädt ab sofort eine sorgfältig restaurierte Ferienwohnung zum Wohnen in historischem Ambiente ein.

Ein Denkmal der Appenzeller Wirtschaftsgeschichte
Zwischen 1535 und 1538 als Mühle und staatlich geführte Bleicherei an der Sitter-Aue von Werkmeister Lienhard Bilchenfelder errichtet, entwickelte sich die Anlage rasch zu einem zentralen Gewerbestandort des Kantons. Unter Bleichemeister Wyser wurde der Betrieb im 17. Jahrhundert zu einem erfolgreichen Privatunternehmen, das über Jahrhunderte Landwirtschaft, Textilverarbeitung, Mühle und Bäckerei vereinte. Trotz Erweiterungen, Hochwasserereignissen und wechselnder Nutzung blieb die Bleiche seit Anfängen des 19. Jahrhunderts im Besitz derselben Familie. Auch das Wohnhaus aus dem Jahr 1750 verfügt über eine reichhaltige Fassadenmalerei in Rottönen. Durch die Staffelung in der Höhe und der Versetzung der Gebäudeteile nach hinten, entsteht eine malerische Gesamtansicht, die durch den gepflasterten Hofplatz mit dem Steinbrunnen von 1874 zur Wiese abgeschlossen wird.
Über dem gemauerten Keller- und Erdgeschoss erheben sich die vier überkragenden Obergeschosse des Blockbaus. Der Blockbau ist mit aufklappbaren Schwenkläden, Zugläden und Vertäfelungen verkleidet, die allesamt um 1756 reich in Grün- und Grautönen bemalt worden sind. Die Wandflächen der oberen Geschosse sind mit gemalten Quadern verziert und vermitteln das Aussehen eines Steinbaus. Die Läden, Eckpilaster und Vorstösse zieren rosettenbesetzte Ovale, zierliche, gewundene Säulen, Eichenlaubfriese und Phantasielandschaften. Die Untersichten des Tätschgiebeldaches sind als Wolkenhimmel gestaltet. Auf den Deckbrettern der Pfettenköpfe finden sich die Inschriften „H. Johann Ströili“ und „F. Barbara Manser“, im Giebel „IHS 1756“, auf der Ostseite „Titus Haas-Steffen 1976“.
Die überkragenden Obergeschosse, beziehungsweise die gestufte Fassade des Haupthauses, in dem heute die Ferienwohnung liegt, entstanden aus praktischen Gründen: Um aus den Fenstern die langen Leinentücher zum Trocknen aufzuhängen.
Da die Bauten zu unterschiedlichen Zeiten errichtet wurden und die beiden Häuser zu Zeiten von einer einzigen Grossfamilie bewohnt waren, ist die Raumaufteilung kompliziert und durch mehrere Durchgänge vom einen zum anderen Haus gekennzeichnet. Die Hauptwohnräume nehmen die Nordfront ein, Treppen und Gänge liegen auf der Südseite. Im Erdgeschoss des alten Wohnhauses lag der ehemalige Bäckerladen, heute befindet sich dort ein Atelier für Kunsthandwerk.
Das Ensemble gilt heute als eines der „schmucksten und interessantesten“ Beispiele der Innerrhoder Einzelhoflandschaft und steht unter nationalem Schutz. Charakteristisch sind seine überkragenden Obergeschosse, die gut erhaltene regionaltypische Fassadenmalerei sowie die aufklappbaren Schwenk- und Zugläden. Die vielfältigen Bauphasen und die malerisch verschachtelte Gesamtform verleihen dem Gebäude einen unverwechselbaren Charme.

Historisches Wohnen mit Komfort
Im zweiten Obergeschoss des Hauptbaus verbindet die neue Ferienwohnung originale Bausubstanz mit zeitgemäss ausgestattetem Wohnkomfort. Mittelpunkt ist die grosse Eckstube mit datierter Kassettendecke von 1650. Wandtäfer, Kachelofen und historisches Mobiliar verleihen dem Raum seine besondere Atmosphäre.
Die ehemalige Koch- und Feuerstelle wurde mit einer modernen Küchenzeile ergänzt. Ein helles Schlafzimmer mit historischer Tapetenreferenz sowie ein raffiniert eingebettetes Badezimmer mit Blick über die Wiesen, runden das Angebot ab. Die Ausstattung kombiniert Originalstücke aus dem Haus mit sorgfältig ausgewählten zeitgenössischen Möbeln.
Ruhig gelegen, eingebettet in eine weite Wiese, und doch nur wenige Gehminuten vom Zentrum entfernt, bietet die Bleiche ein einzigartiges Ferienerlebnis für bis zu drei Personen mitten in der Baukulturgeschichte Appenzells voller Ruhe und Entspannung.

© Studio Gataric Fotografie 

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