Aller guten Dinge sind Drei

Aus zwei mach drei: An exklusiver Lage ersetzt ein Wohnhaus-Trio zwei Beststandsbauten und verdichtet den Ort nach Innen. Dank der schlanken Volumen und sublimen Anordnung und Aufteilung der Innenräume entsteht ein stringentes Gefüge, das die Qualitäten der Lage zu nutzen vermag. 

Ein idyllisches Fleckchen Erde – diese Umschreibung trifft auf die Ortschaft Eich bestens zu. Wer in Luzernnähe die Innerschweizer Natur entdecken will, der wandert am besten hier durch ein wechselndes Panorama aus Sandsteinfelsen, Wasserfälle, Weiher, Biotope, Wiesen und Wälder. Und allem voran die Alpen am Horizont und der Sempachersee zu Füssen, die diesen Wohnort einer helvetischen Postkartenlandschaft gleich umrahmen. 

Es war klar, dass die Präsenz von Berg und See den Entwurf von Anfang an mitgeleitet haben, sämtliche 24 Wohnungen richten sich dahin aus, lassen Weitblick zu und holen zugleich diese herrliche Aussicht hinein ins Wohnzimmer. Auch liegt die gesamte Gemeinde an einem Südhang, weshalb das Gelände am Standort der neuen Mehrfamilienhäuser die Ausrichtung auf diese prächtige Kulisse begünstigt. Eich, das eine weit zurückgehende Geschichte hat (um das Jahr 70 nach Christi gehörte das Gebiet um Eich den Römern), liegt am Ostufer des Sempachersees. Seit dem Bau des gleichnamigen Autobahntunnels ist das Dorf zweigeteilt in das Unterdorf am See und das Oberdorf bei der Kirche. In den letzten Jahren entstanden Neueinzonungsgebiete und die Gemeinde war darum bemüht, die Siedlung entsprechend zu erweitern, wobei der Mangel an bezahlbarem Wohnraum als grösste Problemzone erachtet wird. 

Daher war eine der Aufgabenstellungen für das für die Planung zuständige Büro Schürch Architekten aus Luzern Mietwohnungen zu schaffen für Familien und junge Menschen. Und erst noch inmitten einer privilegierten Wohnlage, ähnlich der Goldküste in Zürich, die sich sonst nur Wohlhabende leisten können. Gegeben waren zwei vorhandene Parzellen. Mit zwei in die Jahre gekommene Wohnhäuser aus den 60er-Jahren; diese machten Platz für die drei moderne Wohnhäuser, die sich entlang der Gemeindestrasse ins Quartierbild einfügen und zugleich über einen eigenständigen Ausdruck verfügen. Die Kuben rücken direkt an die leicht nach Nordosten verlaufende und leicht ansteigende Strasse heran, und als Punktbauten lassen sie die gewünscht gestaffelte und lose Setzung entstehen, die eine extreme Strassenfront umgeht und der lockeren Bebauungsstruktur und dem dispersen Muser des Quartiers entspricht. 

Aus zwei mach drei Gebäude auf denselben zwei Parzellen – eine Innere Verdichtung also, die auf den ersten Blick etwas gewagt anmutet, zumal ein verdichtetes Gefüge bei Seelage normalerweise die Aussichtsqualität vermindern würde. Dies verhindern aber die schlanken Baukörper und lassen eine Lösung zu, die trotz ihrem Verdichtenden genügend Freiraum schafft – Sichtkorridore dazwischen, genug Fläche für Spielwiesen und Aufeenthaltsbereiche – aber auch, um Licht und Aussicht für die Wohnungen zu generieren. Da sich die Parzelle mittig stark verengt, war es nur logisch, dass sich auch der mittlere Bau, im Vergleich zu den beiden anderen Volumen, am stärksten zurückzunehmen hatte und sich als Einbünder mit grosszügigen Familienwohnungen geradezu anbot. 

Ebenso herausfordernd war die Planung der Einstellhalle. Um über sie alle drei Häuser zu erschliessen resp. zu verbinden, waren die Hangneigung und der damit korrelierende Geschossversatz pro Wohnhaus auszunivellieren mittels präzisen Auslotens im Schnittprojekt. Eine ins Gefälle gesetzte Einstellhalle integriert die vorhandene Höhendifferenz so, dass sie nirgendwo Aussicht verbaut und zugleich Aushub sparen lässt. Die am nördlichen Dorfrand von Eich entwickelten Mehrfamilienhäuser nutzen auf der einen Seite das Potenzial der Lage, auf der anderen Seite bewältigen sie die neue, hohe Überbauungsziffer mit einer Organisation der Grundrisse, aus der heraus sämtliche Wohnungen vom Licht und vom Ausblick profitieren. 

Die beiden äusseren Häuser sind klassische Zweispänner mit nordseitig angeordnetem Treppenkern. Um den Wohnungsmix zu verbreitern resp. variantenreicher zu gestalten, verfügt eines dieser Häuser über eine um eine Raumschicht nach rechts verschobene Vertikalerschliessung, wodurch ein Zimmer die Hausseite wechselt und ein zusätzliches Zimmer möglich ist. Überhaupt war die Anzahl Zimmer letztlich wichtiger als die Wohnfläche. Es sind Mietwohnungen, die Langlebigkeit der Beläge war dementsprechend ebenso von Bedeutung. Während sich die Tagesräume (mit sich überschneidenden Raumzonen) zum See hin öffnen und über die als Gartenzimmer bezeichneten Loggien erweitern, ordnen sich die Nachträume hangseitig um einen Funktionskern mit Eingang, Garderobe und Nassraum an. Diese Raumschichtung ist an der Fassadenstruktur erahnbar. 

Horizontale Bänder betonen die einzelnen Geschosse. Lisene und Simse gliedern die Holzfassade, in der geschlossene und verglaste Felder sich zu einer optisch eigenwilligen und eigenständigen Kombination verbinden. Die Fassadenhaut hebt sich von den dunkel einbrennlackierten Metallflächen bzw. Storenblenden und den im selben Farbton ausgestalteten, zweierlei Brüstungen ab. Während die Zimmerfenster im Brüstungsbereich unterschalt sind, erhalten die raumhohen Wohnfenster dieselben filigranen Staketengeländer wie die Loggien und tun das ihre dazu bei, dem Kubus sowohl in sich als auch allen drei Gebäuden einen einheitlichen architektonischen Auftritt zu verschaffen.

Mit einer modernen Architektur in Holz erreichen die drei Wohnhäuser eine gute Einpassung ins Ortsbild; ihre Prägnanz kontrastiert die Bauten in der Umgebung und ergänzt sie zugleich. Ihre spezielle Ausgestaltung und selbstverständliche Präsenz in der ortsräumlichen Grammatik tragen dazu bei, dem Platz nah am See eine einprägsame Identität zu verleihen. 

Das Gebäude „bändigt“ verschiedenste Kräfte, die auf die Entwicklung dieses Wohnortes eingewirkt haben und meistert die reduzierten Platzverhältnisse mit Sorgfalt und Ausgewogenheit. Die vorhandene Lösung mit zwei Bestandsbauten wurde akribisch analyisert und der Ort weiterentwickelt mit einem neuen Ansatz. Aus zwei macht drei. Die Verteilung auf drei Häuser führt zu einer überraschend verträglichen Dichte. Dank der schlanken Volumen und sublimen Anordnung und Aufteilung der Innenräume entsteht ein stringentes Gefüge, das die Qualitäten der Lage zu nutzen vermag. 

Text: ArchiMedium Bonauer 

© Daniela Burkart 

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