Türen auf in Bern

Das jüngste Mitglied der Open-House-Familie ist Bern. Vom 3. bis zum 4. Mai öffnen in der Bundeshauptstadt Gebäude die Türen für das breite Publikum. Wir haben mit der Vereinsvorsitzenden Rahel Gugelmann über die anstehende Architekturveranstaltung gesprochen.

Neuerdings findet das Open House auch in Bern statt. Wie bist du zu der Veranstaltung gekommen?
2021 war ich bei Open House Basel als Volunteer mit dabei – die positive Stimmung, die netten Begegnungen und nicht zuletzt die wertvollen Einblicke in Häuser, die ich bisher nur von aussen betrachten durfte, inspirierten mich, die Veranstaltung nach Bern zu holen, wo ich zu diesem Zeitpunkt studierte. Bis das Format im Juni 2024 in Bern Premiere feiern durfte, brauchte es allerdings viel Geduld und Ausdauer. 

Welches Objekt ist dein Programmhighlight? Bzw. ein Must-See/Geheimtipp?
Eines meiner Highlights ist das Depotgebäude der SBB in der Aebimatte unweit vom Berner Inselspital. Es handelt sich dabei um eine ingenieurtechnische Pionierleistung von 1913, die es ermöglichte, die Abstellhalle für Lokomotiven mit einer reinen Holzkonstruktion (wo normalerweise Metall verwendet worden wäre) zu realisieren. Ein anderes Highlight ist der Hauptsitz der Zwischenstaatlichen Organisation für den internationalen Eisenbahnverkehr, kurz Otif, der kürzlich saniert wurde. Das Bürogebäude stammt aus den 1960er-Jahren und verfügt über eine goldene Vorhangfassade. Beide Bauten, sowohl das Depotgebäude als auch der Otif-Hauptsitz sind Werke, bei denen wir nicht wissen, ob wir sie nach dieser Veranstaltung erneut zeigen dürfen, deshalb sollte man die besser nicht verpassen. 

Was zeichnet für dich die Architekturlandschaft Berns aus?
Die Architekturlandschaft Berns zeichnet sich für mich dadurch aus, dass ausgesprochen viel im Bestand gebaut wird. Dabei wird häufig ein sehr sorgfältiger Umgang gewählt. Mein Eindruck ist allgemein, dass hier bescheidener gebaut wird und sich Planende selten ein Denkmal setzen wollen. Das hat etwas Ruhiges und Unaufgeregtes, wie es für die Architektur eher unüblich ist, wo grosse Namen und spektakuläre Entwürfe lange Zeit im Vordergrund standen. 

Worin unterscheidet sich (das gebaute) Bern am meisten von Basel und Zürich?
Ich würde sagen, dass sich das gebaute Bern in vielerlei Hinsicht von Basel und Zürich unterscheidet. Ein ganz wesentlicher Punkt ist sicherlich die Altstadt, die das Herz der Stadt bildet und deren Unesco-Label ihr zu grosser Berühmtheit verholfen hat. Ein weiterer Punkt sind die innerstädtischen Grünflächen, die hier sehr hohes Ansehen geniessen – in Bern gibt es ein strenges Baumschutzreglement, sodass jeder Baum geschützt ist – weil Grün einfach zu Bern gehört, haben wir auch eine Biodiversitätsführung und viele Aussenräume und Pärke in unserem Programm. Der dritte und wohl augenfälligste Punkt ist die Massstäblichkeit: Bern ist vergleichsweise klein, und in den Aussenquartieren erinnert Bern manchmal mehr an einzelne Dörfer als an eine Stadt. Beim Überfliegen von unserem Programm fällt aber auf, dass sich der Massstab derzeit ändert und viele Planungen höhere und grössere Bauten vorsehen – in etwa so, wie dies beim Holliger-Areal bereits umgesetzt wurde. Das ist vermutlich eine Gemeinsamkeit zu Basel und Zürich, bei denen diese Prozesse ebenfalls sichtbar beziehungsweise weiter fortgeschritten sind. 

Die Genossenschaft Warmbächli hat das alte Lagerhaus von Chocolat Tobler an der Güterstrasse 8 (neu Holliger-hof 8) in Bern zu Wohn- und Arbeitsraum umgebaut. Die Umnutzung ist Teil des Programms des OH Bern.

©Jürgen Beck

Weitere Informationen zu der Veranstaltung finden Sie hier.

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