Making Of: Kohlebrandglasur

Making Of: Kohlebrandglasur

Die neue Kohlebrandglasur von Moeding Keramikfassaden wurde anfangs speziell für roten Klinkerscherben entwickelt, lässt sich aber auf jede keramischen Scherbe aufglasieren. Sie verleiht jeder Keramikfassade eine individuelle Optik und erlaubt eine eine Vielzahl an verschiedenen Farbgebungen, die farbecht und frostsicher sind.

Im Gespräch mit Dietmar Müller, seit 2013 Geschäftsleiter von Moeding Keramikfassaden.

Wie kam die Idee der Kohlebrandglasur auf?
Die Entwicklung der Kohlebrandglasur erfolgte auf Wunsch eines Architekten. Er hatte ein Bauvorhaben unserer Mutterfirma GIMA gesehen, bei dem Klinkerbaguette in Kohlebrandoptik verwendet worden waren. Denselben optischen Effekt wollte er auf grossformatigen Ziegelplatten haben, um damit eine vorgehängte hinterlüftete Fassade zu gestalten.

Gibt es einen neuen Trend bei den Plattenoberflächen?
Noch vor wenigen Jahren wünschte sich die Mehrzahl der planenden Architekten makellose Plattenoberflächen – ohne jegliche Fehlstellen oder Farbabweichungen. Mittlerweile zeichnet sich jedoch ein Trend ab, der hin zu traditionellen, handwerklich-künstlerischen Plattenoberflächen tendiert. Das natürliche Material Keramik soll für den Nutzer wieder erlebbar sein, wofür wir in den letzten Jahren viel in unsere Glasuranlagen investiert haben.

Wie lange arbeiteten Sie an der Entwicklung der neuen Glasur?
Insgesamt investierten wir in etwa fünf Wochen in das neue Verfahren. Rund drei Wochen nahm die  Entwicklung im Labor in Anspruch, während die restlichen Tage für die Umsetzung in der Produktion notwendig waren. Mit Sicherheit  konnten wir hier jedoch von den zuvor getätigten neuen Investitionen in die Glasuranlagen profitieren. 

Auf welchen Flächen lässt sich dieser Effekt erzielen?
Entwickelt haben wir die Kohlebrandglasur speziell für einen roten Keramikscherben, um das Farbspiel eines traditionellen roten Klinkersteins auf eine Ziegelplatte zu übertragen. Vermutlich könnte man die Kohlebrandglasur auf jeder Art von keramischen Scherben aufglasieren.

Welche Prozesse durchläuft dieses Glasurverfahren?
Bei uns wird vorzugsweise im Einbrennverfahren glasiert. Dabei wird die flüssig aufbereitete Glasurmischung mit Düsen auf den noch nicht gebrannten – aber getrockneten – Keramikscherben aufgebracht. Da die Wasseraufnahme ungebrannter Scherben sehr hoch ist, wird die Glasurmischung tief in den Scherben eingesogen. Anschliessend wird durch den Brennvorgang bei 1200 °C die besonders feste Verbindung zwischen Scherben und Glasur geschaffen – Glasurabplatzungen sind somit praktisch ausgeschlossen.Natürlich könnten wir für die Glasur auch das Zweitbrandverfahren anwenden, wofür der Scherben bereits vor dem Glasurauftrag gebrannt wird. Unseren Erfahrungen nach halten wir jedoch die erste Variante für das bessere Prozedere.

Wird der gesamte Prozess bei Ihnen im Werk ausgeführt?
Als Familienunternehmen wollen wir den gesamten Prozess in unseren Händen wissen. Demnach entwickeln unsere Keramikspezialisten alle Glasurmischungen im internen Labor selbst, für die lediglich die Glasurrohstoffe einzeln zugekauft werden. Zudem haben wir einen grossen Teil der Aufbereitungsmaschinen und Glasurmaschinen selbst entwickelt und gebaut. So haben wir die Sicherheit, genau die Ausrüstung zu haben, die für unsere Prozesse benötigt wird. 

Verändern sich gleichzeitig mit der Glasur die Materialeigenschaften?
Die neue Glasur nimmt auf die grundlegenden Eigenschaften der Keramik keinen Einfluss – alles, was wir an diesem Material schätzen, bleibt erhalten.

 

Welche Farbgebungen sind möglich?
Dank der grossen Bandbreite an Glasurtypen sind die Möglichkeiten hier unerschöpflich. Während übliche pigmentgefärbte Glasuren in fast jeder Farbe möglich sind, gibt uns die Natur bei oxydisch gefärbten Glasuren Einschränkungen vor. Und dann gibt es zusätzlich noch eine Vielzahl von Effektglasuren. Von einfarbig bis bunt, von hochglänzend bis matt, von deckend bis semitransparent, von metallischem Glanz bis zu zurückhaltend matter Steinoptik.

Kann die endgültige Optik der Glasur beeinflusst werden?
Ja. Die Optik der Glasur ist das Resultat des Zusammenspiels von der Glasurrezeptur, der Art des Glasurauftrags und der Ofenführung. Es bedarf viel Erfahrung, diese Einflussfaktoren richtig einzusetzen.

Verändert sich die Glasur im Laufe der Zeit noch?
Nein, da die Glasur farbecht und frostsicher ist – treten weder in der Farbe noch im Glanzgrad Änderungen über die Nutzungsdauer auf.

Was macht die Glasur so besonders?
Die Individualität. Denn wir geben dem Architekten Möglichkeiten, Gebäude ganz nach seinen Vorstellungen zu erschaffen. Die meisten unserer Glasuren sind speziell für ein bestimmtes Bauvorhaben entwickelt worden – sie ist einzigartig. Damit bekommt das Gebäude eine ganz individuelle Note.

Gibt es ein Referenzprojekt?
Leider hat sich der Architekt, für den wir die Kohlebrandglasur entwickelt haben, im Nachhinein für unglasierte Platten entschieden. Dies ist kein Einzelfall.

Es gibt aber Objektbeispiele mit individuellen Glasuren, die eine handwerkliche Anmutung haben. Ein Beispiel ist das Gebäude H7 in Münster, für das sich der Architekt ein teiltransparentes Grün in verschiedenen Schattierungen wünschte. Oder die Portalwache in Hamburg Othmarschen, die mit ihren seidenmatt rot glasierten Platten mit einer unregelmässigen schwarzen Flammung mit Glimmer begeistert.

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