Trinkwasserversorgung in Kenia

Den Luxus einer funktionierenden Trinkwasserversorgung weiss man erst wieder zu schätzen, wenn diese keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Genau diese Thematik begrenzt in regenarmen Monaten den Betrieb der Ilkeek Aare Primary School (IAPS) für die Kinder von Halbnomaden in Kenia – mit Ingenieursdienstleistung unterstützen IngOG+ unter der Leitung von Jean Randhahn die Planung und Umsetzung einer kontinuierlichen Wasserversorgung.

Das Projekt hängt mit der Ilkeek Aare Primary School zusammen. Inwiefern begrenzt die lokale Trinkwasserversorgung den Betrieb des Internats?
Die IAPS ist eine Tageschule in Kenia inklusive Internat, die den Anspruch hat, ganzjährig auszubilden und ihren Schülern einen Abschluss zu ermöglichen. Die Niederschläge in dieser Region sind sehr saisonal und werden in den letzten Jahren immer unzuverlässiger. Für das Internat bedeutet dies, dass in den trockenen Monaten die Wasserversorgung zum Erliegen kommt und es die Schüler daher nach Hause schicken muss. Alternativ wird mittlerweile Wasser zugekauft und in den Tanks gelagert, die eigentlich für die Regenwassersammlung gedacht waren. Dies stellt die Schule vor das Dilemma, entweder zu schliessen oder Schulgebühren zu erhöhen, wodurch vielen Kindern der Zugang zu Bildung genommen werden würde.

Wie soll die ganzjährige Wasserversorgung gewährleistet werden?
Ziel ist es, die Schule hinsichtlich Wasserversorgung selbsttragend zu machen, wofür wir vier Eckpfeiler betrachten: Versorgung, Verbrauch, Verluste und Instandhaltung. Somit gilt, die vorhandene Regenwasserversorgung zu reparieren und auszubauen und den Verbrauch clever zu minimieren – was in einer staubigen und trockenen Region eine Gratwanderung ist. Mit Massnahmen wie das Geschirr oder die Wäsche mehrere Kinder gemeinsam zu waschen, kann hier jedoch doch noch so einiges eingespart werden. Weiter müssen Wasserverluste reduziert werden, wofür die vorhandenen Tanks abgedichtet und die bestehenden Leitungen repariert werden müssen. Apropos Reparatur: Hier fehlt leider ein technisch versierter Hausmeister oder eine ähnliche Kontaktperson. Daher steht auch eine Schulung des aktuellen Sicherheitsmanns an, der künftig kleine Reparaturaufgaben übernehmen soll.

Wir sind den Luxus von fliessendem Wasser gewohnt. Wie kann man sich die Standards der Wasserversorgung in Kenia vorstellen?
Sehr divers – angefangen von fliessend Wasser aus der Leitung bis hin zu Wasserversorgung aus Wasserlöchern im Boden in trockenen Gebieten. Gerade Letzteres wird mit der Einführung von Strassen und Düngemitteln zum Problem, da das Wasser aus den Wasserlöchern schlicht nicht mehr trinkbar ist, sobald es über Strassen fliesst und dort den angesammelten Schmutz mitnimmt. Ebenso spielt die sanitäre Situation eine Rolle, da das Oberflächenwasser zudem die Wasserlöcher verschmutzt. Mittlerweile wird es zunehmend Standard, Regenwasser zu sammeln, um sauberes Wasser zu gewinnen.

Welche Probleme erschweren die Umsetzung bzw. werden diese künftig noch schwieriger gestalten?
Klima, Politik, Wissen und unsere eigene Haltung. Die normalen Regenwassersammelanlagen an die dortigen sehr starken Regenfälle anzupassen, ist technisch lösbar. Auch die Elektrizitätsversorgung, z. B. für Pumpen, ist instabil. Welche konkreten Ursachen dies hat, können wir nur erahnen. Zudem hindert fehlende Ausbildung oft daran, die Infrastruktur zu erhalten – ein Problem, das wir von anderen IngOG-Landesverbänden kennen. Auch wenn wir bei diesem Projekt als Ingenieure unsere Expertise einbringen können, fehlt es lokal an technisch ausgebildetem Personal für grundlegende Arbeiten. Zusätzlich begegnen mir immer wieder Menschen, die ein Hilfsprojekt als Freizeit verstehen und die Pflichten gerne mal schleifen lassen. Ich bin sehr froh um unser Team, welches engagiert vor Ort war und nun auch im Nachgang konkrete Empfehlungen und technische Vorschläge ausarbeitet. Die Zusammenarbeit erlebe ich als sehr lösungsorientiert – wir wollen alle in die gleiche Richtung.

Weitere Informationen zu dem Projekt finden Sie hier oder unter folgendem Link.

 

 

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