Kulturspeicher

Bereits seit zwei Jahren ist die Chesa von Planta in Zuoz Teil des Programms von Open Doors Engadin. Die Tatsache, das sich dieses Gebäude dabei noch im Bauprozess befand, ermöglichte den Besucher:innen, die Metamorphose und die Bauarbeiten hautnah erfahren zu können. Im Rahmen der diesjährigen Veranstaltung am 28. und 29. Juni kann nun das Archiv im fertig umgestalteten und renovierten Gebäude besucht werden. In der Chesa von Planta erzählt neuerdings nicht nur die historische Bausubstanz eine Geschichte und zeugt von vergangener (Bau-)Kultur, sondern nun auch das neu eingezogene Kulturarchiv des Oberengadins. Einen Einblick in das vierjährige Bauprojekt gibt der Architekt Urs Padrun.

Herr Padrun, in den letzten Jahren stand die Chesa von Planta mehr oder weniger leer. Wie kam es nun letztlich zur Sanierung und zur Umnutzung?
Um- und Anbauprozesse sowie Programmwechsel hat das Gebäude des Öfteren in seiner Geschichte durchlebt. In den 1940er-Jahren wurde dann zudem ein verdichtetes Wohnprogramm mit fünf Einheiten in das grossbürgerliche Haus der Familie Planta auf eine nicht sehr sensible Weise wortwörtlich reingedrückt. Nachdem das sanierungsbedürftige Gebäude letztlich mehrere Jahre ungenutzt war, hat die Stiftung Planta, die Eigentümerin, drei Büros zu einem Studienwettbewerb eingeladen. Mein Konzept einer gemischten Nutzung – zwei private Wohnungen und ein öffentliches Kulturarchiv im ehemaligen Speicher – konnte die Bauherrschaft überzeugen. Für Letzteres habe ich eine unverleimte Konstruktion aus regionalem Holz entworfen, die sich im ehemaligen Heustall behauptet und dank der Materialität das Thema des Stalles selbstverständlich fortführt.

Nun zieht das Kulturarchiv Oberengadin, welches zuvor in Samedan untergebracht war, ein. Was bedeutet der Programmwechsel für das historische Gebäude und Zuoz?
Für mich steht der öffentliche Aspekt, der einen Mehrwert für die Gemeinschaft bietet, zusammen mit dem Wunsch, mit meiner Arbeit einen sinnvollen Beitrag zu leisten, im Zentrum. Und genau diese Attribute hat das Gebäude im Zentrum von Zuoz mit der Transformation zugeschrieben bekommen. Der öffentliche Raum des Dorfplatzes wird im neuen Archiv fortgeführt, ist auf Anmeldung zugänglich und dient nun wortwörtlich als Speicher für die Geschichte der Region. Das Kulturachiv wird auch öffentlich zugängliche Führungen durch die Sammlung anbieten. Eine Historie, der hoffentlich noch viele weitere Kapitel hinzugefügt werden. Somit strickt das Sanierungsprojekt auf mehreren Ebenen die Kultur weiter: ob in der Restaurierung und Sanierung historischer Bausubstanz, der Rückführung gewisser Bauteile und dem Retten des Bestands sowie auch mit der neuen Nutzung.

Was waren die grössten erforderlichen Massnahmen?
Die wesentlichen Herausforderungen stellten mit Sicherheit die statische Ertüchtigung der Chesa dar sowie das Thema des Brandschutzes. Da das Haus nun öffentlich genutzt wird, mussten weitaus mehr Richtlinien erfüllt werden, und auch die barrierefreie Erschliessung im Archiv musste gewährleistet werden. Aspekte, die sich teils nur mit viel Liebe zum Teil lösen und mit dem alten Bestand in Einklang bringen liessen. Darüber hinaus wurden die Fassade und die Fenster sehr sorgfältig restauriert und ein neues Kupferdach mit vier Ochsenaugen realisiert.

Nichtsdestotrotz, der mittelalterliche Bau  hat mit Sicherheit seine ganz besonderen Qualitäten?
Die Grösse des Gebäudes und die Diversität in den Räumen – ein jeder von ihnen zeugt von einer anderen Epoche – sprechen für sich und lassen die Chesa zum begehbaren Geschichtsbuch werden. Der grosszügige Speicher über zwei Stockwerke gibt dem Archiv den notwendigen Raum, und der Gewölberaum im Erdgeschoss eignet sich bestens für Vorträge sowie Veranstaltungen. Zugleich bleibt noch genug Platz, um eine komplett neue Dachgeschosswohnung zu integrieren und auch eine der vorherigen fünf Wohneinheiten sanft zurückzuführen und hier neues Leben einziehen zu lassen.

Was bedeutet für Sie der Umgang mit kulturhistorischem Bestand?
Wertschätzung und Verantwortung. Es gilt, Altem mit Respekt zu begegnen, dessen DNA zu erkennen und diese behutsam und sensibel weiterzuentwickeln. Dadurch entsteht eine Vielschichtigkeit, die den Lauf der Zeit abbildet und manifestiert. Letztlich soll man sich immer der Auswirkung seiner Handlungen bewusst sein und Profit mit all seinen Facetten verstehen. So kann man oftmals Mehrwert auf allen Ebenen generieren und nicht nur auf wirtschaftlicher Ebene. Denn um das Heute zu verstehen und in die Zukunft blicken zu können, müssen wir uns des Gestern bewusst sein.

Weitere Informationen zu Open Doors Engadin finden Sie hier.

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