
Im Schweizer Beitrag zur 19. Architekturbiennale in Venedig fragen die Kuratorinnen: „Was wäre, wenn nicht Bruno Giacometti, sondern Lisbeth Sachs den Schweizer Pavillon entworfen hätte?“
Sachs war eine der ersten eingetragenen Architektinnen der Schweiz und dabei Zeitgenossin von Bruno Giacometti, der den Schweizer Pavillon in den Giardini della Biennale di Venezia entwarf. Die Absicht der Kuratorinnen ist es, die temporäre Kunsthalle, die von Lisbeth Sachs für die Schweizerische Ausstellung für Frauenarbeit 1958 in Zürich geschaffen wurde, im Schweizer Pavillon wieder aufleben zu lassen. Damit wollen sie auf die historische Abwesenheit von Architektinnen in den Giardini hinweisen sowie ein räumliches Gedächtnis für weniger bekannte Architekturen wecken.
In der Ausstellung im Schweizer Pavillon beleuchten die Kuratorinnen hierfür, welchen Einfluss die Vision von Lisbeth Sachs auf den heutigen Ausdruck des Schweizer Pavillons hätte haben können. Ausgehend von Sachs’ Ansatz, gestalten sie ein fragmentiertes, immersives Raumgedächtnis, das die ästhetischen und ethischen Anliegen sowohl ihrer Zeit als auch unserer Gegenwart wachruft.
Diese Neuinterpretation dieses besonderen Pavillons eröffnet einen strukturellen und symbolischen Dialog: Beton wird in Holz übersetzt; das zentrale Beleuchtungssystem der Originalpläne wird zum Vehikel der akustischen Übertragung – zwischen Sachs‘ Generation und heute, aber auch zwischen architektonischen und künstlerischen Konzepten. Mit der Eingliederung einer ortsspezifischen Klanginstallation transformieren die Kuratorinnen den Pavillon in einen multisensorischen Erfahrungsraum.
Durch die Rekonstruktion von Elementen des radialen Grundrisses von Sachs und die Einbindung auditiver Komponenten schaffen sie einen Raum, der die Besuchenden einlädt, den offenen Prozess einer „widerhallenden Architektur“ zu erleben – einer Architektur, die entsteht, wenn vergangene und gegenwärtige Stimmen konvergieren. Schlägt Licht in Klang um, kippt die Kunsthalle in einem Akt der ständigen Feinabstimmung in eine andere Dimension.
Bis zum 23.11.2025 in den Giardini della Biennale di Venezia
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