Talk: Velux

Talk: Velux

Frau Feifer, die Sommertage werden auch in der Schweiz immer heisser. Stellen möglichst viel Tageslicht und optimaler Hitzeschutz einen Widerspruch dar?

Nicht zwingend. Sommer und Winter stellen die Gebäude grundsätzlich vor die Herausforderung, einer grossen Spanne von Temperatur- und Feuchtigkeitswerten Rechnung zu tragen. Durch die automatisierte Steuerung mit aussenliegendem Sonnenschutz und der Nachtauskühlung kann – selbst bei grosser Fensterfläche – ein deutlich optimiertes Raumklima sichergestellt werden. Ein Beispiel aus unserem Demonstrationsgebäude „Maison Air et Lumiere“ in Paris: Im Sommer 2012 herrschten 34 Grad Celsius und im Inneren des Hauses, das einen Fensteranteil von 33 Prozent im Vergleich zur Wohnfläche ausweist, betrug die Temperatur 28 Grad. Ohne jegliche mechanische Belüftung oder Klimaanlage war es drinnen angenehm und behaglich.

Weshalb ist ein optimales Raumklima heutzutage so wichtig? 

Als Menschen sind wir eigentlich für ein Leben in der afrikanischen Savanne geschaffen, aber heute sind wir tatsächlich die „Indoor Generation“, die 90 Prozent ihrer Zeit drinnen verbringt. Es ist deshalb unerlässlich, dass Gebäude unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden unterstützen, sodass wir in optimal gestalteten Innenräumen mit idealem Raumklima leben, arbeiten und studieren können.

Wo setzen die Produkte von Velux hierbei an?

Velux-Produkte spielen als Teil der Gebäudehülle eine wichtige Rolle, da sie eine positive Auswirkung auf Komfortparameter wie Tageslicht, Luftqualität und Temperatur haben. Als Unternehmen verschreiben wir uns seit der Gründung im Jahre 1941 der Verbesserung und Weiterentwicklung des Innenraumklimas zum Wohle der Bewohner, mit einem klaren Anspruch an „gesunde Gebäude“.

Wo zeigt sich dieser Anspruch in der eigenen Forschung?

In den vergangenen 15 Jahren haben wir mehr als 30 Demonstrationsgebäude initiiert oder als Partner aufgebaut, um Innovation und Entwicklung in Bezug auf Nachhaltigkeit in Gebäuden zu verfolgen – bei Neu- und Renovierungsbauten, als auch in Büros, Schulen und Wohnhäusern. Wir glauben fest an eine Architektur, bei der Energie, Umwelt und die genannten Komfortparameter als systemischer Ansatz betrachtet werden. 

Wie funktioniert die intelligente Lüftungslösung „Velux Active“ genau?

„Velux Active“ dient als gesunder Helfer, indem es das Raumklima automatisiert. Über Sensoren erfasst das System die Luftqualität und über einen fortschrittlichen Algorithmus, der zusätzliche Parameter in die Steuerung einbezieht, öffnet es die Fenster zum Lüften, bis die Luftqualität wieder auf einem normalen, gesunden Niveau ist.

 

Lone Feifer war lange als Architektin in Berlin tätig. Seit 1999 entfaltet sie sich in verschiedenen Positionen bei Velux und ist seit 2018 Director of Sustainability & Architecture.

Lone Feifer war lange als Architektin in Berlin tätig. Seit 1999 entfaltet sie sich in verschiedenen Positionen bei Velux und ist seit 2018 Director of Sustainability & Architecture.

Welche Vorteile entstehen daraus für die Bewohner?

Das System ist sozusagen die Rundum-Sorglos-Lösung, bei der man Kontrolle über sein Zuhause erhält, ohne darüber nachdenken zu müssen. Dies ist besonders im Schlafzimmer hilfreich. Hier verbringen wir von allen Räumen im Haus die meiste Zeit, weshalb typischerweise eine hohe CO2-Konzentration herrscht. Gleichzeitig benötigen wir im Schlafzimmer aber die bestmögliche Luftqualität, um uns vollständig erholen zu können und am nächsten Tag wieder leistungsfähig zu sein.

Wie entsteht schlechte Luftqualität im Innenraum?

Dafür gibt es mehrere Faktoren, alle mit unterschiedlichen Messwerten und Richtgrössen. Das CO2-ppm-Mass ist ein starker Indikator für die Anzahl Menschen in einem Raum und für eine möglicherweise zu hohe Kohlenstoffdioxid-Konzentration, was zu Schlafmangel, Konzentrationsschwierigkeiten und verminderter Lernfähigkeit führt, um nur einige Auswirkungen zu nennen. Feuchtigkeit ist ein weiteres Problem, das oft durch unzureichende Innentemperaturen verursacht wird. Sie kann zu einer Verschlimmerung von Symptomen wie Asthma und Allergien führen.

Was ist mit erhöhter Schadstoffbelastung?

Auch das ist ein Problem. Hierzu tragen unter anderem flüchtige organische Verbindungen, beispielsweise von Stoffen, Möbeln, von Spielzeug oder vom Kochen, bei. Schmutz- und Staubpartikel, die typischerweise über Objekte und Menschen von aussen in das Gebäude gelangen, beeinflussen die Luftqualität ebenfalls. Insgesamt kann so die Qualität der Innenraumluft bis zu fünf Mal schlechter sein als im Freien. Wir Menschen nehmen dies aber erst wahr, wenn die Schwellenwerte bereits stark überschritten werden.

Das kann für unsere Gesundheit problematisch sein.

In der Tat. In unseren „Healthy Home“-Barometer-Umfragen, die wir seit 2015 jährlich durchführen, können wir einen klaren Zusammenhang zwischen einem schlechten Raumklima und der Gesundheit sowie dem Wohlbefinden des Menschen erkennen. Im Jahr 2019 haben wir den Untersuchungsschwerpunkt auf Kinder gelegt und das Ergebnis war alarmierend. Eine schlechte Gesundheit im Kindesalter kann die Entwicklung von Atemwegserkrankungen begünstigen. Kinder, die in einem ungesunden Raumklima leben, berichten mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit über Ekzeme, Husten, Keuchen, Asthma, Allergien und über Atemwegserkrankungen.

Der von Velux in Zusammenarbeit mit GXN sowie Leapcraft entwickelte „AirBird“ kann helfen, dies frühzeitig zu erkennen.

Genau. Die Entwicklung des „AirBird“ wurde durch die Arbeit an einem Demonstrationsgebäude, einer renovierungsbedürftigen Schule aus den 70er-Jahren, inspiriert. Das Gerät in Form eines Kanarienvogels kann durch ein Geräusch und/oder Lichtsignal darauf aufmerksam machen, wenn die Luftbelastung über den empfohlenen Werten liegt.

Das Gerät in Form eines Kanarienvogels kann durch ein Geräusch und/oder Lichtsignal darauf aufmerksam machen, wenn die Luftbelastung über den empfohlenen Werten liegt.

Liegt die Luftbelastung über den empfohlenen Werten, meldet sich der „AirBird“ per Geräusch und/oder Lichtsignal. Entwickelt wurde er mit den Partnern GXN und Leapcraft.

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