Brücken bauen in La Cañada, Nicaragua

In der kleinen Gemeinde La Cañada im Nordwesten Nicaraguas bekommt das Brückenbauen gleich eine doppelte Bedeutung: In einer langfristigen Partnerschaft mit Engineers Without Borders USA – Nicaragua Office überwindet IngOG+ hier nicht nur kulturelle Gräben, sondern wie erwartet auch einen Fluss. Gemeinsam wird an einer beschädigten Niedrigwasserbrücke gearbeitet, um die infrastrukturelle Anbindung der Bewohner garantieren zu können.

Sie sind schon länger IngOG+-Mitglied – wie sind Sie zu dem Verein gekommen?
Projekte in wirtschaftlich und sozial benachteiligten Ländern zu realisieren war schon immer ein Traum. Nach dem Studium des Bauingenieurwesens wollte ich anfangs bei Organisationen wie IKRK arbeiten – habe dann aber doch in einem ganz normalen Ingenieurbüro angefangen. Doch wie es der Zufall will, habe ich dort ein aktives IngOG+-Mitglied, Christian Vögeli, kennengelernt und meinen Weg in den Verein gefunden.

Sie sind derzeit an einem Projekt in Nicaragua beteiligt. Worum geht es in diesem Projekt genau?
Gemeinsam mit Engineers Without Borders USA – Nicaragua Office beschäftigen wir uns mit einer Brücke in der kleinen Gemeinde La Cañada im Nordwesten Nicaraguas. Aktuell verfügt der Ort über eine beschädigte Niedrigwasserbrücke aus Stahlbeton, über welche täglich insgesamt etwa 100 Fahrzeuge fahren. Die Brücke führt über einen Fluss, der während der Regensaison oft überläuft und dadurch den einzigen Zugang La Cañadas zum Gesundheitszentrum, zur Grundschule und zur High School nimmt. Dabei wird das Projekt zwei weitere Gemeinden in der Umgebung inkludieren: Las Gavetas und Las Tablas – sodass insgesamt circa 1500 Menschen vom Projekt profitieren können. Der Grossteil der dortigen Bevölkerung ist in der Landwirtschaft tätig, wobei einige von ihnen in der nächstgelegenen Stadt arbeiten. Zusätzlich hängt ihr geringes Einkommen vom Verkaufserfolg ihrer Ernten und somit vom Wetter ab. Daher ist eine sichere Passage der Brücke – vor allem während der Regenzeit – existenziell für die Wirtschaft der lokalen Bevölkerung.

Als erfahrene Bauingenieurin können Sie viel Know-how in die Projekte von IngOG+ einbringen. Was konnten Sie jedoch im Umkehrschluss aus diesen an Erfahrung und Wissen mitnehmen?
In einem Verein wie IngOG+ geht es nicht nur darum, technisches Wissen zu erlernen. Während meiner langjährigen Tätigkeit im Verein habe ich mich oft an der Organisation von Veranstaltungen beteiligt, die vor allem der Förderung des Teamgeistes dienten. In meinem ersten Jahr im Vorstand habe ich die monatlichen Treffen koordiniert, meist moderiert und Meetings geleitet. Als Vorstandsmitglied beteilige ich mich zudem an Diskussionen über die Verwaltung von Kontakten oder die Verbesserung unserer Kommunikationsmittel. Dieses Jahr obliegt mir die Aufgabe der Kassiererin, wodurch ich dann die Grundlagen der Buchhaltung erlernen kann. 

Neben Ihrem Engagement bei IngOG+ haben Sie ein Masterstudium an der ETH absolviert. Wie haben sich beide Tätigkeiten inhaltlich und organisatorisch vereinen lassen?
Grundsätzlich basiert die Vereinsarbeit auf ehrenamtlichem Engagement, sodass man sich auch untereinander entlastet. Zudem haben die Pandemie und der Trend von Online-Meetings dazu beigetragen, beide Aktivitäten organisatorisch besser unter einen Hut zu bringen. Während des MAS in Architecture and Digital Fabrication, den ich im September 2020 abgeschlossen habe, lernte ich, Roboter und 3D-Drucker für Architekturprototypen zu benutzen. An der ETH wird der Einsatz solcher Maschinen auch mit der Verwendung von neuen Materialien, z. B. Lehm, kombiniert, um umweltfreundliches Bauen aufzuzeigen. Denn die Bauindustrie ist für über 40 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Ändern sich unsere Bauweisen nicht, wird unser Planet für die künftigen Generationen nicht mehr bewohnbar sein. Neue Techniken sowie Baumaterialien sind nicht nur in unseren Industrieländern, sondern auch in den Entwicklungsländern wichtig.

Mehr zu  dem Verein „Ingenieure ohne Grenzen“ finden Sie hier.

 

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