Zukunft der Stadtbegrünung

Rudolf Lehmann ist Ingenieur bei Jakob Rope Systems. Mit uns spricht er mit uns über die Zukunft der Stadtbegrünung.

Herr Lehmann, Sie sind überzeugt, dass begrünte Seilstrukturen in den Städten der Zukunft eine zentrale Rolle einnehmen. Was fasziniert Sie persönlich daran?Kletterpflanzen als natürlichen Schutz gegen Sonne und Hitze einzusetzen, ist im Grunde nichts Neues. In südlichen Ländern hat sich etwa die Pergola schon lange etabliert. Wir setzen in unseren Breitengraden nach wie vor eher auf Sonnendächer oder -schirme. Ich bin jedoch überzeugt, dass diese Art von Beschattung auf natürliche Weise, vor allem in den Städten, die Zukunft ist.   

Weshalb?
Viele Fachleute sind sich einig, dass die Begrünung der Städte Teil der Lösung ist, wie wir in Zukunft leben werden. Dies ist zum einen zu erreichen, indem wir mehr Bäume pflanzen. In den Ballungszentren der Städte ist dies aber oft schwierig umzusetzen. Hier sind begrünte Seilstrukturen eine sinnvolle Alternative. Sie haben diverse Vorteile.

Zum Beispiel?
Das Thema Hitze in der Stadt spielt schon jetzt eine grosse Rolle. Weltweit sucht man nach Lösungen, urbane Hitzeinseln abzubauen. Begrünte Seilstrukturen kühlen, spenden angenehmen Schatten. Das kann man bereits im eigenen Garten beobachten. Unter einer Pflanzenpergola ist es 3-5 °C kühler, als unter einem Sonnenschirm.    

Und die Luft ist erst noch besser.
Natürlich, die Verbesserung der Luftqualität ist ein weiterer Pluspunkt. Zudem dienen Kletterpflanzen als zusätzlicher Lärmschutz und bieten ein grosses Spektrum an Arten, Höhen, Blüten und Früchten. Und bei grossflächig begrünten Fassaden nisten sich oft tierische Bewohner wie Vögel ein. Die Artenvielfalt profitiert also auch mit.

Auch als Gestaltungselement eignen sich Pflanzen vorzüglich.
Absolut, die Landschaftsarchitektur schätzt diese Option auch deshalb immer mehr. Eine begrünte Seilstruktur verändert sich über das Jahr. Im Sommer ist sie schön grün, im Herbst farbig, im Winter verschneit. Das gibt wunderschöne Kontraste.

Wo sehen Sie noch Potenzial für die Begrünung in der Stadt?
Mir fällt auf, dass Spielplätze im Freien meist gar nicht überdacht sind, die Kinder sind so der prallen Sonne ausgesetzt. Hier können begrünte Pergolen sinnvoll sein.    

Und wo liegen die Herausforderungen bei besagten Begrünungsmethoden?
Einerseits gibt es da feuerpolizeiliche Aspekte. Wichtig ist, dass bei solchen Strukturen das Totholz regelmässig herausgeschnitten wird, um die Feuergefahr zu reduzieren. Auch bewusst gesetzte Löcher im Pflanzenkleid dienen als natürliche Brandabschnitte – und sorgen gleichzeitig für willkommene Ausblicke. Weiter ist eine ideale Bewässerung wichtig, damit die Pflanzen grün bleiben.

Ein schönes Beispiel für eine gelungene Begrünung mit Drahtseilen ist anhand des Projekts auf dem Amtsplatz in Solothurn zu sehen. Wie ist es entstanden?
Es gab eine Motion der SP Solothurn. Der Auftrag war, ein Schattendach zu entwerfen, das sich ins Stadtbild einfügt. Wir haben daraufhin freiwillig ein Konzept entwickelt, das die Umsetzung in der Realität möglichst nahebringen soll. 

Die Visualisierungen dazu lassen sich sehen.
Das finde ich auch. Die Struktur aus Stahlstützen trägt ein Geflecht aus rostfreien Drahtseilen. Gemeinsam mit einem Landschaftsarchitekten wurde dann erarbeitet, wie das rund 10 m hohe Dach mit Kletterpflanzen begrünt werden kann, mit dem Ziel, dass diese mindestens 30 Jahre leben können.     

Und wie lange hält die Stahlkonstruktion?
Der verzinkte, duplexierte Stahl hält ohne Weiteres 50 Jahre, ohne Unterhalt. Dasselbe gilt für die Netzstruktur. 

Das ist ziemlich lange.
Ja, auch dieser Aspekt trägt zu einer nachhaltigeren Welt und zur Verbesserung unserer Lebensqualität bei. Ich sehe, dass sich das Bewusstsein der Menschen hier mehr und mehr in diese Richtung bewegt, was mich überaus freut. Wir können  die Welt von morgen alle gemeinsam mitgestalten!       

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