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Am Wochenende vom 27. und 28. September lädt das Open House Zürich bereits zum 10. Mal ein, um die Vielfalt der lokalen Architekturlandschaft zu entdecken. Von historischen Bauten über zeitgenössische Gebäude bis hin zu aktuellen Neubauten sowie mit einem Mix aus privaten und öffentlichen Häusern umfasst das Programm ein breites Spektrum. In über 100 besonderen Häusern und Wohnungen, Theatern, Kirchen, Museen, Büros, Studios, Werkstätten und auch Schulen dürfen die Besucher:innen erfahren, wie in Zürich gewohnt, gelebt und gearbeitet wird. Mit zwei aktuellen und dabei sehr unterschiedlichen Projekten sind Holzhausen Zweifel Architekten im Programm vertreten. Einen Einblick in diese zwei konträren Arbeiten sowie einen Überblick über Zürichs Bautätigkeit gewährt uns Sebastian Holzhausen.

Herr Holzhausen, Ihr Büro ist mit zwei sehr unterschiedlichen Projekten – einem temporären Neubau und einer Sanierung – beim diesjährigen Open House Zürich vertreten. Ist diese Vielfalt repräsentativ für die allgemeine Bautätigkeit in der Stadt Zürich?
Grundsätzlich ja – denn auch die Projekte in Zürich sind durchwegs von einer ebenso grossen Vielfalt geprägt. Was bei der stetig steigenden Bautätigkeit, die ich in den letzten 20 Jahren wahrgenommen habe, kaum überrascht. So sind neben Ersatzneubauten sowie dem klassischen Wohnbau ebenso das Bauen im Bestand sowie vor allem vermehrt auch temporäre Bauten und Zwischennutzungen ein Thema in der Zürcher Architekturlandschaft.

Apropos temporär. Die Bus Station am Zürcher Sihlquai ist mit einer Standzeit von 15 Jahren vorgesehen. Welche Herausforderungen stellt diese zeitliche Begrenzung hinsichtlich des Designs und des (materiellen) Qualitätsanspruchs dar?
Der temporäre Aspekt hat uns tatsächlich vor einige Herausforderungen gestellt. Eine der grössten Hürden war hierin, die Nachhaltigkeit mit einer gewissen Dauerhaftigkeit sowie der im öffentlichen Raum notwendigen Robustheit zu vereinen. Aufgrund der geplanten Standzeit von 15 Jahren mussten wir ebenso mit einem knapperen Budget haushalten, sodass für uns von Beginn an ein einfacher Bau zur Debatte stand. Einach bzw. simpel in der Konstruktion und Materialität, jedoch nicht billig in der Qualität – wohlgemerkt! Demzufolge haben wir uns für naturnahe, unbeschichtete Produkte, direkte Aufputzleitungen, wenig Verkleidung und eine sortenreine Umsetzung entschieden. Die Wahl fiel zum Beispiel auf Dreischicht- sowie OSB-Platten, die wir in ihren vollen Plattenmassen verwendeten, um zudem Zuschnitt zu vermeiden und wenig Abfall zu produzieren. Aus diesen Plattenformaten haben sich letztlich auch die Form bzw. die Abmessungen und das Raster der Bus Station ergeben.

Einen Kontrast zu diesem Projekt präsentiert das Gebäude von Prof. Jacques Schader aus der Mitte der 1980er-Jahre. Wie wichtig ist es für Städte, historische Bauten hinsichtlich deren identitätsstiftenden Charakters zu erhalten?
Die Wiedererkennbarkeit von Orten oder Quartieren ist von grosser Bedeutung und spielt zudem eine enorme Rolle in der Lebenswertigkeit dieser Umgebungen. In Städten, wo Schnelllebigkeit, Wachstum und Transformation zum Alltag gehören, bilden ebensolche Landmarken eine Konstante. Für mich ist das Weiterbauen auch nicht mit einem steten Neudenken gleichzusetzen, sondern vielmehr als ein Weiterdenken zu verstehen. Sind historische Bauten demzufolge gut gemacht, lassen diese eine gewisse Flexibilität zu, die eine Anpassung an die aktuellen Gegebenheiten ermöglicht. Was ebenso ein wichtiger Schritt in Richtung Nachhaltigkeit ist.

Rezyklierbare, temporäre Bauten, die sich dem steten Wandel in Städten anpassen, oder doch der Erhalt von Geschichten erzählendem Bestand – wohin wird sich der Bautrend (vor allem in Zürich) entwickeln?
Beide Themen haben eindeutig ihre Berechtigung und sind im aktuellen Baugeschehen präsent. Das Erhalten von bestehender Bausubstanz hat in den letzten Jahren glücklicherweise enorm an Aufmerksamkeit gewonnen und hat sich zudem an den Hochschulen als fixer Bestandteil des Lehrplans etabliert. Ebenso ein grosses Thema in der Stadt sind temporäre Bauten – insbesondere bei Bauaufgaben und Programmen, die von einem akuten Platzmangel betroffen sind. Nennenswert sind hier hauptsächlich studentische Wohnsiedlungen oder Schulpavillons, die der Raumnot entgegenwirken sollen. Auch wenn temporäre Bauten hier eine gute Lösung präsentieren, legen einem die aktuellen Normen und Richtlinien viele Steine in den Weg. Denn rechtlich gesehen, gelten Bauwerke, die für einen Zeitraum von mehr als ein paar Monaten stehen sollen, nicht mehr als temporär. Zum Glück arbeiten die SIA und der BSA mit der Etablierung eines Gebäudetyps E bereits daran, diese Richtlinien anzupassen.

Sebastian Holzhausen studierte Architektur an den Fachhochschulen in Dortmund und Aachen. Seit 2010 arbeitet er mit Hannes Zweifel zusammen und gründete 2012 die Holzhausen Zweifel Architekten GmbH SIA mit Sitz in Zürich und Bern.

Weitere Informationen zum Open House Zürich finden Sie hier.

 

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