Im Bergbauernhaus

Am Fusse des Albulapasses liegt Bergün, dessen Siedlungsentwicklung sich noch heute an den Bauten vom Mittelalter über die Blütezeit des Alpintourismus bis in die Gegenwart ablesen lässt. Eines der ältesten Häuser im historischen Dorfkern ist die Chesa Viglia, das in Strickbauweise 1520 auf den Ruinen zweier mittelalterlicher Türme erbaut wurde und nun über Ferien im Baudenkmal zu mieten ist.

Der Strassen- und Eisenbahnbau in der zweiten Hälfte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts begünstigte den Wandel zum Fremdenverkehrsort. Die enge Verbundenheit mit dem Engadin zeigt sich an den regionaltypischen Bauernhäusern. Wie der Name schon sagt, ist die Chesa Viglia im historischen Dorfkern eines der ältesten Häuser von Bergün. Das Bauernhaus in Strickbauweise wurde 1520 auf den Ruinen zweier mittelalterlicher Türme erbaut.

Die Bewohner von Bergün waren bescheidene Kleinbauern, deren Erwerbsgrundlage die Landwirtschaft, insbesondere die dreistufig organisierte Alpwirtschaft und etwas Ackerbau, bildete. Dank dem überregionalen Transport und Handel waren viele Bauern zusätzlich als Säumer tätig. Gefördert wurde die Wirtschaft von den einflussreichen Familienverbänden Planta und Salis. Das starke Siedlungswachstum ab dem 16. Jahrhundert verdankt der Ort somit wesentlich dem lukrativen Säumer- und Handelsverkehr über den Albulapass.

Über die frühen Bewohner der Chesa Viglia, vermutlich lokale Bauernfamilien, ist wenig bekannt. Die Familie Stiffler erwarb die Liegenschaft Ende des 19. Jahrhunderts und liess die Fenster vergrössern, die Decken anheben und die Stüva (Stube) ausbauen. Die beiden Töchter wohnten bis in die 1970er-Jahre im Haus. 2016 wurde es von einer neuen Eigentümerschaft behutsam und mit Rücksicht auf die historische Bausubstanz restauriert.
Die Konstruktion des Engadiner Wohnstallhauses ist einzigartig. Das Innere des Wohnteils ist ein zum Schutz vor Dorfbränden, aber auch zur Isolation und wohl auch zu Repräsentationszwecken ummauerter Strickbau. Kleine Fenster verhindern Wärmeverluste. Das Rundbogentor als Eingang musste gross genug für Pferd und Wagen sein. Über den überdachten Sulér (Hausflur im Erdgeschoss) gelangte man trockenen Fusses in die rückwärtig integrierte Stallscheune. Der Stall bzw. der Heuboden war nach Süden ausgerichtet, damit das Heu gut trocknen konnte. Die Luftschlitze im offenen Stallbau sorgten für eine gute Durchlüftung.

Die Chesa Viglia wurde in den Jahren 2016-2017 von ihren Eigentümern sanft renoviert. Dabei wurde grosser Wert auf die Erhaltung der historischen Bausubstanz gelegt. Umbauten der letzten Jahrzehnte wurden wo möglich rückgebaut. Im Obergeschoss wurde der ehemals offene Durchblick zum Stall mit einem Fenster ergänzt. Der Bestand an alten Möbeln im Haus wurde restauriert. Der Raum im Erdgeschoss gehörte früher zum Sulér und wurde im Winter wegen der guten Lichtverhältnisse für Winterarbeiten wie Flechten und Schleifen genutzt. Heute ist darin ein Schlafzimmer eingerichtet. Die Räume wurden lediglich wärmegedämmt und eine neue Küche und Bäder eingebaut.

Text: Ferien im Baudenkmal

©Studio Gataric Fotografie

Die Chesa Viglia ist heute in Privateigentum und wird über die der Stiftung Ferien im Baudenkmal vermietet.

 

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