Nachhaltigkeit als Prinzip

Zu Beginn stand die grundlegende Frage: Erhalt des bestehenden, lange unbewohnten Gebäudes oder ein kompletter Neubau? Eine intensive Prüfung zeigte schnell, dass eine Sanierung weder ökologisch noch wirtschaftlich sinnvoll gewesen wäre. Asbestvorkommen und Schimmelbefall, tragwerksschwächende Holzschäden sowie stark erhöhte Radonwerte durch die undichte Gebäudehülle machten eine Erhaltung nahezu unmöglich. Die Entscheidung für einen Neubau war jedoch mehr als eine Notwendigkeit – sie bot die Chance, ein Gebäude zu schaffen, das konsequent auf Ressourcenschonung, Kreislauffähigkeit und gesundes Wohnen ausgerichtet ist.

Der Fokus des Neubaus von Lena Aurea Schneider liegt definitiv auf nachhaltigen, rückbaubaren und anti-allergenen Materialien. Das Untergeschoss besteht aus Recycling-Beton und Kalksandsteinen, während der darüberliegende, dreistöckige Bau in Holzelementbauweise mit Holzfaserdämmung ausgeführt ist. Um eine möglichst sortenreine Konstruktion zu gewährleisten, erfolgt der Verzicht auf Leime und Verbundstoffe: Die Aussenwände sind innen mit einer Diagonalschalung beplankt, die Massivholzdecken in Brettstapelbauweise gedübelt. Auch der Bodenaufbau folgt diesem Prinzip: ungebundener Kalksplitt auf der Massivholzdecke, Lava-Basalt-Formplatten für die Fussbodenheizung und geschraubtes Massivholzparkett bilden eine nachhaltige Basis.

Nachhaltigkeit zeigt sich nicht nur in der Materialwahl, sondern auch in der Wohnqualität. Um ein gesundes Raumklima zu gewährleisten, kommen Lehmbauplatten und Lehmputz zum Einsatz, welche Feuchtigkeit regulieren und Schadstoffe binden. Die Einbauten bestehen aus formaldehydfreien Dreischichtplatten und sind mit einem wasserbasierten, umweltfreundlichen Schutzsystem für Holzoberflächen weiss lasiert, während die Fassadenbekleidung mit einer diffusionsoffenen Schlammfarbe behandelt ist. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach und eine Grundwasserwärmepumpe sorgen für eine effiziente Energieversorgung. Der Aussenraum ist naturnah gestaltet, um Biodiversität zu fördern und die Versickerungsfähigkeit des Bodens zu erhalten.

Auch die städtebauliche Integration spielt eine zentrale Rolle. Die 2021 überarbeitete Bau- und Nutzungsordnung der Gemeinde sieht eine Verdichtung im Quartier vor: Bestehende Einfamilienhäuser sollen nicht einfach ersetzt werden, sondern zusätzliche Wohneinheiten bieten. Diese Vorgabe übersetzt sich in ein kompaktes Bauvolumen, das sich gleichzeitig harmonisch in die Quartierstruktur einfügt. Neben einer grosszügigen Familienwohnung entstehen zwei kleinere Studioeinheiten, die beispielsweise Studierenden der benachbarten Fachhochschule als Wohnraum dienen können und so zur sozialen Durchmischung des Viertels beitragen.

Das Projekt zeigt, dass nachhaltiges Bauen, gesundes Wohnen und städtebauliche Verdichtung keine Widersprüche sind. Durch eine durchdachte Planung entstand ein Gebäude, das nicht nur ressourcenschonend und kreislauffähig ist, sondern auch einen aktiven Beitrag zu einer zukunftsfähigen Stadtentwicklung leistet.

Text: Lena Aurea Schneider

©Simon Fässler

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