Auszeichnung für respektvollen Umgang mit dem Bestand

Lacaton & Vassal werden für ihren Umbau von Wohnbauten in Bordeaux geehrt, der Nachwuchspreis geht an das Büro Bast aus Toulouse für eine Schulerweiterung in Montbrun-Bocage. Beide Projekte bestechen durch eine sogfältige Einbindung des Vorhandenen in ihre Konzepte.

Die Wohnblöcke in Bordeaux zeigen exemplarisch eine der grössten Herausforderungen für die aktuelle Praxis: Wie sollen wir mit den Wohnbauten der Nachkriegszeit umgehen? Die Wohnungen sind zu klein, ihr Standard entspricht nicht mehr den Erwartungen, und die kleinteilige statische Struktur lässt kaum Veränderungen in den Grundrissen zu. Oft lautet das Verdikt: abreissen und Ersatzneubau. Dabei gehen enorme Werte verloren. Dass es anders geht, beweist das Pariser Büro von Anne Lacaton and Jean-Philippe Vassal, das sich seit seiner Gründung 1987 zur Hauptsache mit Bauaufgaben ineinem engen finanziellen Korsett beschäftigt. Ihre Strategie lautet, mit einfachen Mitteln Grosszügigkeit zu schaffen. Durch die Verwendung von standardisierten Bausystemen, die zum Beispiel aus dem Gartenbau entlehnt sind, schaffen sie viel Raum für wenig Geld. Dieses Vorgehen prägt auch das Projekt in Bordeaux, das nun mit dem EU Mies Awarad ausgezeichnet wurde und das Lacaton & Vassal zusammen mit Frédéric Durst Architecture und Christophe Hutin Architecture umgesetzt haben.
Eine neue Schicht aus vorgefertigten Betonelementen wurde den drei Blöcken vorangestellt. Die 530 Wohnungen erhalten dadurch eine neue Nutzschicht, die die Grundrisse auf der ganzen Länge erweitert. Die kargen und nutzungsneutralen Räume bieten wunderbaren Raum, in dem sich das einst beengte Leben der Bewohnerinnen und Bewohner nun entfalten kann. Dank der günstigen Baumassnahme – die Investitionen belaufen sich auf lediglich 50 000 Euro pro Wohneinheit –bleiben die Mieten unverändert. Eine intelligente und sensible Lösung, die aus dem problematischen Bestand ein Maximum für die Menschen herausholt. Mit dem Schulrefektorium im ländlichen Montbrun-Bocage, südlich von Toulouse gelegen, beweist das junge Büro Bast viel Sensibilität und Rücksichtnahme. Mit seinem Projekt ergänzt es die Strukturen vor Ort mit einer zurückhaltenden Geste, die ihre Aufgabe unaufgeregt und mit Respekt für die Landschaft erfüllt. (ms)

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