Lausanne Jardins

Lausanne Jardins

Der Erdboden verschwindet aus den Städten. Die sechste Austragung von Lausanne Jardins weist unter dem Motto „terre à terre“ auf die Konsequenzen hin, die das für unsere Lebenswelt hat. Das Team von Lausanne Jardins hat für die diesjährige Austragung des Kunst- und Landschaftsprojektes eine klare Route festgelegt, und die ist – für Lausanne ungewöhnlich – flach! In einem langen Zug führt sie vom Parc de Valency, am Westende der Stadt, hinein ins dichte Zentrum und ostwärts wieder hinaus, bis zum Parc Guillemin in der Nachbargemeinde Pully.

© Stephanie Gygax

Landschaftsarchitekt Klaus Holzhausen, Autorin Lorette Coen und Stadtpräsidentin Yvette Jaggi hatten den Anlass 1997 aus der Not ins Leben gerufen. Indem sie an verschiedenen Orten der damals in Stillstand verfallenen Stadt Gärten einrichteten, wollten sie den Menschen die Augen für das Potenzial und die Schönheit ihrer Umwelt wieder öffnen.

Monique Keller, Kuratorin der diesjährigen Ausgabe von Lausanne Jardins, erklärt: „Wir wollen die Leute auf verschiedene Arten anregen. Dieses Projekt ist poetisch, andere sind didaktisch und wieder andere spielerisch.“ Unter dem Motto „terre à terre“ will das interdisziplinäre Team um die Architektin und Journalistin den Erdboden ins öffentliche Bewusstsein rufen. Dieser ist in der Stadt nämlich in Bedrängnis. Wir überbauen oder versiegeln immer mehr Flächen und durchziehen den Untergrund mit Infrastruktur. Dabei ist uns oft nicht bewusst: Was wir dafür sorglos entfernen, ist eine lebendige und endliche Ressource. Regenwürmer und andere Tiere halten den Boden fruchtbar, indem sie ihn ständig durchwühlen und dabei Sauerstoff in die Tiefe und Nährstoffe nach oben transportieren. Dauerhaft funktioniert das aber nur, wenn die Erde in Kontakt mit dem nährstoffreichen Ausgangsgestein im Untergrund ist. „Zu sagen, man könne den Erdboden durch begrünte Dächer ersetzen, ist Greenwashing“, kritisiert Keller deshalb. „Nach einigen Jahren sterben die Pflanzen dort ab, und grössere Bäume wachsen beispielsweise über Tiefgaragen sowieso kaum. Dafür fehlt meist die nötige Bodentiefe.“

Jedem der in einem internationalen Wettbewerbsverfahren ausgewählten Projektteams stand für die Umsetzung seiner Idee ein vergleichsweise bescheidener Betrag von 24 000 Franken zur Verfügung. Das reichte aber beispielsweise, um ein seit jeher unbeachtetes, mit einer einzelnen Pappel bestandenes Terrässchen gegenüber der Kirche Saint-François in eine kleine Stadtoase zu verwandeln: Die Wurzeln des alten Baumes scheinen den Asphalt gesprengt zu haben, und aus den Rissen wuchert wildes Grün. Dazwischen stehen knallbunte, frei verschiebbare Gartenstühle. Den Verkehr auf der Avenue du Théâtre im Rücken, erholen sich auf ihnen müde Touristen, telefonieren Geschäftsleute und tratschen Jugendliche.

Schade nur, dass die Terrasse Bellefontaine vermutlich am Ende des Sommers wieder in ihre Einsamkeit zurückfallen wird. Nach dem Abschluss von Lausanne Jardins am 12. Oktober werden die meisten Beiträge wieder abgebaut. Bis dahin haben Einheimische und Besucher noch Zeit, die Stadt auf neuen Pfaden zu erkunden und an den zahlreichen Workshops, Konzerten und Festen entlang des Weges teilzunehmen.

 

Mehr unter:
https://lausannejardins.ch/de/

© Stephanie Gygax

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© Stephanie Gygax

© Marius Affolter