Haus am Fluss

Mit dem „House on the River“ realisierte Atelier Échelle ein grosszügiges Familienrefugium an einem Ort, der seit Generationen im Besitz der Bauherrschaft ist. Fünf markante Satteldächer fügen sich zu einer architektonischen Komposition, die ländliche Bautraditionen aufgreift und zugleich ein zeitgemässes, offenes Wohnen am Flussufer ermöglicht.

Architektur wie ein kleines Dorf
In Saint-Jean-Port-Joli, eingebettet in eine sanft abfallende, unberührte Landschaft, entwickelt sich das Haus wie ein kleines Dorf unter einem Dachensemble aus fünf geneigten Dachkörpern. Jede Dachform definiert darunter einen gewölbten Raum und verleiht dem Gebäude eine klare, fast archetypische Silhouette.
Die Eingangshalle rahmt bereits beim Betreten den Blick auf den Fluss in der Ferne. Von hier aus führt die Raumabfolge vorbei an einem Gästetrakt und einer Lounge in das Herzstück des Hauses: den grosszügigen Wohnbereich. Eine weit gespannte Fensterfront öffnet den Blick in die Landschaft und lässt Innen- und Aussenraum ineinander übergehen. Küche, Ess- und Wohnbereich bilden hier eine zusammenhängende Einheit. Auf der einen Seite schliessen sich eine Aussenküche mit Essplatz und Pool an, auf der anderen die private Hauptsuite.

Hommage an die Familiengeschichte
Auf dem Grundriss eines vorgefertigten Bungalows aus den 1970er-Jahren entstanden ein Wintergarten und ein Atelier. Diese Bereiche würdigen die lange Familientradition leidenschaftlicher Gärtnerinnen und Gärtner. Enkaustische Bodenfliesen erzeugen kontrastreiche, grossformatige Muster und treten in einen spannenden Dialog mit viktorianischen Antiquitäten. So entsteht eine feinsinnige Referenz an vergangene Zeiten, ohne nostalgisch zu wirken.

Zurückhaltende Materialität im Wandel der Jahreszeiten
Die Fassade ist mit verkohlten Zedernholzplanken ausgeführt, einer Technik, die als Shou Sugi Ban bekannt ist. Im Winter hebt sich das dunkle Holz kontrastreich von der geschlossenen Schneedecke ab, im Sommer erhält es eine silbrige Patina im Zusammenspiel mit dem satten Grün der Umgebung. Grosszügige Verglasungen schaffen weite Sichtbeziehungen in die Natur; alle vier Schlafzimmer orientieren sich zum Fluss. Im Inneren verbindet weisse Eiche die Räume zu einer harmonischen Einheit. Breite Dielen, Sockelleisten, Rahmungen und integrierte Einbauten greifen das Material immer wieder auf und schaffen eine ruhige, warme Atmosphäre.

Die Küche als Bühne und Werkstatt
Da die Bauherrschaft leidenschaftlich kocht, entwickelte Atelier Échelle ein zweiteiliges Küchenkonzept. Eine überdimensionierte Vorrats- und Arbeitsküche übernimmt die intensiven Vorbereitungsarbeiten und ist direkt mit dem Carport verbunden, dessen transluzentes Polycarbonatdach Tageslicht ins Innere lässt. Parallel dazu öffnet sich eine repräsentative Küche zum Ess- und Wohnbereich und lädt Gäste ein, sich um die Kochinsel zu versammeln.
Arbeitsflächen und Rückwand aus Taj Mahal-Stein mit goldenen Adern und sanften Grüntönen ergänzen die helle Eichenmöblierung. Integrierte Beleuchtung und geriffeltes Glas setzen Akzente und verleihen der Vitrine Tiefe. Eine diskret integrierte Frühstücksnische lässt sich bei Bedarf zurückziehen. Mit Kamin, argentinischem Aussengrill und beheiztem Pool entstehen je nach Jahreszeit unterschiedliche Zentren des familiären Lebens.

Die Hauptsuite als privater Rückzugsort
Ein kleines Büro und ein Fensterarbeitsplatz bilden einen Puffer zwischen dem lebhaften Gemeinschaftsbereich und der Hauptsuite. Das Schlafzimmer ist in kräftige Eichenwände mit eingebetteten Schränken eingefasst. Ein grossformatiges Fenster, mittig zum Bett angeordnet, rahmt den Blick auf Fluss und Berge.
Das angeschlossene Bad erinnert an eine Hotelsuite. Ein Mosaikboden aus getrommeltem Marmor, Wandfliesen aus Bianco Dolomite und massgefertigte Eichenmöbel mit Calacatta-Marmorplatten prägen den Raum. Doppelwaschtisch, freistehende Badewanne, Schminktisch und eine grosszügige Dusche mit integrierter Sitzbank schaffen ein Ambiente, das Erholung und Grosszügigkeit vereint.
Das Gäste-WC greift die Farben des Flussufers auf. Ein Waschtisch aus lebhaft geädertem Naturstein in Blau- und Schokoladentönen erinnert an die Gesteinsformationen am Wasser. Eine Leuchte eines Montréaler Designstudios, das Keramikelemente in seine Entwürfe integriert, wurde farblich auf die Steinplatte abgestimmt.

Ein ruhiger Gästetrakt mit Blick ins Grüne
Hinter einem Familienraum für Spiele und Lernen öffnet sich der Gästeflügel mit drei Schlafzimmern für die beiden Töchter und ihre Freunde. Das grösste Zimmer am Ende einer inszenierten Enfilade verfügt über ein eigenes Bad mit indigoblauen japanischen Keramikfliesen, Eichenmöbeln sowie Marmor- und Messingdetails.
Die beiden kleineren Zimmer teilen sich zwei Halb-Bäder, die zugleich als zusätzliches Gäste-WC für den angrenzenden Aufenthaltsbereich dienen. Handgefertigte Keramikfliesen und Messingakzente verleihen auch hier eine hochwertige Anmutung. Jedes Gästezimmer verfügt über eine gepolsterte Fensternische mit Blick auf den Fluss, ergänzt durch eine kleine Leseleuchte. Diese Rückzugsorte laden dazu ein, innezuhalten, die Ruhe zu geniessen und sich von der umgebenden Natur inspirieren zu lassen.
Mit dem „House on the River“ ist ein Haus entstanden, das Erinnerung, Gegenwart und Landschaft in einer klaren architektonischen Sprache vereint. Es ist zugleich familiärer Treffpunkt, persönlicher Rückzugsort und zeitgemässe Interpretation ländlicher Bautradition.

© Maxime Brouillet

Weitere Informationen zu dem Büro finden Sie hier.

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