Am malerischen Ortsrand von Hrubá Skála ist ein modernes Wochenendhaus von NEW HOW architects entstanden, das sich sensibel in die Landschaft des Böhmischen Paradieses einfügt. Inmitten der geschützten Natur verbindet das Projekt regionale Bautradition mit zeitgemässer Architektur – und schafft so einen Rückzugsort, der Ruhe, Weitblick und architektonische Raffinesse vereint.
Das Grundstück liegt an einem sanft geneigten Südhang unterhalb des Dorfzentrums von Hrubá Skála. Umgeben von historischen und modernen Einfamilienhäusern entfaltet sich hier ein vielschichtiges architektonisches Umfeld. Die Region gehört zum Landschaftsschutzgebiet Böhmisches Paradies, das für seine Sandsteinformationen, Wälder und Burgruinen bekannt ist. Der Entwurf greift traditionelle Bauformen auf und interpretiert sie neu. Ziel war es, das Haus harmonisch in seinen kulturellen und natürlichen Kontext einzubetten – ohne dabei auf die Anforderungen modernen Wohnens zu verzichten.
Architektur mit Weitblick
Der Grundriss folgt einer weit geöffneten V-Form. Diese Entscheidung reagiert auf die schmale, zulaufende Grundstücksform und maximiert zugleich den Panoramablick in die Landschaft des Böhmischen Paradieses. Der eingeschossige Baukörper wird von einem klassischen Satteldach abgeschlossen – eine bewusste Referenz an die regionale Architektur. Gleichzeitig sorgt die längliche, leicht geknickte Gebäudestruktur für eine zeitgenössische Dynamik. Beim Betreten des Hauses von der nördlichen Erschliessungsstrasse eröffnet sich unmittelbar der Blick nach Süden – gerahmt von der markanten Silhouette der Burgruine Trosky. Wohnräume wie das grosszügige Wohnzimmer mit eingezogener Galerieebene, das Kinderzimmer und das Schlafzimmer orientieren sich konsequent zu diesem Panorama. Eine vorgelagerte Terrasse erweitert den Innenraum in die Natur und schafft fliessende Übergänge zwischen Innen und Aussen.
Traditionelle Materialien, moderne Technik
Konstruktiv setzt das Haus auf traditionelle und nachhaltige Materialien. Die tragende Struktur besteht aus massiven CLT-Holzpaneelen, während ein hölzernes Fachwerktragwerk das Dach stützt. Das Untergeschoss, das Technik- und Lagerräume aufnimmt, wurde aus Betonsteinen errichtet. Sichtbare Bereiche sind mit lokalem Naturstein verkleidet, wodurch sich das Gebäude förmlich aus dem Hang heraus entwickelt. Das Dach ist mit dunkel gehaltenen, quadratischen Metalltafeln gedeckt, die diagonal verlegt wurden. Diese Lösung vereint Langlebigkeit mit einer zurückhaltend-rustikalen Ästhetik.
Eine technische Meisterleistung am Hang
Die grösste Herausforderung stellte das Bauen am instabilen Hang dar. Das Grundstück galt lange als nicht bebaubar. Erst durch eine aufwendige Gründung konnte das Projekt realisiert werden: Das Haus ruht auf 18 Pfählen mit einem Durchmesser von jeweils 800 Millimetern. Diese Konstruktion macht das Gebäude zu einer ingenieurtechnischen Besonderheit und sichert dauerhaft seine Stabilität.
Ein sensibles Statement zeitgenössischer Baukultur
Dieses Wochenendhaus zeigt exemplarisch, wie sich Tradition und Innovation verbinden lassen. Es respektiert die historische Identität und die natürliche Schönheit des Böhmischen Paradieses und übersetzt sie in eine moderne Architektursprache. So entsteht ein Ort der Ruhe – ein architektonisches Statement, das seine Umgebung nicht dominiert, sondern sie bewusst zelebriert.
© Petr Polák
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