Kunstvolle Erweiterung

Der Erweiterungsbau des Kunsthauses Zürich wurde nach rund zwölf Jahren Planungs- und Bauzeit fertiggestellt. Mit dem Gebäude von David Chipperfield Architects wird das Kunsthaus Zürich zum grössten Kunstmuseum der Schweiz. Die Eröffnung im Vollbetrieb ist für Oktober 2021 geplant.

Noch hängt keine Kunst in den neuen Ausstellungsräumen des Erweiterungsbaus des Kunsthauses Zürich. Die Hallen, Treppen und Räume des Chipperfield-Baus, wie das Gebäude künftig genannt wird, sind menschenleer. Sie wirken, nach rund zwölfjähriger Projektierungs- und Bauphase, erst einmal nur für sich. Das neue Gebäude wird so fast ein wenig zur Kunst selbst, ehe es im Oktober 2021 dann offiziell im Vollbetrieb öffnet.

Zusammen mit dem bestehenden Kunsthaus, das mit einer über siebzig Meter langen, unter dem Heimplatz verlaufenden Passage mit dem Chipperfield-Bau verbunden ist, wird das Kunsthaus Zürich zum grössten Kunstmuseum der Schweiz. Die Präsentationsfläche für Kunst wächst um 5000 m2 auf insgesamt 11’500 m2.

Der Anteil öffentlicher Flächen im erweiterten Kunsthaus wird dabei mehr als verdoppelt. Die frei zugängliche zentrale Halle und vielseitig nutzbare Ateliers bieten Raum für die Interaktion zwischen Kunst und Publikum und stärken den Austausch und die Teilhabe. Mit dem Shop- und Barbetrieb, dem grossen Festsaal sowie dem Garten der Kunst – Einrichtungen, die auch ausserhalb der Öffnungszeiten des Museums zugänglich sein werden – öffnet sich das neue Kunsthaus zudem auch gegen aussen. Mit dem «Garten» der Kunst ist nördlich des Erweiterungsbaus ein öffentlicher Freiraum entstanden, der kostenlos zugänglich ist. Insgesamt stärkt das neue Ensemble zusammen mit dem Schauspielhaus den Heimplatz als Ort der Kultur und markiert gleichzeitig das Tor zum Hochschulgebiet.

Mit der Erweiterung erfährt der Zürcher Heimplatz in mehrfacher Hinsicht eine städtebauliche Aufwertung. Der Chipperfield-Bau ist in seinem Volumen kompakt und fügt sich gut ins Stadtbild ein. Durch die Fassadengestaltung nimmt das neue Gebäude subtil Bezug zu bestehenden Kunsthaus sowie zu den umliegenden Bauten und schafft so eine urbane Stimmung am Heimplatz.

Vorreiterrolle als 200-Watt-Museum
Architektonisch überzeugt der Neubau durch eine sorgfältige, bis ins Detail durchdachte Gestaltung. Die zentrale Halle bildet als Ort der Begegnung das Kernelement. Die Materialisierung im Inneren wird geprägt aus rezykliertem Sichtbeton, hellem Eichenholz und weissem Marmor für die Böden. Teile der Wandbekleidung, Türen, Handläufe, Lifte und die Signaletik sind aus Messing gefertigt. Die durch Lisenen fein profilierte Fassade ist aus Jurakalkstein massiv aufgemauert.

Die Erweiterung ist im Sinne der 2000-Watt-Gesellschaft wegweisend. Der gesamte Energiebedarf für die Erstellung (Graue Energie) und den Betrieb (Wärme, Kälte, Elektrizität) liegt im Vergleich zu bestehenden Museen neuern Datums massgeblich tiefer – auf die Treibhausgasemission bezogen entspricht dies einer Reduktion um 75 Prozent. Einen wesentlichen Anteil an den CO2-Einsparungen haben die kompakte Gebäudeform, das Erdsondenfeld, die Photovoltaik-Anlage und das LED-Licht.

Kunst von Pippilotti Rist auf dem Heimplatz
Integraler Teil des Grossprojekts bildete die Kunst-und-Bau-Arbeit von Pipilotti Rist. Die Künstlerin hat mit «Tastende Lichter» eine Licht- und Videoinstallation konzipiert, die auf dem ganzen Heimplatz erfahrbar ist. Im Zentrum steht ein künstlerisch gestalteter Mast, der in den Abendstunden der dunkleren Jahreszeit farbige runde Lichtflächen auf die umliegenden Fassaden- und Bodenflächen projiziert. Zudem hauchen Videos den Statuen auf der Nordfassade des Moserbaus neues Leben ein.

Für April und Mai 2021 lädt das Kunsthaus zum Preview ein, mit Performances, Führungen und der Installation erster, nicht klimasensibler Werke. Über den Sommer schliesst der neue Chipperfiled-Bau. Dann wird die wertvolle Kunst eingebracht. Am 9./10. Oktober steht dann die grosse Eröffnung an: die Erstpräsentation der Kunsthaus-Sammlung beiderseits des Heimplatzes zusammen mit den hochkarätigen privaten Sammlungen Bührle, Merzbacher und Looser. Gerechnet wird mit 380’000 bis 400’000 Besuchern pro Jahr.

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