Am Rebhang oberhalb des Zürichsees verbindet das neue Restaurant Frohberg in Stäfa Vergangenheit und Gegenwart zu einem atmosphärischen Ort der Begegnung. Der Neubau von Peter Moor Architekt ETH/SIA greift die Typologie der traditionellen Zürichsee-Häuser auf und übersetzt sie in eine zeitgenössische Architektursprache. Zwischen regionaler Baukultur, nachhaltiger Konstruktion und präzise gesetzten Ausblicken entsteht ein Haus, das Geschichte bewahrt und zugleich neue Räume für Gemeinschaft schafft.
«Frohberg» taucht als Siedlungsname im ausgehenden 19. Jahrhundert zum ersten Mal auf. Der relativ junge Siedlungsname leitet sich ab vom gleichnamigen Gasthaus. Der Ziername wurde vermutlich wegen der aussichtsreichen Lage mit Blick auf den Zürichsee gewählt und passt mit zunehmendem Tourismus gut ins 19. Jahrhundert.
Das Toponym Frohberg ist meist jung und benennt in dieser Gegend häufig Höfe. Ein solcher ist auch der Vorläufer vom Restaurant Frohberg; erstmals erwähnt 1568 mit «2 Juch acker uff dem Berg, in Schluchen genannt». Schluchen oder Schluhen wie der Ort einst hiess leitet sich ab von Schlucht; gemeint war wohl das Bürgistobel, welches unterhalb liegt. Ab 1746 ist mit dem Begriff «Holtz» erstmals namentlich eine Wohnstätte er-wähnt. Mit dem Eintrag 1760 von «Hauß und Guther in der Pfarr und Zuri-chischen Obervogtey Staffen» wird klar, dass auf dem heutigen Frohberg schon vor mehr als 250 Jahren ein Hof betrieben wurde. Aus dieser Zeit übrig geblieben ist lediglich der denkmalgeschützte Nehracher Kachelo-fen von 1766, welcher im Ersatzneubau in der Gaststube wieder einge-baut wurde. Der Sandsteinbrunnen ist ein Fundstück, welches neben dem Schopf lag und möglicherweise in die gleiche Zeit gehört. Aus dem 1841 umschriebenen Begriff «Oberwacht» wird auch klar, dass die ausserordentlich gute Lage dem Haus bald mehr beschied als blosse Landwirt-schaft. Das Gasthaus Frohberg, bestehend aus einem Stallteil im Osten und einem versetzt dazu angeordneten Restaurant und Wohnteil fungierte während einiger Zeit als Kurhaus und Pension später zunehmend als Re-staurant. Die Gartenwirtschaft warb damals mit 350 Sitzplätzen, wie man alten Inseraten entnehmen kann; ein Zeichen, dass der lokale Tourismus Anfang des 20 Jahrhunderts wohl florierte.
1983 wurde das Restaurant integral umgebaut. Im Bereich des ehe-maligen Stallteiles wurde ein neues Untergeschoss erstellt, welches als Basis für die neue Küche sowie dem seeseitigen Gastraum diente. Die Gemeinde Stäfa hat den Betrieb später übernommen und bis ins Jahr 2022 im Rahmen eines Pachtverhältnisses weitergeführt. Das in die Jahre gekommene Haus wurde mit einem Projektwettbewerb 2015 als Umbau und Erweiterung ausgeschrieben, welcher das Architekturbüro von Peter Moor aus Zürich für sich entscheiden konnte. Der neue Frohberg greift mit seinem markanten Giebel zum See ein typisches Motiv von ehemals landwirtschaftlich genutzten Häusern entlang dem See auf. Der Neubau mit seiner Charakter-Silhouette versteht sich als beherzten Entscheid der Gemeinde, den geschichtsträchtigen Ort auf lange Zeit zu erhalten und für weitere Generationen erlebbar zu machen.
Ortsbaulicher und landschaftlicher Zusammenhang
Das typische Bild der Zürichsee-Häuser mit ihren zum See hin orientierten Giebelfassaden prägt die Silhouette des Restaurants Frohberg. Diese neue Giebelfassade greift bis auf das Niveau des Rebberges und verhält sich ambivalent als landschaftliche Mauer oder als Fassade. Nebst der volumetrischen Verzahnung im Hang schafft diese Geste auch einen zusätzlichen Aussenraumbezug im Untergeschoss sowie eine Gliederung der Aussenräume. Die vorhandene Terrassenmauer tritt in einen spielerischen Dialog mit der Mauer der Giebelfassade. Das Haus steht auf der Mauer und ist die Mauer. Der Ostteil greift die ehemalige Volumetrie mit deren kräftigen Giebelwänden auf, der neue Saal stellt sich rechtwinklig dazu und schafft mit seinen Giebelwänden einen charaktervollen Auftakt beim Zugang und formt die prägende Silhouette. Die neue Volumetrie versteht sich als schlüssiges neues Ganzes.
Erschliessung, Freiräume und Aussennutzungen
Die bestehende Erschliessung wird belassen. Der Parkplatz wird zum chaussierten Vorplatz und steht in einem präzisen Bezug zur neuen Eingangssituation. Die Parkierung wird leicht begradigt. Die volume-trische Setzung schafft differenzierte Aussenräume mit unterschiedlichen Qualitäten: Die Restaurantterrasse liegt in direktem Bezug zur Gaststube an bester Aussichtslage. Mit ihren heiteren Sonnenschirmen versprüht sie eine ungezwungene, festliche Atmosphäre; ergänzt von einem Schattendach mit Kastanien. Die bestehende Terrassenmauer wird in Richtung Osten versetzt und neu als naturnahe Trockensteinmauer wieder aufgebaut. Der neue Garten auf Rebbergniveau lässt unabhängig vom Tagesbetrieb eine zusätzliche Aussenraumnutzung zu ebenfalls mit hervorragender Aussichtssituation. Der parkartige Aussenraum auf der Westseite wird dem Saal zugeordnet und lässt auch hier eine vom Tagesbetrieb diskret abgewandte Aussennutzung zu.
Architektonischer Ausdruck
Die einmalige Lage des Restaurants Frohberg verschafft dem Betrieb einen unverwechselbaren Charakter. Atmosphärisch galt es hier neue Räume zu kreieren die vom ersten Tag an eine rurale Wärme und Gemütlichkeit ausstrahlen ohne zwingend im „Stübligroove“ zu verharren. Es soll ein festlicher Ort entstehen, der von einem guten Geist beflügelt ist. Konstruktions- und Materialkonzept Das Haus versteht sich als murales Bauwerk mit gezielt gewählten Öffnungen. Während die massiven Mauern der Giebelfassaden als Lochfassaden funktionieren verstehen sich die Längsseiten als feingliedrige strukturelle Öffnungen welche ein Maximum an Sichtbezug zur Aussicht und zum Aussenraum hin zulassen. Auch die Längsseiten weisen murale Partien auf, welche das Haus als Ganzes zusammenhalten. Die Wände sind in einem groben, warmgrauen Verputz gehalten. Die Fenster erhalten mittig gefaltete in den Leibungen parkierte Jalousieläden aus Lärchenholz. Die murale Schwere wird durch die filigrane Leichtigkeit dieser Jalousien angenehm kontrastiert und zusätzlich verorten die Jalousien das Haus auch im ruralen Kontext. Die Materialwahl und die Möblierung werden bewusst mit aufgefrischtem Secondhand-Mobiliar bzw. mit einem alten Holzbretterboden angedacht. Alte emaillierte Stallleuchten mit Stoffkabel oder die Integration des alten Kachelofens helfen mit eine authentische Atmosphäre zu schaffen. Im Ostteil wird mit einem Doppelboden, welcher 2 Stufen höher liegt als die Terrasse und der Wintergarten eine feine Differenzierung zwischen Innen und Aussen erreicht. Die abgehängte Decke wird im Gegenzug rückgebaut, so dass die Raumhöhe gegenüber heute in etwa gleich bleibt. Der Doppelboden leistet in der Neuorganisation der Küche sowie der Raumlüftung einen wertvollen Beitrag.
Nachhaltigkeit
Durch die neue Gebäudehülle können die Fassaden gemäss MINERGIE Standard dimensioniert werden, so dass die Energieverluste über die Aussenflächen auf ein Minimum reduziert werden. Die Hauptbauteile weisen U-Werte von 0.20 und tiefer auf. Die Fenster werden 3-fach verglast und der g-Wert möglichst hoch angesetzt, damit die passiven Sonnenenergie-gewinne voll genutzt werden können. Ebenso wird sich die Beschattung der Fenster auf die optimale Nutzung der Wärmegewinne richten. Als Energiequelle werden Erdsonden in Kombination mit einer Wärmepumpe eingesetzt. Für die Wärmeabgabe in den Räumen wird eine Nieder-temperatur-Flächenheizung / Fussbodenheizung vorgesehen. Um den Raumkomfort möglichst hoch zu halten, wurden bei Räumlichkeiten mit hohen Glasflächen, Bodenkonvektoren in Kombination mit einer Fussbo-denheizung ausgeführt, sodass allfällige Kaltluftabfälle vermindert werden konnten. Der Fokus liegt auf einer ökonomisch und energetisch sinnvollen Weise, das Maximum an intern vorhandenen Energien zu nutzen. Aus diesem Grund wird die Abwärme aus der gewerblichen Kälteerzeugung (Kühlvitrinen, Kühlzellen, etc.) für die Brauchwarmwasser Vorwärmung verwendet. Die Abwärme der Kältemaschine wird über eine Abwärme-nutzung, für die Vorwärmung des Brauchwarmwassers verwendet. Im gesamten Gebäude ist eine mechanische Lüftungsanlage vorgesehen. Die Lüftungsanlagen (Restaurant / Saal) befinden sich im Dachgeschoss. Insgesamt lässt sich das kompakte Volumen mit seinem ruralen Ansatz mit baubiologisch vertretbaren Produkten realisieren; es erfüllt somit die Ansprüche an das ökologische Bauen.
Nutzung und Organisation
Der bestehende Ostteil des Hauses leistet wie auch früher schon mit der Gaststube, der Küche und der Wohnung den Hauptteil der Nutzung. Das neue Querschiff beinhaltet den Saal sowie die Seminarräume. Der grosszügige Dachvorsprung des ehemaligen Ostteiles erlaubte eine räumliche Erweiterung dieses gesamten Flügels mit der Küche in Rich-tung Norden. Im Süden wird die bestehende Fassade in eine filigrane Stützenstruktur aufgelöst. Der somit nördlich gewonnene zusätzliche Platz leistet einen willkommenen Beitrag in der kompakten Organisation des gesamten Restaurants. Der neue westliche Hausteil erhält dadurch eine grosse Flexibilität in der Organisation: Er kann im UG auf Rebbergniveau einen Degustierkeller haben und im EG den grosszügigen bis ins Dach reichende Saal.
©Roger Frei
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