Die Architekturveranstaltung Open House Basel lädt auch dieses Jahr wieder dazu ein, die Stadt aus einer neuen Perspektive und hautnah zu entdecken. Am Wochenende vom 9. und 10. Mai öffnen ausgewählte Gebäude, Büros und sonst unzugängliche Räume ihre Türen und geben Einblicke in aktuelle Architektur, Stadtentwicklung und Baukultur. Einen grossen Stellenwert erhält dieses Jahr das Thema gemeinnütziges Wohnen: Hierfür gewährt Marc Loeliger von Loeliger Strub Architektur einen Einblick in das Projekt LysP8.
Welche architektonischen Qualitäten braucht ein Gebäude heute, damit gemeinschaftliches Wohnen tatsächlich im Alltag funktioniert?
Ein Haus braucht Begegnungsräume im Alltag und für spezielle Anlässe, aber auch einen gewissen Fokus auf die individuellen Flächen. Im LysP8 verbindet und verwebt ein luftiges Erschliessungsgerüst aus Holz mittels Treppen, Plätzen, Terrassen und Laubengängen als dreidimensionale Hauspromenade die verschiedenen Wohngeschosse und lädt die Bewohner:innen zum Verweilen und gegenseitigen informellen Austausch ein. Auf der Eingangsseite vergrössern sich die Treppenpodeste im ersten und dritten Wohngeschoss zu gemeinschaftlich genutzten Logen. Auch ein Gemeinschaftsraum und eine Waschküche mit Aussicht sind angeschlossen. Dass diese tatsächlich für Begegnungen genutzt werden, liegt auch daran, dass die Wohnungen selbst klein sind und weder über einen eigenen Balkon noch über eine Waschmaschine verfügen.
Im neuen Quartier am Lysbüchel entstehen viele gemeinnützige Wohnprojekte. Welche Rolle spielt ein einzelnes Haus wie LysP8 für die Entwicklung eines gemeinschaftlich geprägten Quartiers?
Das Bemerkenswerte am städtebaulichen Ansatz der Stiftung Habitat und der Metron AG als Verfasserin des Gestaltungsplans ist die Aufteilung des Areals in insgesamt 14 Parzellen, die zum grossen Teil im Baurecht mit einer langfristig nichtkommerziellen oder gemeinnützigen Perspektive vergeben wurden. So konnten kleinere Bauträgerschaften Häuser errichten, die oft von den Initiant:innen selbst bewohnt werden. Dadurch wurde eine grosse Identifikation der Bewohner:innen mit dem Ort erreicht, und in kürzester Zeit ist ein überaus bunter und lebendiger neuer Stadtteil entstanden. Die einzelnen Häuser leisten in dieser Konfiguration jeweils einen Beitrag zum Ganzen. Die vielen kostengünstigen kleinen Wohnungen im LysP8 sowie das begleitete Wohnen der Stiftung Rheinleben in den obersten beiden Geschossen ergänzen das Wohnungsangebot auf dem Areal und schaffen somit eine bereichernde zusätzliche Durchmischung im heterogenen Quartier.
Gemeinnütziges Wohnen stellt oft andere Anforderungen als konventioneller Wohnungsbau – vor allem in Anbetracht des Budgets. Wie hat dieser Anspruch den Entwurf und die räumliche Organisation von LysP8 beeinflusst? Und wie lässt sich dies mit der konsequenten Re-Use-Strategie vereinen?
Die Zielkonflikte aus den verschiedenen Anforderungen bezüglich sozialer, ökonomischer und ökologischer Nachhaltigkeit sind bei jeder Bauaufgabe präsent, im gemeinnützigen Wohnungsbau jedoch etwas verschärft. Der stetige Prozess der gegenseitigen Abwägung war auch beim LysP8 bestimmend. So musste zum Beispiel aus ökonomischen Gründen auf eine gemeinschaftliche Dachterrasse mit Gästezimmer zugunsten einer zusätzlichen Wohnung verzichtet werden. Die vorgegebenen minimalen Wohnflächen pro Person veranlassten uns dazu, ein Bad zu entwickeln, das mittels grosser Klapptüren von einer sparsamen Dusche in einen altersgerechten Nassraum umgewandelt werden kann.
Auch bei den rund zwanzig wiederverwendeten Bauteilen im Projekt mussten die Kosten stets im Blick behalten und der Nutzen sorgfältig abgewogen werden. Beispielsweise musste auf zwei kleine, dem Laubengang vorgestellte runde Sitz-Erker, die aus einem alten Öltank gefertigt worden wären, aus Kostengründen leider verzichtet werden.
© Federico Farinatti
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