Der neu gegründete Verein Open House Schweiz will die Vermittlung von Baukultur landesweit stärken und langfristig verankern. Als Dachorganisation unterstützt er bestehende lokale Initiativen, schafft gemeinsame Strukturen und fördert den Austausch zwischen den einzelnen Formaten. Im Interview spricht Esther Baur über Organisation, Ziele und die Herausforderung, ehrenamtliches Engagement, nationale Koordination und gesellschaftliche Wirkung in Einklang zu bringen.
Open House Schweiz versteht sich als Verein zur Vermittlung von Baukultur an eine breite Öffentlichkeit. Wie ist der Verein organisiert und welche Aufgaben übernimmt er im Hintergrund, damit die verschiedenen Open-House-Formate in der Schweiz funktionieren?
Der Verein Open House Schweiz soll die Open- House-Initiativen in der Schweiz nachhaltig stärken. Dazu bündelt er nach Bedarf übergeordnete organisatorische, strategische und prozessuale Aufgaben. Durch den Aufbau gemeinsamer Strukturen und Werkzeuge können lokale Vereine entlastet, professionalisiert und in ihrer Kontinuität gesichert werden. Die lokalen Akteur:innen behalten dabei ihre inhaltliche und organisatorische Eigenständigkeit. Der Dachverein will damit die Voraussetzungen schaffen, für eine langfristige Stabilität der Bewegung, die zu einem beträchtlichen Anteil ehrenamtlich getragen wird. Mitglieder sind ausschliesslich die aktiven Vereine, welche in der Schweiz eine Open-House-Veranstaltung verantworten. Bei monatlichen Vorstandssitzungen prüfen wir, welche Themen aktuell für die Mitglieder relevant sind. Zum Auftakt haben wir die Grundlagen für einen zusammenhängenden grafischen Auftritt geschaffen. Zentral sind zudem die Koordination der Ausführungstermine und gewisse administrative Absprachen. Im laufenden Betrieb werden weitere Bereiche hinzukommen.
Open House basiert stark auf ehrenamtlichem Engagement, Partnerschaften und einem Netzwerk aus lokalen Organisationen. Wie gelingt es dem Verein, diese unterschiedlichen Akteur:innen zu koordinieren und gemeinsam an einem nationalen Format zu arbeiten?
In erster Linie braucht es enthusiastische Teams, die jeweils gut lokal vernetzt sind. Die Ressourcen für eine nationale Zusammenarbeit sind nicht riesig, deshalb prüfen wir sorgfältig wie viel Gemeinsames nötig und wieviel Eigenständigkeit möglich ist. Wir agieren also in den Bereichen gemeinsam, die für möglichst viele Mitgliedervereine einen Mehrwert schaffen. Das Format der Open-House-Veranstaltung ist dabei so klar umrissen, dass die Anlässe auch ohne grossen inhaltlichen Koordinationsaufwand einen starken Wiedererkennungswert haben. Regelmässige Kontakte ermöglichen aber zusätzlichen Wissensaustausch, effizientere Arbeitsweisen und führen einfach zu einer grösseren Übereinstimmung.
Welche übergeordneten Ziele verfolgt Open House Schweiz über die einzelnen Veranstaltungen in Basel, Zürich, Bern oder Ticino hinaus – und welche Rolle spielt dabei die Vermittlung von Architektur als gesellschaftliches Thema?
Als gemeinnützige, nicht gewinnorientierte Organisation verfolgt der Verein das Ziel, Architektur, Baukultur und Stadtentwicklung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und deren sozialen und kulturellen Dimensionen unabhängig von Alter, Herkunft, Bildung oder Einkommen erfahrbar zu machen. So leistet Open House einen Beitrag zur Sensibilisierung der Bevölkerung und regt den Dialog zwischen Fachpersonen und Laien an. Dies fördert die Begeisterung und das Wissen über Architektur, stärkt lokale Identitäten und trägt dazu bei, dass sich die Bevölkerung zunehmend beim Diskurs über die Entwicklung unserer Städte einbringen kann. Open House Schweiz ist damit ein wichtiger Akteur in der Vermittlung der Baukultur, wie sie vom Bundesamt für Kultur in der Strategie Baukultur festgehalten sind. Dazu gehört insbesondere die Förderung von einem breiten Baukultur-verständnis, von einem allgemeinen Bewusstsein für die qualitativen Aspekte des gebauten Lebensraums sowie vom öffentlichen Dia-log und gesellschaftlicher Teilhabe.
Der Verein agiert als Non-Profit-Organisation und ist Teil eines internationalen Netzwerks. Wie beeinflussen diese Rahmenbedingungen die interne Organisation, die Finanzierung und die strategische Ausrichtung von Open House Schweiz?
Mit unserer Ausrichtung beziehen wir uns auf Grundsätze aus dem internationalen Netzwerk Open House Worldwide (OHWW) dahingehend, dass die Veranstaltung Architekturvermittlung und -förderung zum Ziel hat, Spass machen soll, in einem urbanisierten Umfeld stattfindet, kostenlosen Besuch ermöglicht, von einer gemeinnützigen Organisation betrieben wird und herausragende Architektur – historisch und zeitgenössisch – wertschätzend verständlich gemacht wird. Das Netzwerk Open House Schweiz wurde in Absprache mit OHWW gegründet, um innerhalb der Schweiz zusätzliche Veranstaltungsorte aufzunehmen, welche über die vier bei OHWW vertretenen Orte Zürich, Basel, Bern und Ticino hinausgehen. Für die Finanzierung sind die einzelnen Austragungsorte primär selbst verantwortlich. Wir wollen aber als Verein Open House Schweiz bei Bedarf Finanzierungsfragen übergeordnet angehen und haben auch das Ziel, nationale Partner anzusprechen.
Wenn Sie auf die Entwicklung des Vereins blicken: Wohin soll sich Open House Schweiz in den kommenden Jahren entwickeln, und welche Strukturen oder Formate sind notwendig, um Baukultur langfristig stärker in der Öffentlichkeit zu verankern?
Open House Schweiz hat das Potenzial, Tools bereitzustellen, die alle Mitglieder niedrigschwellig nutzen können, und eine Geschäftsstelle einzurichten, die übergeordnete administrative, kommunikative und weitere entlastende Aufgaben übernimmt. Eine solche Geschäftsstelle könnte sich, bei ausreichenden Ressourcen, auch übergeordnet für eine baukulturelle Bildung oder weitergehende öffentlichkeitswirksame Beiträge engagieren.

Im Gespräch mit Esther Baur. Sie ist Architektin MA FHNW, assoziiertes Mitglied beim BSA, und absolvierte nach 8 Jahren Berufserfahrung als Architektin den MAS am Institut für Geschichte und Theorie der Architektur (gta) an der ETH Zürich. Seit Oktober 2025 präsidiert sie den neu gegründeten Dachverein Open House Schweiz. Gemeinsam mit einem Team initiierte sie im Mai 2018 die jährliche Architekturveranstaltung Open House Basel. Sie ist dort als Gesamtleiterin zuständig für das Programm, die Koordination aller Bereiche und gemeinsam mit Raphael Karrer für die Geschäftsleitung. Ebenfalls seit dem Jahr 2018 ist sie im Stiftungsrat von Architektur Dialoge und hat aktuell für die Jahre 2026 und 2027 den Vorsitz. Weiter ist sie seit 2023 im Vorstand der Genossenschaft Homebase für die Kommunikation zuständig.
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