Die Burg Rotberg bei Mariastein wurde zwischen 2024 und 2026 umfassend saniert. Statt spektakulärer Eingriffe stand dabei die behutsame Weiterentwicklung eines historischen Bauwerks im Fokus. Das Basler Büro Groenlandbasel zeigt, wie denkmalpflegerische Sorgfalt, zeitgemässe Anforderungen und neue Formen der Vermittlung zusammenfinden können.
Hoch über dem Leimental erhebt sich die Burg Rotberg auf einem markanten Felssporn nahe Mariastein. Die mittelalterliche Anlage gehört zu den bekanntesten Burgen der Nordwestschweiz und nimmt innerhalb der Schweizer Jugendherbergen eine besondere Stellung ein. Seit 1935 wird die Burg als Jugendherberge betrieben und verbindet historische Bausubstanz mit einem Bildungs- und Erlebnisangebot für Schulklassen, Vereine und Individualreisende. Mit der nun abgeschlossenen Teilsanierung wurde die Burg für die kommenden Jahrzehnte fit gemacht. Verantwortlich für die Arbeiten zeichnet das Architekturbüro Groenlandbasel, das die Sanierung in zwei Etappen zwischen 2024 und 2026 begleitete. Im Zentrum stand dabei nicht die architektonische Neuerfindung des Ortes, sondern die Frage, wie ein historisches Bauwerk zeitgemäss weitergeführt werden kann, ohne seine Identität zu verlieren.
Weiterbauen statt Überformen
Historische Gebäude stehen oft vor einem Spannungsfeld: Einerseits müssen sie heutigen Anforderungen hinsichtlich Sicherheit, Komfort und Betrieb genügen, andererseits sollen ihre räumlichen und materiellen Qualitäten erhalten bleiben. Die Sanierung der Burg Rotberg folgt konsequent dem Prinzip des Weiterbauens. Im Fokus standen die Gästezimmer, die durch hochwertige Einbauten und neue Möblierungen aufgewertet wurden. Gleichzeitig wurden umfangreiche brandschutztechnische Massnahmen umgesetzt, um den Anforderungen eines modernen Beherbergungsbetriebs gerecht zu werden. Ergänzend erfolgten punktuelle Eingriffe an Fassade und Aufenthaltsräumen.
Bemerkenswert ist dabei die Zurückhaltung der Interventionen. Die neuen Elemente ordnen sich dem Bestand unter und stärken dessen Charakter, anstatt mit ihm zu konkurrieren. Die historische Atmosphäre der Burg bleibt erhalten, während Komfort und Funktionalität spürbar verbessert werden.
Geschichte als räumliches Erlebnis
Die Sanierung beschränkt sich jedoch nicht auf bauliche Massnahmen. Ein wichtiger Bestandteil des Projekts ist die Vermittlung der Geschichte des Ortes. Mit einer neuen Objektinstallation und einem begleitenden Rätselangebot wird die Vergangenheit der Burg für die Besucherinnen und Besucher unmittelbar erfahrbar. Besondere Aufmerksamkeit erhält dabei die Sammlung des Aescher Kunsthandwerkers Ernst Siefert. Über viele Jahre hinweg rekonstruierte er mittelalterliche Waffen mit großer handwerklicher Präzision. Seine Sammlung wurde nun im Rittersaal inszeniert und ergänzt die historische Erzählung der Burg um eine neue Ebene. Der Raum wird damit nicht nur zum Ausstellungsort, sondern zum Teil des Gesamterlebnisses. Gerade für die überwiegend jungen Gäste entsteht dadurch eine Form der Geschichtsvermittlung, die weit über klassische Informationstafeln hinausgeht. Architektur, Objekt und Erzählung verschränken sich zu einem räumlichen Lernort.
Kulturerbe mit Zukunft
Die Bedeutung der Burg Rotberg reicht weit über ihre Funktion als Jugendherberge hinaus. In der kantonalen Strategie zur Förderung von Schlössern und Burgen zählt sie zu den fünfzehn bedeutendsten historischen Anlagen des Kantons Solothurn. Ihre hohe denkmalpflegerische Relevanz verbindet sich mit einer außergewöhnlichen öffentlichen Zugänglichkeit. Die Finanzierung der Sanierung wurde deshalb von mehreren Seiten getragen. Die Kantone Solothurn, Basel-Landschaft und Basel-Stadt unterstützten das Projekt über ihre Swisslos-Fonds, hinzu kamen Beiträge von Institutionen und privaten Förderern. Diese breite Unterstützung verdeutlicht den Stellenwert der Burg als kulturelles Erbe und identitätsstiftender Ort der Region.
Eine Burg für die Gegenwart
Mit 78 Betten in zehn Zimmern – vom Turmzimmer bis zum Mehrbettzimmer – bleibt die Jugendburg Rotberg ein wichtiger Anlaufpunkt für Schulklassen, Vereine und Reisende. Gleichzeitig finden hier Hochzeiten, Geburtstagsfeiern oder traditionelle Veranstaltungen wie die Walpurgisnacht statt. Die nun abgeschlossene Sanierung zeigt beispielhaft, wie historische Architektur heute weiterentwickelt werden kann. Nicht durch spektakuläre Gesten oder ikonische Neubauten, sondern durch präzise Eingriffe, die den Bestand respektieren und seine Nutzung langfristig sichern. So bleibt die Burg Rotberg das, was sie seit fast einem Jahrhundert ist: ein Ort, an dem Geschichte nicht konserviert wird, sondern gelebt werden kann. Zwischen Rittersaal, Schlaflager und Burgmauer entsteht eine Architektur der Kontinuität – behutsam erneuert und bereit für die nächste Generation von Gästen.
©Leonidas Portmann
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