Eine Treppe für den Adler

Mit dem Umbau des Gasthofs Adler in Magden wurde ein bedeutendes Baudenkmal aus dem 18. Jahrhundert behutsam transformiert. Im Fokus: eine Treppe, die moderne Handwerkskunst mit dem Charakter des historischen Dachstocks vereint.

Wer ein altes Haus umbaut, baut immer auch eine Geschichte weiter. Im Gasthaus Adler reicht diese Geschichte bis ins 18. Jahrhundert zurück – genauer gesagt ins Jahr 1780. Der historische Landgasthof ist ein ortsbildprägendes Denkmal im Fricktal. Nun wurde er umfassend saniert, erweitert und in eine neue Zukunft geführt: mit einem italienischen Restaurant im Erdgeschoss, drei Wohnungen darüber – und einer Treppe, die das Alte mit dem Neuen verbindet. 

Ein geschichtsträchtiger Ort
Der Adler war über Jahrhunderte ein Treffpunkt: als Wirtschaft, Metzgerei, später dann auch noch als Beiz mit Kegelbahn. Der langgezogene Bau mit Wohnteil, Stall und Tenn zeugt von der gemischtgewerblichen Vergangenheit. Die klassisch gegliederte Fassade und das Rundbogenportal sind markante Zeitzeugen, ebenso der markante Dachstock. An diesem Ort, an dem sich bäuerliche, gastronomische und handwerkliche Spuren überlagern, begann 2023 ein Umbau, der sowohl Mut als auch Fingerspitzengefühl verlangte.

Eine Galerie mit Charakter
Im Dachgeschoss sollte eine neue Wohnung entstehen – mitsamt einer Galerie, die sich in die bestehende Dachstruktur einfügt. Der ursprüngliche Heuboden wurde damit zum Wohnraum. Die Herausforderung: eine Treppe, die nicht nur funktional und platzsparend ist, sondern auch den Charakter des Hauses aufnimmt. Der Bauherr Urban Lankes wandte sich an Gyger Metallbau AG. Der Auftrag: eine moderne Treppe, die aussieht, als wäre sie schon immer da gewesen. Gyger entschied sich für rustikalen Stahl – ein Material, das wie geschaffen ist für die Verbindung von Alt und Neu. Im traditionellen Walzverfahren hergestellt, erhält der Stahl durch Oxidation eine einzigartige Oberflächenstruktur. Jede Platte ein Unikat, jede Stufe mit lebendiger Patina.

Millimetergenau und von Hand eingebracht
Dass die Treppe am Ende so selbstverständlich dasteht, ist das Resultat minutiöser Planung – und akrobatischer Montagearbeit. Denn in einem ausgebauten Dachstock mit niedrigen Balkenlagen lässt sich nichts einfach „von der Seite reinschieben“. Die Treppe musste über das Treppenauge hinweg wie ein Zapfenzieher eingedreht und Stück für Stück an ihren Platz gebracht werden. Erfahrung und Improvisationstalent waren gefragt – Tugenden, die Gyger Metallbau in zahlreichen Projekten verfeinert hat.

Das Ergebnis ist eine Treppe, die modern und archaisch zugleich wirkt. Sie nimmt sich nicht zu viel Raum, lässt die bestehende Struktur sichtbar und tritt mit dem Gebälk in Dialog. Der rohe Stahl, gereinigt, geölt und von Hand bearbeitet, fügt sich harmonisch in die Materialität des alten Dachstocks.

Der Adler hebt wieder ab
Parallel zum Umbau wurde auch der gastronomische Betrieb neu aufgestellt. Mit dem Restaurant „Adler – Il Vero Gusto“ entsteht im Erdgeschoss ein Ort italienischer Gastlichkeit mit Holzofen und authentischer Küche. Die Wiederbelebung des Adlers ist damit nicht nur eine architektonische, sondern auch eine kulturelle Geste – eine Einladung an das Dorf, die Region, die Vergangenheit und Zukunft verbindet.

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