„Kleine Grössen sind im Moment sehr relevant.“

"Kleine Grössen sind im Moment sehr relevant."

In einem Interview zur Kollektion „Val“ für Badhersteller Keramik Laufen spricht der Designer Konstantin Grcic über die Relevanz kleiner Formate.

Für den Badhersteller Keramik Laufen haben Sie im Zuge der ISH die Kollektion „Val“ entworfen. Ganz allgemein, worum geht es bei dieser Kollektion?

Die Kollektion wurde über mehrere Jahre hinweg entwickelt, das Projekt fing sehr experimentell an. So ging es ganz am Anfang darum, das von Keramik Laufen neu entwickelte Material „SaphirKeramik“ und dessen Möglichkeiten zu erforschen und auszuprobieren. Daraus entstanden erste Formen, die Texturen an der Oberfläche beinhalteten oder asymmetrisch waren und sehr dünne Wände hatten. Denn die Möglichkeit, sehr dünnwandig arbeiten zu können, ist einer der wesentlichen Aspekte von „SaphirKeramik“. In der zweiten Phase ging es dann darum, die gesammelten Erkenntnisse und den Weg, den wir mit der Kollektion „Val“ eingeschlagen hatten, zu festigen. Dazu entwickelten wir aus den sehr spielerischen, fast schon experimentellen Produkten der ersten Phase eine Kollektion, die weit mehr auf die Praxis bezogen war. Das heisst, bei diesem Schritt der Entwicklung hat „Val“ die klassischen Formate der wandmontierten Waschbecken angenommen.

Haben Sie für die ISH eine Art Fazit aus diesen beiden Phasen gezogen?

So könnte man das sagen – die dritte Phase, die aktuelle, die gerade an der ISH gezeigt wurde, ist eigentlich eine Fortführung dieser sehr breiten Kollektion, die aus den beiden vorherigen Schritten entstanden war. Wir wollten dazu gewisse Elemente des Anfangs, wie die Texturen oder asymmetrischen Formen, wieder aufgreifen. Daraus ist jetzt eine Erweiterung der „Val“-Kollektion entstanden, die mit ihren kleinen Formaten und Waschbecken, aber auch der Asymmetrie auf sehr spezielle räumliche Situationen Bezug nehmen kann.

Würden Sie sagen, dass diese kleinen Formate auch auf die Tendenz der Architektur, immer kompakter zu bauen, Bezug nehmen?

Ja, durchaus, und dabei geht es nicht nur um Wohnraum. Kleine Grundrisse kommen schliesslich auch in der Gastronomie oder in Hotels vor, wo es darum geht, Raum und Platz zu sparen. Daher sind diese kleinen Grössen momentan sehr relevant, und die „SaphirKeramik“ ist hierbei das perfekte Material, um auf solche Ansprüche einzugehen.

Sahen Sie sich während Ihrer Arbeit an der Kollektion „Val“ mit Schwierigkeiten konfrontiert?

Über die vielen Jahre der Entwicklung haben wir als Designer das Material „SaphirKeramik“ ganz gut kennen und einschätzen gelernt und gleichzeitig hat auch Keramik Laufen dieses Material, das damals neu war, perfektioniert. In Bezug auf die neuen, kleineren Waschbecken liegen die Schwierigkeiten eher im Bereich der Produktion, und das haben die Technikerinnen und Techniker voll im Griff. Auf der Designseite lässt mir das Material immer noch sehr viel Freiheit, und als Designer verstehen wir schliesslich sehr viel von diesen technischen Problemen und setzen dieses Wissen bereits im Entwurf um. Und trotzdem geht dieser Entwurf wohl gerade so über die rote Linie der Technik hinaus – das ist aber ein sehr schönes Spannungsverhältnis, das dabei entsteht. Ich glaube, es ist, als würde man Dehnübungen mit dem Design, der Technik und der Produktion machen, sodass die Verantwortlichen sich etwas weiter aus ihrem Feld herauswagen. Dabei entstehen oft sehr schöne und spannende Lösungen.

Auf welcher Grundlage treffen Sie Ihre Entscheidungen während des Prozesses? Passieren diese intuitiv, auf Ihrer Erfahrung basierend, oder ergeben diese sich aus den Ansprüchen von Keramik Laufen?

Das ist unterschiedlich, und im Grunde trifft alles Genannte irgendwie und in irgendeiner Form zu. Im Falle von „Val“ lag mein Hauptaugenmerk darauf, in den Proportionen der Produkte sehr genau zu sein. Also wie gross und wie tief sind die Becken, wie weich oder scharf sind die Radien und Kanten? Wie geht man mit der Armatur um, die montiert wird, wo entsteht Bedarf für eine Ablagefläche? All das sind Formstudien, bei denen wir anhand von 1:1-Modellen herauszufinden versuchten, was nicht nur für das Auge schön anzusehen ist, sondern auch in der Praxis und auf konkrete Grundrisse bezogen funktioniert. Ansonsten haben wir mittlerweile auch die Erfahrung aus der Zusammenarbeit und der Entwicklung im Umgang mit den technischen Vorgaben und den Einschränkungen. Und das Bauchgefühl spielt auch eine Rolle, das soll man auch zulassen, aber natürlich gibt es immer noch die rationale und analytische Seite, die das Gefühl nochmals überprüft und hinterfragt.

Folgen Sie bestimmten persönlichenGrundsätzen, wenn Sie etwas entwerfen?

Ich glaube, es gibt diese Haltung, die sich, ähnlich wie bei der letzten Frage, aus unterschiedlichen Dingen zusammensetzt. Natürlich gibt es im Industriedesign den Anspruch, dass es in den Entwürfen eine gewisse Klarheit und Logik gibt, dass Produkte auch eine Funktion abbilden können. Auch muss ein Produkt produzierbar sein, in der Praxis funktionieren und Aspekte der Nachhaltigkeit erfüllen. Wie kann mit wenig materiellem Aufwand eine gute Lösung erzielt werden? Das Schöne an Keramik Laufen ist, dass die Produkte der Sanitärkeramik uns täglich begleiten. Und ich glaube, ein Anspruch hierbei ist es, diese Dinge hochwertig und gleichzeitig einfach darzustellen. Unser Leben verändert sich, ein Alltagsgegenstand hat eine lange Lebensdauer und seinen Platz in dieser Dynamik. Damit das erreicht wird, muss das Produkt sehr klar, einfach, intelligent und funktionierend sein. Und das ist ein Teil dieser Haltung, die mir als Designer immer wichtig ist.