Wenn Wasser zum Entwurfsparameter wird

Wie die neue Gefährdungskarte Oberflächenabfluss (GOA) Risiken früh sichtbar macht und zu sicheren Entwurfsentscheiden führt
Starkregen hält sich nicht an Parzellengrenzen. Wasser folgt dem Gelände, sammelt sich in Mulden und sucht sich seinen Weg durch Zufahrten, Lichtschächte oder Zugänge. Wer Gebäude plant, legt die Grundlagen für ihren Schutz lange vor der Detailplanung: dort, wo Volumen, Höhenlage und Umgebungsgestaltung festgelegt werden. Die Gefährdungskarte Oberflächenabfluss (GOA) macht sichtbar, was leicht übersehen wird. Sie zeigt mögliche Abflusswege und Stellen, an denen sich Wasser bei Starkregen aufstauen kann. Anfang 2027 erscheint die aktualisierte Version. Neue Datengrundlagen und eine verbesserte Modellierung schaffen eine differenziertere Grundlage für Neubauten, Umbauten und die Siedlungsentwässerung. Die neue Karte wird vier Jährlichkeiten sowie Fliessrichtung, Fliessgeschwindigkeit und Intensität darstellen.

Vom Kartenbild zum Entwurf
Der grösste Nutzen entsteht, wenn die GOA früh beigezogen wird: bei der Analyse des Grundstücks, vor der Setzung des Gebäudes und bevor Zugänge, Tiefgaragen oder Terrainanschlüsse definiert sind. Woher könnte Wasser zufliessen? Wo staut es sich? Welche Gebäudeöffnungen liegen im möglichen Abflussweg?
Aus diesen Fragen entstehen konkrete Entwurfsentscheide. Bereits eine angepasste Höhenlage, ein bewusst modelliertes Terrain oder erhöht angeordnete Zugänge und Lichtschächte können verhindern, dass Wasser ins Gebäude gelangt. Solche Lösungen lassen sich in einer frühen Phase meist einfacher, gestalterisch überzeugender und kostengünstiger integrieren als nachträgliche Schutzmassnahmen.

Hinweis, nicht fertige Lösung
Die Karte liefert eine schweizweit einheitliche fachliche Grundlage. Sie ersetzt jedoch nicht die Beurteilung vor Ort. Kleinstrukturen und lokale Besonderheiten können den tatsächlichen Wasserlauf verändern. Prüfen Sie deshalb die modellierten Abflusswege vor Ort und gleichen Sie diese mit Nutzung, Schadenpotenzial und angestrebtem Schutzziel ab. Genau darin liegt die Stärke der GOA: Sie macht ein oft unsichtbares Risiko früh zum Thema. Im Austausch mit Bauherrschaft, Fachplanung und Behörden lassen sich daraus Schutzmassnahmen entwickeln, die zum Gebäude passen und sich in den Entwurf integrieren lassen.

Nehmen Sie einen aktuellen Projektstandort und machen Sie den Test: Woher kommt das Wasser, wohin fliesst es – und wo könnte es ins Gebäude eindringen? Informationen, Erklärvideos und Zugang zur Gefährdungskarte finden Sie unter www.schutz-vor-naturgefahren.ch/goa.

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