Im Gespräch mit Fockety del Rio

„Architektur ist eine langsame Disziplin.“ (Miquel del Rio) – In unserem Format Vis-à-Vis sprechen Schweizer Architektinnen und Architekten über die verschiedenen Gesichtspunkte ihres Berufs und beantworten Fragen zu ihrer Idee von Schönheit und der Rolle, die sie in der Gesellschaft einnehmen.

Welche Aufgaben beschäftigen Sie gerade?
Zurzeit arbeiten wir intensiv an der Fertigstellung des Kaserne-Projekts in Basel. Dieses Gebäude ist seit der Gründung von „FOCKETYN DEL RIO Studio“ unser zentraler Fokus und im Moment – nahe der Zielgeraden – befinden wir uns in einer Art Tsunami, der vom Kaserne-Projekt ausgelöst wurde. Ebenfalls bauen wir eine Schule in der Nähe von Zürich und arbeiten zudem noch an einem Listening Space, einem Raum der selbst in Zeiten der Pandemie gemeinschaftliche Hörerlebnisse erlauben wird. Schlussendlich evaluieren wir seit Kurzem noch mehrere Wettbewerbe, für die wir nach dem jahrelangen primären Fokus auf das Kaserne-Projekt nun etwas Zeit haben – ein fantastisches Gefühl.

Welches architektonische Werk hat Sie kürzlich begeistert?
Kürzlich bin ich in eine neue Wohnung umgezogen. Diese befindet sich im Kleinbasel in einem in den 80er-Jahren erbauten Wohnbau von Diener und Diener. Jeden Tag bin ich von der Finesse dieses Projektes mehr und mehr begeistert. Mich beeindruckt dieser sehr private und kontrollierte Wohnraum, der mit kommunalen Zonen koexistiert. Ein 30 Jahre altes Projekt zeigt, wie es auch heute noch Raum für unerwartete Dinge geben kann und was diese für das Leben und Zusammenleben bedeuten.

Inwiefern unterstützen oder behindern neuartige Materialien die Architektursprache?
Architektur ist eine langsame Disziplin und wenn wir von neuartigen Materialien sprechen, müssen wir das präzisieren und von diesen explizit in der Architektur sprechen. Diese haben bereits eine lange Geschichte vor sich, bevor sie zu uns kommen und Einzug in die Architektur finden. Es geht aber um das Entdecken: Architektur definiert die Grenzen eines Raumes, der intellektueller, regulatorisch oder interpersoneller Natur sein kann. Und die Materialität ist eine konstante Teilnehmerin dieses Diskurses – neue Materialien erlauben es, die Grenzen neu zu betrachten und zu dabei zu verschieben. Konkret sehen wir das zum Beispiel bei unserem Schulprojekt in Zürich. Wir arbeiten mit selbst isolierendem Ziegel, der, zusammen mit anderen vorgefertigten Elementen, die Dimension der Fassade massgebend mitbestimmt.  Somit ist das Bild der Architektur von der Materialität mitbestimmt.

Haben Sie eine Idee von Schönheit?
Architektur ist wie gerade erwähnt massgeblich durch verschiedene Restriktionen bestimmt. Die beste Architektur verwendet diese Beschränkungen, um weiterzugehen. Unsere Idee von Schönheit passiert in diesem Moment: Aus fast schon gegensätzlichen Elementen entsteht eine gewisse Leichtigkeit und Natürlichkeit sowie eine Einheit, die ein klares Ziel verfolgt. Schönheit könnte also, natürlich auf die Architektur bezogen, die Möglichkeit sein, Einheit in einem elementaren Disput zu schaffen.

Welche Tugenden sollte ein Architekt erfüllen?
Architekten müssen Visionen haben und Architektur muss Lösungen schaffen. Um die Visionen und Lösungen zu realisieren, müssen wir ein weitläufiges Netzwerk mobilisieren. Wir müssen zusammen in eine Richtung arbeiten. Ich denke, dass unsere Visionen nie individuell sein sollten: Architektur steht in der Mitte und vereint verschiedene Meinungen in einem Ergebnis. Wir müssen also sowohl zuhören als auch kommunizieren können.

Welche Rolle spielt der Architekt in der Gesellschaft?
Architektur hat eine eminent soziale Aufgabe. Wir erstellen Gebäude, Städte und  Landschaften – wir erstellen Lebensräume, nach denen viele nie gefragt haben. Durch die fast schon elementare Aufgabe der Architektur, diese Umgebungen zu erstellen, haben alle Aspekte unserer Arbeit eine grundsätzliche, soziale Dimension. Uns interessiert, wie Architektur nicht nur Teil der Gesellschaft ist, sondern positiven Wandel auslösen kann. Alle unsere Projekte haben soziale Komponenten – die Kaserne in Basel oder etwa der Quartiertreffpunkt in Kleinhünigen. Wir müssen unsere Werkzeuge benutzen, um mit unseren Aktionen unser Umfeld positiv zu beeinflussen.

Kann Architektur die Welt verbessern?
Um unsere Lebensräume zu verbessern, müssen wir die richtigen Projekte auswählen und realisieren und uns bewusst sein, was diese bewirken. Architektur muss effizient und sparsam sein. Sie kann nicht nur, sondern sie muss vielmehr die Welt verbessern.

Weitere Informationen zu dem Büro finden Sie hier.

Kaserne Basel, Treppenhaus
Die alte Militärkaserne in Basel ist ein markanter Punkt im Stadtgefüge der Innenstadt, die nach der Sanierung zum neuen kulturellen Mittelpunkt werden soll.

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