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Städtebauliche Situation
Der Berliner Osthafen war Anfang des 20. Jahrhunderts einer der grössten Industriehäfen der Stadt. Ausgerichtet auf Warentransport und -lagerung prägten ein dreigeschossiges Verwaltungsgebäude mit Kantine sowie Speicher- und Lagerhäuser das Spree-Ufer-Areal entlang der Stralauer Allee zwischen Oberbaumbrücke und Treptower Park. Heute ergänzen moderne Büro- und Wohngebäude das Bild. Medien-, Mode- und Kreativunternehmen haben den exklusiven Standort rund um die “Mediaspree” für sich entdeckt.
Bereits Anfang der 2000er legten TCHOBAN VOSs Architekten einen Masterplan zur Neubebauung und Weiterentwicklung des Osthafengebietes unter Einbezug der historischen Bausubstanz vor. Verwirklicht wurden unter der Leitung des Berliner Architekturbüros das Hotel nhow Berlin mit seinem weit auskragenden, hochreflektierenden, aluminiumverkleideten Bauteil, in dem sich das glitzernde Wasser der Spree widerspiegelt, die markanten Coca-Cola Headquarters sowie das dynamische Wohngebäude „The White“, dessen Architektur Assoziationen zu Kreuzfahrtschiffen oder Yachten evoziert.
Den östlichen Endpunkt des Areals bildete das bis zum Projektstart von Dockyard letzte, unbebaute Grundstück Stralauer Allee 15-16 mit einer Grösse von 13.400 m². Hier entstand ein moderner siebengeschossiger Bürogebäudekomplex mit Tiefgarage, der in nachhaltiger, klima- und ressourcenschonender Holz-Hybrid-Bauweise errichtet wurde.
Die leichte Überhöhung des Volumens am östlichen Ende des Osthafenareals im Vergleich zu seinem Nachbarn korrespondiert mit den Überhöhungen durch die bestehende Bebauung am Westende der Promenade, dem historischen Eierkühlhaus, dem denkmalgeschützten „Spreespeicher“ und dem Musik- und Lifestyle Hotel nhow Berlin.
Konstruktion
Das Bauvorhaben Dockyard umfasst einen quadratischen und einen rechteckigen Baukörper, zwischen denen ein gläserner Verbindungsbau mit sichtbarer Holz-Fachwerkkonstruktion aus nachhaltiger Baubuche vermittelt. Die unteren beiden Geschosse des Verbindungsbaus fungieren als ein offener, stützenfreier Durchgang, der einerseits den Blick auf die Spree in Richtung Kreuzberg und andereseits den Blick auf die historische Bebauung der Stralauer Allee ermöglicht. Die Decke des Durchgangs ist mit verspiegelten Edelstahlblechen in Onyx Black versehen, die fliessende Reflektionen entstehen lassen – eine Hommage an den Standort des Ensembles direkt am Wasser.
In der nachhaltigen Holz-Hybrid-Tragwerkskonstruktion, in der in einem durchdachten Verhältnis sowohl Holz als auch Beton zum Einsatz kommen, werden die Vorteile beider Materialien optimal genutzt. Das Projekt Dockyard wurde als Skelettkonstruktion geplant, um eine maximal flexible Flächennutzung zu ermöglichen. Die Decken der beiden Gebäudevolumen, wurden ab dem ersten Obergeschoss in Holz-Beton-Verbundkonstruktion errichtet, ebenso wie die Decken des Verbindungsbaus vom zweiten bis sechsten Obergeschoss. DELTABEAM® Green-Verbundträger kamen im Bereich der Hybriddecken zum Einsatz. Das Tragwerk der fünfgeschossigen Brückenkonstruktion kommt vollständig ohne Stahlträger aus. Die Anordnungen der Fachwerk-Diagonalen wurden dahingehend optimiert, dass Durchgänge zwischen den einzelnen Bereichen möglich sind. Die Decken der Unter- und Erdgeschosse sind reine Stahlbetondecken.
Die Dachflächen wurden extensiv begrünt. Auf beiden Gebäudeteilen bieten Dachterrassen mit Sitzgelegenheiten ein Spreepanorama in Richtung des Kreuzberger Wrangelkiezes. Sie sind durch einen Steg oberhalb des Brückenbaus miteinander verbunden. Ihre Erschliessung erfolgt über Treppen oder barrierefrei über zwei Glasaufzüge.
Die beiden Baukörper besitzen eigene, als dreigeschossige Portale ausgebildete Eingänge im Erdgeschoss. Die in Bereichen zweigeschossigen Lobbies sind mit ihrer lichten Höhe von bis zu ca. 6,90m hell und repräsentativ. Betreten werden die Gebäude über die zur Stralauer Allee orientierten Nordseite des Komplexes. Die horizontale Erschliessung erfolgt über zwei Treppenhauskerne sowie barrierefreie Aufzüge.
Im Untergeschoss befindet sich eine Tiefgarage mit insgesamt 81 Stellplätzen, davon neun barrierefrei. Für alle Stellplätze wurden Elektro-Ladestationen vorgesehen.
Fassadengestaltung
Die Hauptfassaden wurden vom ersten bis zum sechsten Obergeschoss als Glaselementfassaden geplant, die in einem zweigeschossigen Raster aus Gesimsen und Lisenen aufgebaut sind. Die grosszügigen Glasflächen sorgen für eine optimale Belichtung in Hinblick auf die Gebäudetiefe und minimieren so den Einsatz von Kunstlicht. Die Südfassaden zur Spree sind durch vorspringende, im zweigeschossigen Wechsel versetzt angeordnete Erker gegliedert, die oberseitig Balkone tragen. An den West-, Nord- und Ostfassaden besitzen die Glaselementfassaden teilweise rückspringende Loggien, ebenso im zweigeschossigen Wechsel versetzt. Zur Verkleidung der opaken Fassadenflächen dienen vorgehängte, gekantete Aluminiumblech-Elemente, die die Fassade zusätzlich gliedern. Die Fassaden der ersten bis sechsten Bürogeschosse werden über durchlaufende Gesimse jeweils zweigeschossig zusammengefasst. Vertikale Lisenen verlaufen je Ausbauachse. Die Fassade des Brückenbaus ist mit grossformatigen Verglasungen in einer Pfosten- Riegel- Konstruktion ausgeführt. Im Anschlussbereich der Decken befinden sich bedruckte Glaspaneele.
Nutzung
Beide Gebäudeteile sind für eine Büronutzung vorgesehen. Die Bürobereiche befinden sich in den ersten bis sechsten Obergeschossen. Das gewählte Grundrissraster ermöglicht eine individuelle, flexible Aufteilung der als Open-Space-Flächen konzipierten Bereiche in Grossraum- oder Einzelbüros und entspricht allen Anforderungen an einen zeitgemässen Bürostandort. Im Erdgeschoss des westlichen Bürobaus entstehen darüber hinaus Gastronomieflächen, im Erdgeschoss des östlichen Bürogebäudes ein Konferenzbereich mit flexiblen Seminarräumen. Einladend begrünte Aussenbereiche mit Sitzmöglichkeiten befinden sich an der Spree-Promenade.
Interior Design und Kunst
Das Interior der Lobbies, die Marketingsuite sowie das Leitsystem wurden von der Ippolito Fleitz Group entworfen. Die Kunstinstallation unter den Decken der Lobbies stammt von Julius von Bismarck und trägt den Titel „Die Luft muss man sich wegdenken”. Die Kunstobjekte aus Nylon hinter den Empfangstresen stammen vom koreanischen Künstler Kwangho Lee. Ein weiteres Kunstwerk findet sich auf den Wänden des Transformator-Hauses ausserhalb des Gebäudekomplexes, eine Grafik von Katrin Bremermann.
Nachhaltigkeit
Der Kampf gegen den Klimawandel mittels Reduzierung von CO₂-Emissionen stand bei der Planung des Projektes von Anfang an für Bauherren und Architekten im Vordergrund. Durch die Auswahl nachhaltiger Materialien konnte bereits frühzeitige im Projektverlauf CO2 eingespart werden.
Mit dem Einsatz von Holz in Stützen, Fachwerk und Decken optimiert Dockyard seinen ökologischen Fussabdruck. Die für Fachwerk und Träger verwendete BauBuche verwertet regionale Rohstoffe aus nachhaltiger Waldwirtschaft und ist PEFC-zertifiziert. Sie besitzt ein 66% geringeres Eigengewicht als Stahlbeton und ein hervorragendes CO2-Speicherungsverhalten, laut Hersteller 1.171 kg CO2 pro m3. Für die Decken wurde Brettsperrholz (CLT) aus PEFC-zertifiziertem Nadelholz (vorwiegend Fichte) verwendet. Wie bei einer massiven Konstruktion kann das Brettsperrholz (in der Kombination mit Stahlbeton und Beton) hohe Lasten tragen, wirkt schall- und wärmedämmend und ist brandsicher. Die Holzelemente werden als Systemfertigteile vorgefertigt und sind daher schnell verbaubar. Holz speichert CO2 ein und ist ein klimaneutraler Baustoff. Zudem besitzt das Material diffusionsoffene Eigenschaften und sorgt für ein behagliches Raumklima, da Wärme je nach Jahreszeit isoliert oder gespeichert wird und auf zusätzliche Dampfsperren verzichtet werden kann. In der Hybrid-Konstruktion kommen die energetischen Vorteile der verwendeten Materialien, wie z.B. Recycling Beton zum Tragen. Beton heizt sich in den Sommermonaten durch seine speicherfähige Masse nur langsam auf, was den Energiebedarf zur Gebäudekühlung reduziert. Und wo Beton durch den deutlich nachhaltigeren Werkstoff ersetzt wurde, verbessert sich die Ökobilanz dank niedrigerem CO₂-Ausstoss. Die DELTABEAM® Green Verbundträger werden zu über 95% aus recyceltem Stahl hergestellt. Insgesamt kamen 800 Tonnen „grüner“ Stahl zum Einsatz.
Ein Gebäude ist nur nachhaltig, wenn es auch im Betrieb nachhaltig ist. Für einen Net-Zero-Betrieb ohne die Nutzung fossiler Brennstoffe setzt Dockyard bei der Energieversorgung auf grüne, regenerative Energiequellen wie Sonne, Geothermie und Umgebungsluft. Einer der grössten Eisspeicher Deutschlands ist zentrales und effizientes Element des ganzheitlichen Energiekonzepts. Er nutzt einen stillgelegten Gütertunnel des Osthafens. Der Erhalt der grauen Energie durch die erfolgte Tunnelumnutzung trägt zusätzlich zur positiven Öko- und Energiebilanz des Gebäudes bei. Wasser setzt im Gefrierprozess Energie frei. Der 1,6 Millionen Liter fassende Eisspeicher lässt sich daher im Winter zur Heizung nutzen und eignet sich im Sommer zur Gebäudekühlung und als Zwischenspeicher überschüssiger Gebäudewärme. Auf dem Dach von Dockyard befinden sich auf einer Fläche von 1.250 m2 Solar-Hybridkollektoren sowie auf 300 m2 Photovoltaik-Module, die neben der Erzeugung von Wärme auch zusätzlich zur Strom-Gewinnung genutzt werden. Der gewonnene Strom wird im Heiz-Kühl-Kreislauf des Gebäudes unter anderem für den Betrieb von Wärmepumpen eingesetzt. Durch die Kombination aller Quellen ergibt sich ein innovatives Energiekonzept, dass den gesamten Betrieb des Bürostandortes gemäss LEED Zero Carbon klimaneutral hält.
Zertifizierung
Das Projekt ist WiredScore Platin zertifiziert. Es wird eine Zertifizierung nach LEED-Platin angestrebt, darüber hinaus sind in Vorbereitung: LEED Zero Carbon, BEG 55 EE sowie Well Platin.
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