Sind Architektur und Design politisch?

Matyas Sagi-Kiss (Wirtschaftsjurist FH, Vorstand von Pro Infirmis Schweiz) wohnt im Zollhaus der Genossenschaft Kalkbreite in Zürich, lebt seit Geburt mit Cerebral Parese und fährt eine Elektro Rollstuhl. In dieser 6-teilige Kolumne lädt er zu einem Perspektivenwechsel ein.

Architektur, Raumplanung und Design spielen eine Schlüsselrolle, wenn es um die Frage geht, dass Lebensräume und Gebrauchsgegenstände für alle Menschen zugänglich sein sollen oder nur für bestimmte Gruppen, welche dem vermeintlichen Durchschnittsmenschen – den es so kaum gibt.

Wie dies beantwortet wird, ist abhängig vom jeweiligen Blick auf die gegebenen Rahmenbedingungen rechtlicher oder wirtschaftlicher Natur. Wenn es um Geld und Gesetze geht, ist die Politik meist ebenfalls mit von der Partie. Ich wage daher, zu behaupten, dass es einer Naivität von geradezu beneidenswertem Ausmass bedarf, um verneinen zu können, dass Architektur und Design stets eine politische Komponente haben.

Wenn wir nun auf die Welt blicken, so scheint die Frage „Inklusion JA oder NEIN?“ zumindest in den USA für die nächsten 4 Jahre so deutlich mit NEIN beantwortet zu werden wie schon lange nicht mehr. Und nun wage ich eine zweite Behauptung, nämlich jene, dass sich dies auch auf andere Länder und daher ebenfalls die Schweiz, Österreich und Deutschland auswirken wird.

Wenn nur noch das zählt, was monetär verwertbar ist – dieses Problem ist keinesfalls neu, aber nun leider mit Rückenwind versehen –, so sind die Bedürfnisse von Minderheiten, wie Menschen mit Behinderung, einfacher zu ignorieren, womit wir bei der strukturellen Herausforderung der Barrierefreiheit angekommen sind.

Mir persönlich bereitet dies Sorge, denn ich bewege mich als Rollstuhlfahrer ebenfalls gerne möglichst frei, gehe zur Arbeit, besuche Freund:innen und bin auch gerne draussen unterwegs. Ich weiss, dass es allen, die mit Behinderung leben, auch so geht. Angeblich machen wir sogar 22% der Bevölkerung aus. Immer noch eine Minderheit, aber immerhin. Wir brauchen jedoch echte Verbündete, die da und dort auch mal bereit sind, ihren Kopf für die Sache der Barrierefreiheit etwas weiter aus dem Fenster zu strecken. In diesem Sinne, Freiheit erhalten und schaffen wir nur gemeinsam.

Lassen Sie uns gemeinsam an einer inklusiven Zukunft arbeiten. Mehr dazu finden Sie hier.

 

 

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