Zürich 1981 (1986) – 1994

Dr. Urs Wiederkehr ist Bauingenieur und Leiter des Fachbereichs Digitale Prozesse auf der Geschäftsstelle des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA). Für diese sechsteilige Kolumne besucht er 2021 seine bisherigen Wohnorte und transformiert Erinnerungen ins Heute.

Die Deindustrialisierung hautnah erlebt
Als ich 1981 an der ETH das Bauingenieurstudium begann, war jede Bahnfahrt von Luzern nach Zürich eine individuelle Planungsaufgabe. Die Einführung des Taktfahrplans 1982 veränderte das. Bei der Einfahrt in den Zürcher Hauptbahnhof wirkte das Zentralstellwerk von SBB-Hausarchitekt Max Vogt (1925-2019) als markantes Element, heute wird es von der Umgebung verschluckt. Die nahe gelegene Sihlpost wurde ab 1990 um ein modernes Briefverteilzentrum mitten in der Stadt erweitert. Der Rückbau erfolgte bereits im Jahr 2009. Das frei gewordene Gebiet wurde zur heutigen Europaallee – ursprünglich „HB Südwest“, dann „Eurogate Zürich“ und später „Stadtraum HB“
genannt – transformiert.

Zuerst wohnte ich in der Gartenstadtsiedlung „Favorite“ (1912-1920) beim Schaffhauserplatz im Unterstrass-Quartier. Heute ist die Siedlung im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder von nationaler Bedeutung der Schweiz (ISOS) erwähnt. Auf dem vor Monatsfrist erfolgten obligaten nostalgischen Rundgang habe ich gestaunt, was alles zu entdecken ist, wenn man mit offenen Augen durchs Quartier geht und den Weg zum Ziel erklärt. Die Siedlung „Birkenhof“ nebenan habe ich beispielsweise erst jetzt bemerkt. 

Der ETH-Campus auf dem Hönggerberg, der täglich mein Ziel war, zeichnete sich damals durch den doppelten Grünflächenanteil aus als heute. Sein Pendant, der neue Campus der Universität Zürich, entwickelte sich auf dem Gelände der ehemaligen landwirtschaftlichen Schule Strickhof. Der zugehörige Irchelpark wurde 1985 eröffnet. Unterdessen hat er sein steriles Erscheinungsbild verloren und wirkt heute als ein Naherholungsgebiet. Damals lag es weit ausserhalb meiner Vorstellungskraft, dass ich je einen direkten Bezug zum Strickhof haben würde: Rund 30 Jahre später gehörte ich der Schulkommission des Kompetenzzentrums Strickhof an, das einen neuen Standort in Eschlikon gefunden hat. Meine Unterrichtstätigkeit zum Facility-Management erfolgte im Technopark in Züri West – einem Quartier, das im Zeichen der Deindustrialisierung von Zürich steht. Mit „Prime Tower“ und Co. trägt es zur neuen markanten Skyline von Zürich bei. 

Später zog ich nach Zürich Oerlikon, in ein Gebiet, welches das ISOS als „Durchmischtes Wohnquartier“ bezeichnet. Neu-Oerlikon war noch ein Industriegebiet und das Swissôtel beim Bahnhof das höchste Gebäude. Dessen Brand beobachtete ich 1988 auf dem Heimweg vom Hallenbad vis-à-vis des nun neuen Messegebäudes. Das elfstöckige Geschäftshaus Airgate an der Thurgauerstrasse ist nach dem Hallenstation, nach meiner Erinnerung, das nächsthöchste Gebäude gewesen. Die nun neudeutsch „Tower“ genannten Hochbauten, aber auch viele Wohnüberbauungen auf den Industriebrachen, fehlten damals noch. Im goldenen Andreasturm, der 2018 eröffnet wurde, durfte ich an der Entwicklung des Swissbau Innovation Labs 2020 mitarbeiten.

Ich staune immer wieder, welche Details man entdeckt, wenn man als aktiver Beobachter unterwegs ist. Ich werde mich dafür in Zukunft noch mehr an den Spruch am Schwabentor in Schaffhausen halten: „LAPPI TUE D’AUGE UF“. Und konsultiere im Voraus unbedingt das ISOS!

Kaum zu glauben: Diese Abendstimmung am künstlichen See im Irchelpark ist rund
2 km Luftliniendistanz vom Zürcher Hauptbahnhof aus zu geniessen.

Tipps:

Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung ISOS und Ortsbildschutz
Europaallee, ein Quartier voll Zürich
ETH Campus Hönggerberg 2040
Messe Schweiz, Standort Zürich
Stadtverkehr 2025, Züri z’Fuess, Unterwegs in Oerlikon: Stadt Zürich

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