Leerräume = Denkräume

Im städtischen Leben stellen Arbeitsräume einen festen Bestandteil dar – dennoch sind sie einer ständigen Veränderung unterworfen. Wurden sie vor ein paar Jahrzehnten noch für grosse Konzerne gebaut, werden sie heute plötzlich nicht mehr gleich nachgefragt. Was bedeuten diese Veränderungen für die Stadt in Zukunft?

An fünf Mittagsführungen vom 13. bis 17. Oktober 2025 führt Architektur Dialoge unter dem Titel „Leerräume = Denkräume“ durch fünf Bauwerke in Basel. Um diese Bauten und ihre räumlichen Qualitäten zu verstehen, ist der Künstler und Tänzer Timo Paris als Wochengast eingeladen. Zusätzlich zu den Kurzführungen von fünf Expertinnen greift der Basler Künstler mit einer Performance die Qualitäten des Ortes auf und öffnet Denkräume für zukünftige Nutzungen. Eines der fünf vorgestellten Projekte ist der postmoderne Bau am Aeschenplatz 6, der von Graser Troxler Architekten gemeinsam mit Staufer & Hasler Architekten eine Umnutzung erfährt. Mit einfachen und vor allem respektvollen Eingriffen zieht neues Leben in die Megastruktur ein, die Wohnen, Arbeit und Freizeit fortan unter einem Dach verbinden soll. Einen Einblick in das Projekt und einen Vorgeschmack auf die Mittagsführungen gibt uns Jürg Graser.

Bis im Juni 2022 bespielte die UBS den postmodernen Bau am Basler Aeschenplatz. Nun widmet sich der Bau dem Wohnen, dem Arbeiten und der Freizeitgestaltung. Welche strukturellen Änderungen bedingt so ein Programmwechsel bei Bestandsbauten?
In unserem Fall müssen wir keine strukturellen Änderungen vornehmen – die bestehende Konstruktion wird beibehalten. Lediglich im Innenraum musste die Raumstruktur an die Wohnnutzung angepasst werden. Dabei nehmen wir das vorhandene Skelett, die Betonmasse oder auch die Stützen weniger als Widerstand oder Einschränkung, sondern vielmehr als Fundgrube für Vielfalt wahr. Beispielhaft hierfür steht der gläserne Eingangsbereich, der hinsichtlich Wirtschaftlichkeit und Funktionalität bei einem Wohnbau heutzutage keine Berechtigung mehr hätte. Fortan dient dieser nun als Palmenhaus, das abends ein öffentliches Restaurant mit einmaliger Atmosphäre aufnimmt. Vielmehr als an Änderungen zu denken, suchen wir Potenzial im Bestehenden.

Flexiblere Arbeitsmodelle und vermehrtes Homeoffice ersetzen mittlerweile klassische Bürokomplexe. Wie kann mit dem Bestand solcher Bauten umgegangen werden, bzw. welche Möglichkeiten eröffnen solche bestehenden Strukturen?
Das Positive an dem Leerstand ist die Chance für einen grösseren Nutzungsmix – weg von einer Mononutzung hin zu einer Vielfalt. Hier am Aeschenplatz sollen künftig Wohnen – Miet- sowie Eigentumseinheiten –, Arbeiten und Freizeit Hand in Hand gehen, und dabei sollen die Qualitäten des Bauwerks aus den 1980er-Jahren sinnvoll genutzt werden. Hierfür wurden die der Gartenstrasse abgewandten, charakteristischen Gebäudeflügel komplett dem Wohnen gewidmet, während die gewerblichen Nutzungen hin zum Aeschenplatz orientiert sind und dort die Schnittstelle zum öffentlichen Raum bilden. Somit wird sowohl ein Lärmschutz für die dahinter liegenden Wohnungen gewährleistet als auch das Erdgeschoss und der urbane Raum belebt.

Das Projekt trägt den Namen „In den Gärten“ – worauf bezieht sich der Name, bzw. welche gestalterischen Aspekte zieht er mit sich?
Einerseits bezieht sich der Projektname auf die Lage an der Gartenstrasse, andererseits greift der Name die markante Begrünung des Projekts auf. Stadtseitig krönen sogenannte Kiemengärten die Fassade, die sich, wie der Name verrät, auf die Atemorgane der Fische beziehen. In den drei aufgestockten Obergeschossen gewähren sie kleine grüne Oasen, die von der ersten der drei neuen Etagen für alle Bewohnenden zugänglich sind. Diese sollen nicht nur ein angenehmes Klima im und ums Gebäude schaffen, sondern dank einer bewusst gewählten, einheimischen Bepflanzung die Biodiversität fördern. Gartenseitig entsteht mit dem Gartenhof eine grüne Oase für die Bewohner:innen.

Ein weiteres zentrales Element der Gebäudestruktur ist die „rue intérieure“. Welche Rolle nimmt diese ein?
Wir verstehen sie als Scharnier, das die soziale Rolle der Architektur widerspiegelt. Sie stellt nicht nur die Erschliessung dar und garantiert einen sanften Verlauf zwischen der öffentlichen und der privaten Nutzung, sondern soll als Treffpunkt für die Bewohner:innen der insgesamt 210 Wohnungen dienen.

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