Die gemeinsame Zukunft der Industrie gestalten

Die gemeinsame Zukunft der Industrie gestalten

Langenthal musste sich nach dem Einbruch der Industrie neu erfinden. Der SchweizerHeimatschutz würdigt dieses Jahr mit dem Wakkerpreis die Bemühungen der Stadt auf Ebene der Planung, Innenverdichtung und Auseinandersetzung mit dem baulichen Erbe.

Am Anfang der Erneuerung stand einSchock: Die traditionsreiche Porzellanfabrik Langenthal schloss um die Jahrtausendwende ihre Produktion, und zusammen mit anderen Industriezweigen verschwanden insgesamt rund 1000 Arbeitsplätze. Dies löste eine tief greifende Erneuerung aus – und die Stadt griff auf die gleichen Strategien zurück, die sie schon bei der Ansiedlung der Industrie angewendet hatte. „Kooperation und vorausschauendes Investieren“ nennt der Heimatschutz die Tugenden, die die einstige Entwicklung ermöglicht hatten. Die Stadt florierte dank kollektivem Engagement. In die heutige Zeit übersetzt heisst dies, Bevölkerung und Denkmalpflege von Beginn an in die Planung mit einzubeziehen. Dies löste einen Diskurs aus, in dem öffentliche und private Anliegen gegeneinander abgewogen und unter ein Dach gebracht wurden. Das Resultat: eine Zwischennutzung in der alten Mühle, Testplanungen für die Porzellanfabrik, die Eröffnung eines Hotels in einer historischen Villa, die Renovation des Theaters, attraktive Aussenräume und ein neuer Platz am Ufer der Langete, wo einst eine Ansammlung von Gewerbebauten stand und nach einzelnen Abbrüchen eine öde Freifläche übrig blieb. Langenthal habe die Zeichen der Zeit erkannt, schreibt der Heimatschutz, indem die Entwicklung nicht mehr nach aussen erfolge, sondern durch Verdichtung gegen innen. Weil dort bedeutende Zeugen der Industrie stehen, ging damit automatisch eine Auseinandersetzung mit dem gemeinsamen Erbe einher. Damit steht Langenthal beispielhaft für Innovationen im Planungsprozess sowie den Umgang mit der postindustriellen Transition und dem Bestand. (ms)

www.heimatschutz.ch