Im Gespräch mit David Montalba

„Inspiration finde ich meistens in der Natur.“ (David Montalba) – In unserem Format Vis-à-Vis sprechen Schweizer Architektinnen und Architekten über die verschiedenen Gesichtspunkte ihres Berufs und beantworten Fragen zu ihrer Idee von Schönheit und der Rolle, die sie in der Gesellschaft einnehmen.

Welche Aufgaben beschäftigen Sie gerade?
Wir sind derzeit stark mit einer Reihe von Wohnprojekten in Europa beschäftigt, begleitet von mehreren Hospitality-Projekten auf den Bahamas und in den USA. Gleichzeitig richten wir unseren Fokus zunehmend auf den deutschsprachigen Raum der Schweiz und freuen uns über die ersten Projekte, die dort in Kürze starten. Trotz unseres Wachstums nehmen wir uns bewusst Momente der Ruhe, um die kreative Arbeit weiterzuentwickeln – immer mit dem Anspruch, die Balance zwischen operativen und unternehmerischen Aufgaben zu halten.

Welches architektonische Werk hat Sie kürzlich begeistert?
Ich finde Architektur bereichernd, aber die stärkste Inspiration finde ich meistens in der Natur. Ein Spaziergang im Wald kann genauso inspirierend sein wie die Architektur von Gebäuden. Und zurzeit laufe ich besonders gerne durch die Wälder in und um den Adlisberg oberhalb von Zürich.

Inwiefern unterstützen oder behindern neuartige Materialien die Architektursprache?
Materialien sind für uns ein integraler Bestandteil eines Raumes; Materialität gehört zu den zentralen Werten unseres Ansatzes. Innovative Materialien unterstützen zweifellos die Zukunft der Branche und prägen, wie unsere Städte künftig aussehen.
Die grössten Hindernisse sind meist Kosten und die Zurückhaltung auf Kundenseite, neue Materialien früh einzusetzen. Viele Menschen greifen natürlicherweise auf Materialien zurück, die sie bereits kennen. Wir lassen uns oft auch von Materialien inspirieren, die in anderen Bereichen verwendet werden, und überlegen, wie wir sie in einem architektonischen Kontext neu interpretieren können.
Beim Chalet-Projekt in Gryon haben wir lokal beschaffte Holzverschalungen mit Hochleistungsverglasungen und zeitgemässen Details kombiniert. Das Zusammenspiel dieser Materialien steht in direktem Dialog mit dem alpinen Kontext – Innovation entsteht hier aus dem Ort heraus, nicht abstrakt. Unser Ziel ist es stets, Materialien so einzusetzen, dass sie sowohl architektonischen Anspruch als auch regionale Sensibilität verbinden.

Haben Sie eine Idee von Schönheit?
Sobald man Schönheit definiert, wird sie statisch. Für mich ist sie daher in Bewegung und in starker Abhängigkeit vom Blick des Betrachters. Schönheit zeigt sich für mich in Zurückhaltung und Ehrlichkeit oder in der Art, wie Licht einen Flur modelliert. Es geht somit weniger ums Erscheinungsbild als um Authentizität. Es geht darum, in den stillen Momenten und Zwischenräumen etwas Wesentliches zu erkennen.

Wann wird ein Gebäude zur Architektur?
Sobald seine Organisation, seine baulichen Elemente und die räumliche Erfahrung auf einer menschlichen Ebene berühren. Wir gestalten Räume für Menschen, nicht um des Bauens willen. Bei Projekten wie den Eco-Chalets entsteht dieser Übergang, wenn die Wahrnehmung des Nutzers und die Landschaft miteinander verschmelzen: wenn Architektur zum Sinnbild für die Umgebung wird.

Welche Tugenden sollte ein Architekt erfüllen?
Eine der wichtigsten Fähigkeiten ist es, die eigene Art, die Welt zu sehen, klar vermitteln zu können – eine Perspektive zu entwickeln, die neue Wege eröffnet, Raum oder Gebäude zu betrachten. Ebenso wichtig ist das Zuhören: das Verständnis für den Ort, das Umfeld und die treibenden Kräfte eines Projekts. Entscheidend ist am Ende auch die Fähigkeit, den Raum aus der Sicht anderer zu denken. Die meisten von uns entwerfen Dinge für andere Menschen, daher müssen wir ihre Perspektiven nachvollziehen können.

Welche Rolle spielt der Architekt in der Gesellschaft?
Wir übersetzen menschliche Vorstellungen und Erwartungen in Orte. Wir agieren als Vermittler zwischen dem Immateriellen und dem Physischen, indem wir Erfahrungen gestalten, die prägen, wie wir leben, arbeiten und miteinander in Beziehung treten. Unsere Verantwortung reicht weit über Ästhetik hinaus – jede Entscheidung hat Wirkung. Wir übernehmen dabei oft gleichzeitig Rollen wie Kreative, Archäolog:innen und Soziolog:innen, um Ideen freizulegen und Visionen mit Empathie und Innovation in Einklang zu bringen.

Welche Rolle sollte heute die Politik gegenüber der Architektur spielen?
Idealerweise keine. Architektur sollte nicht politisiert werden. Sobald sie politisch wird, verliert sie nicht nur an Fokus, sondern an ihrer zeitlosen Verbindung zu Menschen und Ort. Gebäude bestehen, während politische Zyklen vorübergehen. Die Verantwortung der Architektur liegt darin, Räume zu schaffen, die einladen und darauf sensibilisiert sind, wie Menschen sich in ihnen bewegen und fühlen.

Kann Architektur die Welt verbessern?
Das tut sie täglich. Meine Umgebung bewegt mich, und ich glaube, die meisten Menschen spüren, dass die Räume und die physische Umwelt, in denen wir uns aufhalten, unsere Stimmung und unser Leben beeinflussen. Architektur schafft den Rahmen dafür, und dieser Rahmen hat Wirkung.

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