Verhalten (und) gestalten

Verhalten (und) gestalten. Im Modulør 04/25 widmen wir uns der Arbeit des japanischen Ateliers Bow-Wow, die auch in der ETH Zürich Einzug gefunden hat.

Die japanische Architektur ist international gesehen ein Vorbild – vor allem aufgrund ihrer einzigartigen Verbindung von Natur, Tradition und Modernität. Die Verwendung von natürlichen Materialien, insbesondere Holz, der harmonische Umgang mit der Umgebung, die präzise und durchdachte Gestaltung von Räumen sowie nicht zuletzt der Städtebau dienen Architekt:innen weltweit als Inspirationsquelle.

Zu diesen Vorbildern gehört auch Atelier Bow-Wow, das von Yoshiharu Tsukamoto und Momoyo Kaijima in Tokio gegründet wurde und sich seit seinen Anfängen in den späten 1990er-Jahren zu einem der innovativsten Architekturbüros in Japan entwickelt hat. Das Duo ist bekannt für seine experimentellen Ansätze und das Streben nach einem tiefen Verständnis für die urbane Lebensweise, die ein wesentlicher Teil der japanischen Kultur ist. Seine Entwürfe sind daher nicht nur ästhetisch ansprechend, sondern orientieren sich vor allem stark an den Bedürfnissen und Verhaltensweisen der Nutzer:innen. Während es sich zu Beginn verstärkt dem urbanen Raum widmete und mit seiner Pet-Architektur zeigte, wie qualitative Wohnräume selbst in kleinen Baulücken möglich sind, änderte sich im Laufe der Zeit der Fokus. Eine zentrale, sehr aktuelle Thematik in seiner Arbeit ist die sogenannte Behaviorology. Dieses Konzept untersucht, wie Architektur das soziale Verhalten und die Interaktion der Menschen beeinflusst. Durch detaillierte Analysen alltäglicher Lebenssituationen und der Architektur, die diese unterstützt, schafft Atelier Bow-Wow nun Räume, die neben der Funktionalität auch eine verbesserte Lebensqualität der Bewohner:innen garantieren.

Die Philosophie von Atelier Bow-Wow findet auch Ausdruck in den Lehrtätigkeiten von Momoyo Kaijima, die als Professorin an der ETH Zürich arbeitet. Hier bringt sie ihre Ansichten über die Rolle der Architektur im umgebenden Kontext in die Ausbildung junger Architekt:innen ein. Sie fördert damit eine kritische Auseinandersetzung mit dem Raum und dessen Nutzung, was den Studierenden letztlich hilft, ein Bewusstsein für die sozialen und kulturellen Dimensionen des Bauens zu entwickeln. Ihre Lehrmethoden kombinieren hierfür theoretische Ansätze mit praktischen Projekten, was zu einer dynamischen Lernumgebung führt und die Studierenden ermutigt, innovative Lösungen für komplexe architektonische Herausforderungen zu finden.

In einem Interview gibt Momoyo Kaijima Einblicke in ihre Philosophie sowie Arbeit, während Jesper Værn vom Dänischen Architekturzentrum die Pet-Architektur beleuchtet.

Mehr über die Entwicklungen in Bergen finden Sie in unserer neuesten Ausgabe.

Meistgelesen

Meistgelesen