Oberflächenabfluss mitdenken

Starkregen und der daraus resultierende Oberflächenabfluss gehört heute zu den grössten Naturgefahren für Gebäude in der Schweiz. Dabei entstehen mehr als die Hälfte aller Überschwemmungsschäden nicht durch übertretende Flüsse oder Seen, sondern durch Oberflächenabfluss. Bei Starkregen kann der Boden das Niederschlagswasser nicht ausreichend aufnehmen. Das Wasser fliesst dann innert kürzester Zeit über Strassen, Plätze oder Hänge ab. Trifft es auf ein Gebäude, reichen oft wenige Zentimeter Wasser an der falschen Stelle, um hohe Schäden zu verursachen.

Für Bauherrschaften, Planende und Gemeinden gewinnt deshalb eine Frage an Bedeutung: Wie lässt sich diese Gefahr frühzeitig erkennen und bereits in die Planung integrieren? Eine zentrale Grundlage dafür bildet die Gefährdungskarte Oberflächenabfluss (GOA). Seit ihrer Veröffentlichung im Jahr 2018 hat sie sich als wichtiges Instrument der Elementarschadenprävention etabliert. Sie zeigt schweizweit, potenzielle Abflusswege und Bereiche, in denen sich Wasser bei Starkregen ansammeln kann. Damit unterstützt sie nicht nur die Kantonalen Gebäudeversicherungen und die Privatassekuranz, sondern zunehmend auch die Bau- und Planungsbranche.

Nun erhält die GOA ein umfassendes Update. Die Datengrundlagen haben sich in den vergangenen Jahren stark verbessert. Präzisere Terrainmodelle, neue Niederschlagsdaten, aktualisierte Informationen zur Bodenbedeckung, die angepasste Methodik sowie leistungsfähigere Modellierungen ermöglichen deutlich genauere Aussagen zur Gefährdung. Die neue Karte wird Anfang 2027 veröffentlicht und ersetzt die bisherige Version.

Für die Praxis bietet die Aktualisierung einen spürbaren Mehrwert. Neu werden vier Jährlichkeiten dargestellt. Hinzu kommen Angaben zu Fliessrichtungen, Fliessgeschwindigkeiten und Intensitäten. Damit entsteht eine verbesserte Hinweis- und Planungsgrundlage für Neubauten, Umbauten, die Siedlungsentwässerung und den Schutz bestehender Gebäude.

Wer Risiken bereits in der frühen Projektphase kennt, kann Schutzmassnahmen gezielt in die Planung integrieren – oft mit geringem Aufwand. Ein angepasste Geländegestaltung, erhöht angeordnete Gebäudezugänge und Lichtschächte oder geschützte Tiefgaragenzufahren können verhindern, dass Wasser überhaupt in das Gebäude gelangt.  Prävention wird damit zu einem festen Bestandteil einer resilienten Planung.

Die Aktualisierung der GOA ist ein gemeinsames Projekt des Bundesamts für Umwelt (BAFU), des Schweizerischen Versicherungsverbands (SVV) und der Vereinigung Kantonaler Gebäudeversicherungen (VKG). Begleitende Fachinformationen, und Kurzvideos sollen den Nutzen der neuen Karte vermitteln und ihre Anwendung fördern.

Die Botschaft ist klar: Wetterextreme lassen sich nicht verhindern. Ihre Auswirkungen können jedoch deutlich reduziert werden. Wer Oberflächenabfluss früh berücksichtigt, baut nicht nur sicherer, sondern auch nachhaltiger. Die aktualisierte Gefährdungskarte wird dafür im Jahre 2027 die entscheidende Grundlage optimieren.

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