Mehr Schule

Das Gymnasium und Fachmittelschule Thun war in der Vergangenheit auf die beiden Standorte Schadau und Seefeld verteilt. Der Schulbetrieb einer Schule auf zwei Standorten ist nicht optimal, weshalb in den 2010er-Jahren ein Zusammenzug auf den Standort Schadau beschlossen wurde.

Der Standort Schadau liegt unweit des Thunersees am Schadaupark in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kultur- und Kongresszentrum Thun. Für den Bau der Doppelsporthalle mit Schulräumen für das bildnerische Gestalten führte der Kanton Bern im Jahr 2020 einen Architekturwettbewerb durch. Der Standort für dieses Projekt liegt in unmittelbarer Nachbarschaft der Dreifachsporthalle von Haller Gut Architekten aus dem Jahr 2011. Die Setzung des neuen Volumens erfolgte zwischen dem Bestand und den angrenzenden Einfamilienhäusern.

Eine Schwierigkeit bestand darin, die Dimensionierung und Setzung des Volumens so zu entwickeln, dass sämtliche Ansprüche der Nutzerinnen und Nutzer, der Allgemeinheit und der Nachbarschaft an den Aussenraum möglichst gut erfüllt werden. Das Siegerprojekt vermochte die Jury insbesondere durch seine städtebaulichen Qualitäten zu überzeugen. Ausserdem passt sich das Projekt an die Struktur der Nachbarbauten an. 

Die Leitideen für dieses Projekt sind: das Herstellen einer Massstäblichkeit im Bezug zur unmittelbaren Umgebung, die Aufwertung der Fusswege sowie die Neugestaltung der Aussenräume. Der Neubau erweitert und ergänzt den Mittelschulcampus auf natürliche Weise und fügt sich in die Bebauungsstruktur des Quartiers ein. Das Projekt versteht sich als Schlussstein im Quartier welches dieses mit seinen hochwertigen Aussenräumen entsprechend aufwertet. Die geringe Gebäudehöhe und die natürliche Materialisierung als Holzbau unterstreichen diesen Anspruch.

Die Erweiterung des Campus des Gymnasiums Thun von Comamala Ismail um eine Doppelsporthalle und Räume für das bildnerische Gestalten ist Teil der Strategie der Zusammenführung der beiden Standorte Seefeld und Schadau. Auf dem Rasensportplatz der Dreifachturnhalle aus dem Jahre 2011 wurde der Neubau so gesetzt, dass die verbleibenden Aussenräume optimal genutzt werden können. Die Erweiterung ist der Schlussstein des Sportcampus des Gymnasiums Thun.

Für dieses Projekt wurden von der Bauherrschaft ambitiöse Vorgaben in Bezug auf die Nachhaltigkeit gemacht. Der Holzbau wurde mit dem Label SNBS Platin ausgezeichnet. Charakteristisch ist das Holztragwerk im Obergeschoss, welches aus zwei raumhaltigen Fachwerkträgern aus Buchenholz in Längsrichtung besteht. Dem Material wurde hier besondere Aufmerksamkeit zuteil: Die dem Holz innewohnenden Eigenschaften werden in den Dienst der Architektur gestellt und ist ein Bekenntnis zu einer konstruierenden und fügenden Architektur.

Der Grundriss hat eine saubere Ordnung und Geometrie, welche durch die klare Trennung zwischen tragenden und nicht-tragenden Elementen unterstrichen wird. Dies wird besonders im Obergeschoss deutlich, wo ein hölzerner Fachwerkträger den Grossteil der Lasten aufnimmt und eine Doppelsporthalle im Erdgeschoss sowie andere grosse Räume ermöglicht. Die Systemtrennung berücksichtigt im Übrigen auch die Obsoleszenz der Haustechnik und der Oberflächen generell. Diese Elemente können am Ende des Lebenszyklus zerstörungsfrei repariert oder ersetzt werden. Dieses Muster ist die Grundlage des zirkulären Bauens und somit eine Investition in die Zukunft. Die Konstruktion ist ein Trockenbau. Das Zusammenfügen der Teile dieses riesigen Puzzles erforderte eine Systematisierung, Rationalisierung, Wiederholung und Modulation. Dieser Bau ist eine Hommage an die Technik und spiegelt das Interesse der Architekten für ingenieurstechnische Lösungen wider.

Der Querschnitt des Gebäudes ist insofern relevant, als ein grosser Teil des Programms unterirdisch stattfindet. Dies trägt der Massstäblichkeit Rechnung und verleiht dem Gebäude einen pavillonartigen Charakter. Das Untergeschoss ist eine in sich geschlossene Welt und trägt der Privatsphäre der Umkleideräume Rechnung. Die Sporthalle hingegen ist eine lichtdurchflutete, lebendige Kaskade im Zenit.

Text: COMAMALA ISMAIL

©Adrien Barakat

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