Wie möchten wir morgen arbeiten? Diese Frage stellt sich die Architekten von EM2N beim Projekt für dieses Gewerbehaus im Zürcher Binz-Quartier in ganz konkreter Form, da bereits zum Zeitpunkt des Projektstarts klar ist, dass sie einen Teil der Mietflächen beziehen werden. Neben der Vision einer neuen Arbeitswelt prägen auch die Grenzabstände und zulässigen Gebäudehöhen das Projekt massgeblich. Dabei fassen sie die volumetrischen Einschränkungen nicht als Nachteil auf, sondern als produktiven Katalysator für die Konzeption eines innovativen Gewerbehauses.
Je nach Lage im Haus entstehen verschieden grosse Räume mit variierenden Raumhöhen, die in dieser Art auf dem normalen Liegenschaftsmarkt kaum zu finden sind. Im Erdgeschoss soll eine gastronomische Nutzung einen öffentlichen Ort entstehen lassen, der in die Eingangshalle und über das Haus hinaus in die nähere Umgebung ausstrahlt. Die Mieteinheiten in den Obergeschossen verfügen nordseitig über direkt zugängliche, halbgedeckte Balkone. Die Terrassen auf der Südfassade sind mit einer Aussentreppe untereinander verbunden und können direkt aus dem Hof erreicht werden. Dieser Treppenweg verleiht dem Haus einen kollektiven Charakter und fördert die Kommunikation und den Austausch unter der Mieterschaft.
Ein wichtiger Bestandteil des Konzepts ist die Begrünung des Hauses. Die Pflanzen erfüllen zwei Funktionen. Einerseits soll sie eine Art ‘grüne Oase’ im dicht bebauten und grossteils versiegelten Industriequartier Binz herstellen, um das subjektive Empfinden der Nutzenden zu verbessern, andererseits unterstützen die Pflanzen das Haus klimatisch über ihre Sonnenschutzfunktion und die Erzeugung eines Mikroklimas im Bereich der Balkone und Terrassen. Sträucher, Büsche und Hängepflanzen werden direkt im Terrassenbereich in bewässerten Pflanzbecken gepflanzt. Im Süden dienen Pflanzen auf auskragenden Bewuchshilfen der Verschattung der unteren Geschosse, im Norden wächst das Grün vor allem am Geländer. Ost- und westseitige werden die Sichtbetonfassaden mit Kletterpflanzen vom Boden aus begrünt.
Die Materialisierung und das Haustechnikkonzept sind so roh und so einfach wie möglich. Alle Räume werden fensterbelüftet und mittels thermoaktiven Bauteilsystemen (TABS) passiv gekühlt. In den Bürogeschossen im 3. bis 6. Obergeschoss wird komplett auf eine Lüftung verzichtet, für die Gewerbenutzung im Erdgeschoss bis 2. Obergeschoss wird eine Lüftung bis und mit dem Verteilring ausgebaut. Raum für spätere Technikzentralen und Steigzonen ist baulich vorgesehen, so, dass allfällige Anpassungen mieterseitig möglich sind.
Text: EM2N
© Kuster Frey
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