RE.THINK BUILDING 2024

Am 3. Mai 2024 stand im PROGR in Bern alles unter dem Stern des Überdenkens – insbesondere des Bauwesens. In Zusammenarbeit von Baubioswiss und natureplus wurde die Konferenz „Re.think Building 2024“ initiiert, um die Potenziale des Umbaus, vor allem in Verbindung mit nachhaltigen Baustoffen, hervorzuheben. Hierfür gaben Referent:innen aus diversen Büros, Vereinen und Unternehmen einen Einblick in die Themen ihres Berufsalltags.

„Und wie baust Du um?”
Es ist ausser Frage, dass der Umbau immer mehr in den Vordergrund rückt. Die verschiedenen Vorgehensweisen wurden an der Konferenz „Umbau statt Neubau! Mit nachhaltigen Baustoffen Potenziale im Bestand heben” erläutert und diskutiert: Im Rahmen von Nature Plus und Baubioswiss wurde anhand fünf Vorträgen, einer Materialmesse mit natureplus zertifizierten Produkten‍ und einem Podiumsgespräch das Thema „UmBauwende” den Besuchenden in verschiedenen Sichtweisen nähergebracht. Den Abschluss des informativen Tages stellte die Führung durch das PROGR in Bern, ein sanft renoviertes und umgenutztes Schulhaus, dar, in welchem die Veranstaltung stattgefunden hat. Dazu blieb Zeit, sich untereinander auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen.

„We need to work together”
Immer wieder wurde dieser Satz während der Konferenz wiederholt und betonte die Notwendigkeit der Kollaboration und des Wissensaustausches, um die Resonanz der „UmBauwende” zu erhöhen. So wurde auch schon zur Begrüssung die bereits 22-jährige Zusammenarbeit von natureplus und Baubioswiss geschätzt und den Sponsoren, welche zum gemeinsamen Ziel beitragen, gedankt.

„What we (don’t) do”
Den Auftakt machte Benjamin Poignon, Architekt und Bauingenieur vom baubüro in situ ag‍, der unter diesem Motto die Vorgehensweise des Büros mit dem Umgang im Bestand erklärte. Unter anderem wurden die Umbauten in Zusammenarbeit mit „unterdessen”, „DENKSTATT sarl” und „zirkular” realisiert. Dabei haben diese Projekte immer Eines gemeinsam – ihren Leitsatz. So steht im Zentrum immer die Frage der Notwendigkeit: Auf was kann verzichtet werden, was kann reduziert, anders eingesetzt, repariert oder wiederverwendet werden. Bei neuen Elementen ist zudem immer eine gute Ökobilanz von grosser Bedeutung und ausschlaggebend für die Wahl der Materialien. Dabei kann bei diesem Prozess „nicht erwarteter Luxus” entstehen, wie die Wiederverwendung von bestehenden hochwertigen Baumaterialien in einem veränderten Kontext.

„Kennst Du schon…?”
Am „Markt der Möglichkeiten” mit Ausstellungsständen sowie auf der Bühne wurden folgende nachhaltige Baumaterialien der Gold- und Silberpartner durch die Hersteller in Form von Elevator Pitches – in einer Minute – vorgestellt:
Baufritz: HOIZ – Spänedämmstoff
Best wood Schneider: Hohlkastensystem CLT Box – Decke FS
Fundermax: FunderPlan – Biofaserplatte
Keimfarben: KEIM JANUS – Wiederverwendbarer Ton-Kalk Innenputz

„Das Potenzial der Schweizer Labels”
Weiter durchs Programm führte Angela Birchler, Projektleiterin SNBS, Minergie e.V., indem sie einen Einblick durch die „Die Schweizer Zertifizierungslandschaft” gab. Dabei ging sie auf den GEAK, GEAK Plus, Minergie, Minergie ECO, SNBS sowie die neue Arealbetrachtung, samt Minergie-Areal und SNBS-Areal, ein. 

„Neue Anforderungen wie Möglichkeiten”
Die heutigen Anforderungen des Holzbaus der Zukunft stellte Stefan Schindele, Leiter Baubiologie, Nachhaltigkeit, Entwicklung, Baufritz, für die Firma Baufritz nachfolgend vor. Vor allem betonte er die Bewegung weg vom Einfamilienhaus auf der grünen Wiese und die Tendenz hin zu Umbauprojekten vor, die in dem damit verbundenen Bedarf nach nachhaltigen Bauprodukten resultiert. Dabei erklärte er, dass die Anforderungen von Nature Plus an Bauprodukte eine sehr gute Grundlage für ein nachweislich wohngesundes Gebäude darstellen. Daraus neu entstehende Möglichkeiten wurden mit zwei Forschungsprojekten aufgezeigt namentlich „SchüttLibi 2.0” sowie „ToMOORow” welche auf grosses Interesse im Publikum stossen.

„Back to the roots”
Nach dem Leben im Eco-Village in Südafrika kehrte Thomas Pijnenborgh, Geschäftsführer von Groene Bouwmaterialen, nach Holland als Baumaterialien-Berater zurück. Sein Vortrag fokussierte auf Baumaterialien für Neu- sowie zunehmend Umbauprojekte wie Isolena (Schafwolle als Abdichtungsmaterial), CaNaDry, CaNaCrete, Exie Fibers etc. und zeigte die teilweise entstehenden Synergien für die Weiterverwendung der Restbestandteile für Kleidung oder auch die Autoherstellung auf. Er betonte dabei, dass beim Einsatz des Materials auf ihren selbst generierten zusätzlichen Wert hingewiesen werden sollte, damit dieser von der Bauherrenseite geschätzt wird.

„Umbau aber wohngesund!”
Im Zeichen der Wohngesundheit stand der Vortrag von Roger Waeber, dem Leiter der Fachstelle Wohngifte des Schweizerischen Bundesamts für Gesundheit (BAG). Er klärte insbesondere auf, welche Punkte zur Förderung des gesunden Wohnens essenziell sind. Hierin spielen insbesondere emissionsminimierte Baumaterialien eine wichtige Rolle, zentral sei aber auch das eigene Verhalten wie Rauchen im Innenraum, was Raumluftverunreinigungen verursacht. Er wies bei Umbauprojekten zudem auf die Schadstoffe Asbest, PCB (besonders im Gewerbebau), PCB (im Holzschutzmittel), PAK (Teeröle) und Blei (in Bleifarben) sowie das Forum Asbest Schweiz hin (forum.asbest.ch/handeln). Zuletzt betonte er die Wichtigkeit der Durchlüftung mit einem entsprechenden Lüftungskonzept sowie die Einhaltung der Feuchteschutznorm.

„Wege zu einer nachhaltigen UmBaukultur”
Im Rahmen der Podiumsdiskussion wurde die UmBauwende abgehandelt: Dafür wurden Barbara Bauer (natureplus Vizepräsidentin, IBO) für Zertifizierung & Forschung, Benjamin Poignon (baubüro in situ ag) für Planung & Architektur und Hanspeter Niggli (Thymos AG) als Produkthersteller eingeladen. Letztlich gelangten die Teilnehmenden zum Konsens, dass Aufklärungsarbeit und Bewusstseinsbildung weiterhin gefragt sind, um auf allen Ebenen die UmBaukultur voranzubringen. Dabei sei der stete Blick auf alle Phasen eines Bauprodukts unabdingbar – von der Herstellung und Nutzung über die Wiederverwendung bis hin zur Entsorgung. Diese Arbeit bedingt ein Umdenken des Prozesses und der Argumentation gegenüber der Kundschaft. Durch den Wandel sollen letztlich neue Anforderungen, Lösungen, Kollaborationen, neue Berufskategorien wie „Bauteil-Jäger:in“ entstehen und die Kommunikation zwischen den Parteien gestärkt werden, um die Durchführung mit einer hohen Qualität auf allen Ebenen garantieren zu können.

„Es geht nur zusammen”
Den Abschluss der Konferenz machte Tilmann Kramolisch, Geschäftsführer natureplus e.V., der den Networking-Aspekt dieser Konferenz nochmals betonte. Die genannten Regeln vom Umgang mit dem Bestand von Benjamin Poignon vom baubüro in situ sollen allseits als Denkweise genutzt werden. Per se sollte der Umbaugedanke stets am Anfang stehen und die Vernetzung sowie Kollaboration für bessere Resultate als Werkzeuge genutzt werden. Hierfür möchte natureplus in Zukunft weiter Orientierung geben und die Möglichkeiten des Machbaren aufzeigen.

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