Der Monolith der FHNW

Der Monolith der FHNW

"Leere, Intuition und Reflexion. So arbeite ich. Ich halte Leere aus, manchmal sehr lange." - Katja Schenker ist eine Performancekünstlerin, die unter anderem auch für ihre Installationen und Projekte bezüglich Kunst am Baus bekannt ist. In unserer Ausgabe mit dem Schwerpunkt des Materials Stein, spricht sie über ihre Arbeit am Monolithen der FHNW in Muttenz.

Welche Überlegungen stehen hinter dem Monolithen für die FHNW? 
Mein künstlerisches Schaffen setzt sich mit der Durchlässigkeit von innen und aussen auseinander. Beim Monolithen der FHNW geht es um die Herausforderung, unsere innere Stabilität in einer Welt aufrechtzuerhalten, die zusehends virtueller und damit gegenstands- und substanzloser wird. Der Monolith setzt sich aus Hunderten von Einzelteilen zusammen, wird weder von einer Armierung gestützt noch von einer äusseren Haut zusammengehalten. Die Oberfläche zeigt sein Innerstes.

Als Performancekünstlerin reagieren Sie jeweils auf einen Ort. Wie gehen Sie vor, wenn dieser Ort noch gar nicht existiert? 
Der Bezug zum Ort, zu seiner Funktion und Geschichte ist für mich nicht nur in den Performances, sondern in allen meinen Arbeiten ein wichtiger Teil des Prozesses. Dieser Aspekt der Arbeit stellte sich hier als besondere Herausforderung heraus, da ich mir anfänglich anhand von Plänen vorstellen musste, wie die Architektur schlussendlich aussehen wird. Und weil der Monolith während des Rohbaus entstand und die räumliche Präsenz eines seiner Hauptthemen ist. Ich freue mich sehr, wie der Monolith auf der materiellen Ebene mit dem Gebäude zusammenspielt und dass er sich jetzt so gut mit dem Ort verbindet.

Sie sprechen von der Herausforderung in der Planung des Monolithen, gab es weitere Schwierigkeiten bezüglich seiner Umsetzung? 
Nun, es bestand sicher eine räumliche Herausforderung: Der Monolith verändert die räumliche Erfahrung im Gebäude. Bestimmt war er auch ein Fremdkörper im Bauablauf, besonders zu Beginn sorgte unsere Arbeit für Irritation. Allerdings hat das Werk auch bei vielen Interesse geweckt, beispielsweise da es für die am Bau beteiligten Personen sehr ungewohnt ist, Holz in Beton einzugiessen. Die lange Realisierung, ich habe über zwei Jahre voll an diesem Projekt gearbeitet, gab den Personen auch genügend Zeit, sich mit dem Werk auseinanderzusetzen.

Wie gestaltete sich die Arbeit am Monolithen für Sie?
Begonnen hat die Arbeit für mich mit dem Sammeln der Hölzer, Steine und Metalle, die später im Beton eingegossen wurden. Das dauerte insgesamt ein Jahr. Der Bau vor Ort beanspruchte dann drei bis vier Monate. Das war die eigentliche Performance, ein Zusammenspiel aus Komposition und Zufall. Die Komposition geschieht immer intuitiv, der Zufall ergibt sich aus der Eigendynamik der Materialien. Während der Bauzeit lebte ich in einem Container direkt auf der Baustelle. Das ermöglichte mir eine maximale Konzentration, das ist letztlich die Performance. Als letzter Arbeitsschritt wurden die Aussenseiten mit einem Diamantseil heruntergeschnitten, ein sehr langsamer Prozess, der von der Firma Diamantbohr höchste Sorgfalt und viel Erfahrung verlangte. Das dauerte weitere fünfeinhalb Monate.Vieles an dieser Arbeit war auch Experiment.

Sie haben einmal von den drei Schlagwörtern Void-Instinct-Reflection gesprochen. Wie bringen Sie diese in Verbindung mit dem Monolithen? 
Sie meinen Leere, Intuition und Reflexion. So arbeite ich. Ich halte Leere aus, manchmal sehr lange. In dieser entsteht irgendwann ein Gefühl. Dann geht es darum, dieses Gefühl zu formulieren. Gleichzeitig recherchiere ich, beispielsweise zum Ort oder zu Materialien. Bevor ich die Materialien sammelte, wusste ich bereits, dass die Stärke des Nougats, wie das Konglomerat anfänglich hiess, in seiner Ruhe und Zuverlässigkeit liegt. Das Konglomerat ist etwas Gemachtes und Konstruiertes, hypermateriell, aber jedes Material hat auch eine Geschichte und verkörpert Zeit. Und jetzt sind wir beim Immateriellen. Ich arbeite plastisch und performativ zugleich. Ich verwandle Zeit in Substanz und verdichte Prozesse und Ereignisse zu plastischen Formen.

In Bezug auf Ihre Performances sagen Sie auch, es sei wichtig, dass man etwas zu sagen habe. Was wollten Sie mit dem Monolithen ausdrücken? 
Als Hauptaussage habe ich mir gewünscht, dass das Werk sich verselbstständigt und losgelöst von mir bestehen kann. Was ich damit meine ist, dass der Monolith mit einer Höhe von 11 m ohne Armierung als Konglomerat aus unzähligen Fragmenten allein und frei steht. Dieser Widerspruch des über 100 t schweren physischen Monuments, das gleichzeitig so fragil bleibt, finde ich spannend. Auch gibt es neben der räumlichen Wahrnehmung zusätzlich eine sinnliche: Man möchte an den Monolithen herantreten und ihn anfassen. Die Arbeit zielt nicht zuletzt auf das Erlebnis und die Wahrnehmung der eigenen Körperlichkeit ab. An dieser Skulptur geht keiner einfach vorbei, ohne sie anzuschauen, ohne dabei etwas zu empfinden oder etwas zu spüren.

www.katjaschenker.ch