Haus der Freunde

Es handelt sich um eine Pionierarbeit im Schweizer Wohnhausbau: erstmals kam eine vorgefertigte Stampflehmfassade als selbsttragende Schwerlastwand zum Einsatz – kombiniert mit Holztragwerk, Zirkulit-Beton und vollständig natürlichen, kreislauffähigen Materialien. Diese Umsetzungsweise ohne künstliche Verbundstoffe und Materialien ist einzigartig für Schweizer Verhältnisse. Das Ensemble besteht aus zwei Häusern – Haus Lehm und Haus Holz – und verbindet innovative Bauweise mit einem sozialen Konzept für gemeinschaftliches, generationenübergreifendes Wohnen.

Haus Lehm

Innovation und Nachhaltigkeit
Das Haus Lehm setzt auf nachhaltige Bauweisen und innovative Materialien. Besonders die Stampflehmfassade mit ihrer einzigartigen Tragschicht ist eine Schweizer Neuheit. Die Umsetzung erfolgte mit aussergewöhnlichem Engagement, um ökologische Prinzipien und Energieeffizienz zu integrieren.

Struktur und Architektur
Das Gebäude erhebt sich über drei Etagen plus Attikageschoss. Der Treppenhauskern und die Geschossdecken bestehen aus recyceltem Zirkulit-Beton. Die vorgefertigte Stampflehmfassade prägt das Erscheinungsbild und strahlt archaische Eleganz aus. Die Lehmelemente sind über Holzprofile mit Raumgittern verbunden, die sowohl als Sekundärstruktur als auch als thermische Hülle dienen. Eichenfenster mit bronzenen Metallzargen unterteilen die Lochfassade, während Ziegelleisten die horizontale Gliederung betonen und eine Verbindung zur regionalen Architektur schaffen.

Nutzung und Konzept
Das Haus beherbergt fünf Mietwohnungen und ein Penthouse. Der bewusste Verzicht auf Kunststoffe und industrielle Fertigung sichert eine nachhaltige, hochwertige Architektur mit Fokus auf Wohnkomfort und Langlebigkeit.

Fassade und Bauweise
Die Stampflehmelemente wurden aus lokalem Aushubmaterial handgefertigt und bilden eine selbsttragende Schwerlastwand. Sie sind an einem Holzrahmengitter befestigt, das mit den Geschossdecken verbunden ist. Eine Zellulosedämmung sorgt für effizienten Wärmeschutz.

Hülle und Materialeigenschaften
Die Aussenwand erreicht eine maximale Tiefe von 780 mm. Die Lehmelemente regulieren das Raumklima, indem sie Feuchtigkeit aufnehmen und abgeben. In den ersten Jahren erodiert die Oberfläche leicht, was die Konzeption bewusst einplante.

Nachhaltigkeit und Wiederverwertbarkeit
Lehm ist ein energieeffizienter Baustoff mit niedrigen CO2Emissionen. Er ist vollständig recycelbar und kann nach seiner Nutzung ohne Umweltschäden wiederverwendet oder renaturiert werden.

Haus Holz

Innovation und Nachhaltigkeit
Das Haus Holz verbindet traditionelle Bauweisen mit moderner Holzbauarchitektur und hoher Energieeffizienz. Der rechteckige Baukörper mit Steildach orientiert sich quer zur Quartierstrasse und wurde – mit Ausnahme des massiven Treppenhauskerns – vollständig aus vorgefertigten Holzelementen errichtet. Diese Bauweise ermöglichte eine präzise und schnelle Umsetzung, reduzierte Bauemissionen und trägt zur ökologischen Nachhaltigkeit bei.

Struktur und Architektur
Das Gebäude präsentiert sich als länglicher Quader mit einer systematisch aufgebauten Primärstruktur. Diese besteht aus 240 mm starken, ausgedämmten Holzrippen, die innenseitig mit OSB.Holzwerkstoffplatten und aussenseitig mit Holzfaserplatten verkleidet wurden. Eine 60 mm tiefe Installationslattung mit horizontalen Holzlatten und Schilfrohrmatten wurde zusätzlich mit einer Kalkschlämme verputzt. Die Geschossdecken sind je nach Nutzungsanforderung aus HBV-, Rippen- oder Brettsperrholz gefertigt, während die vorgefertigte Steildachkonstruktion mit ausgedämmten Sparren und integrierter Photovoltaikanlage ausgeführt wurde.

Soziale Aspekte: Generationsübergreifendes Wohnprojekt
Für ein zukunftsweisendes generationsübergreifendes Wohnprojekt sind bedürfnisorientierte Planung und die Schaffung gemeinschaftlicher Einrichtungen von vorrangiger Bedeutung. Die Gestaltung muss sich auf eine akkurate Identifikation der spezifischen Bedürfnisse der Zielgruppe konzentrieren, darunter Themen wie Barrierefreiheit, Sicherheit und die Förderung sozialer Interaktion.

Zyklische Migration
Die architektonische Ausführung der Wohnanlage ist dabei präzise auf diese Anforderungen zugeschnitten, um eine harmonische Integration unterschiedlicher Altersgruppen zu gewährleisten und deren zyklische Migration und Mobilität innerhalb der Anlage zu begünstigen. Angehörige der Gemeinschaft können während verschiedenen Lebensabschnitten im «Haus der Freunde» wohnen, sie aber auch wieder verlassen, um später bei Bedarf wieder zurückzukehren.

©Faruk Pinjo, Can Isik

Weitere Informationen finden Sie hier.

 

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