Ein Stück Japan in Andermatt

Umgeben von vier Alpenpässen liegt das historische Dorf Andermatt, das aufgrund dieser Lage als natürlicher Knotenpunkt zu einem der wichtigsten Handelswege zählte. Genau hier, am Schnittpunkt vieler Wege, trifft alpines Flair auf japanisches Design. Das Apartmenthaus Koya des Zürcher Architekturbüros OOS begeistert als smartes Raumwunder mit Wohlfühlatmosphäre auf kleinstem Raum.

Vom ehemaligen Kasernenareal wandelte sich die Piazza Gottardo in den letzten Jahren zu einem Dorfensemble vielfältiger Architektur. Mitten darin präsentiert sich das siebenstöckige Apartmenthaus Koya mit seiner Holzfassade, die Dynamik und Struktur gleichermassen vereint. Mit der hölzernen Lattung spiegelt das äussere Erscheinungsbild des Hauses somit die bekannte Architektursprache des alpinen Raums wider, während sich in seinem Inneren den Besucher:innen eine etwas andere Welt eröffnet.

Dazwischen
Im Sockelgeschoss des Neubaus trifft Transparenz auf Massivität: Schlicht und einfach in Sichtbeton gehalten und mit grosszügigen Fensterfronten versehen, wird das Erdgeschoss zum gemeinschaftlichen Wintergarten für alle Parteien. Eine Pufferzone, die den Übergang zwischen dem öffentlichen Dorfplatz und den privaten Wohneinheiten darstellt und sich gleichzeitig als multifunktionales Geschoss anbietet. Ob als Ruheraum und Leseecke, als geselliges Kaminzimmer oder doch als Erweiterung der Wohnungen, wofür ebenfalls eine Gemeinschaftsküche im Parterre vorgesehen wurde, kann von dort aus das Geschehen rundherum beobachtet werden. Zugleich verrät das Erscheinungsbild des Erdgeschosses bereits den Gestaltungswillen der Wohnungen: Die Präsenz des dunklen Blautons, die Wandverkleidungen aus Eichenholz und die klaren, minimalistischen Strukturen sind zentrale Themen im Einrichtungskonzept. Durch die besonderen Kontraste samt Lichtverhältnissen als auch die warme, natürliche Materialität sowie die Kompaktheit der Wohnungen, die dank des Minimalismus durch Abwesenheit losenMobiliars verstärkt wird, zieht das japanische Flair in die vier Wände des Apartmenthauses ein.

Verbindend
Konsequent durchgezogen wird dieses Konzept in insgesamt 34 Apartments mit Micro-Living-Charakter, die sich lediglich im Grundriss unterscheiden. Um auf möglichst wenig Grundfläche optimalen Wohnkomfort zu ermöglichen, wurden die meisten Einheiten mit ca. 40 m2, und nur ein paar Ausnahmen mit ca. 90 m2 umgesetzt. All diese Wohnungen verfügen über ein Mezzanin und somit über ein galerieartiges Halbgeschoss. Im obersten Geschoss befinden sich drei grosszügige Penthouses mit rund 90 bis 120 m2 Grundfläche und einer Loggia, dafür ohne Mezzanin. Mit der gedeckten Farbgebung im Inneren wird zugleich ein starker Kontrast zur hölzernen Aussenhülle geschaffen, wobei durch die Holzeinbauten eine Verbindung entsteht und durch diese Kombination eine wohlige Raumatmosphäre erzeugt wird. Erschlossen werden alle Wohnungen dabei von einem zentralen Treppenhaus, das von der gemeinschaftlichen Tiefgarage unter der Piazza Gottardo bis zu den Penthouse-Apartments zuoberst führt. 

Starkes Design
Klein und dunkel? Dass sich diese beiden Attribute jedoch auch gut ergänzen können, wird in den Wohnungen ersichtlich: Nachdem man den dunklen und gedrungen gehaltenen Eingangsbereich im tiefen Blauton betreten hat, eröffnet sich der zweigeschossige Wohnraum der Apartments, die dank grosser Verglasungen umso grosszügiger erscheinen. Doch nicht nur das Licht, sondern vielmehr auch das als zusammenhängendes spiralförmiges Element konzipierte Mobiliar führt einen dabei ins Innere der Wohnung. Von der polygonalen Sitzbank, die zum Gästebett umfunktioniert werden kann, führt der hölzerne Einbau als schmale Treppe weiter ins obere Geschoss, bildet dort die Trennwand zum Untergeschoss und endet im Bettelement samt Einbauschränken. Somit sind zusätzliche Möbel – der Esstisch und die Stühle ausgeschlossen – in den Wohnungen nicht notwendig. Dasselbe Prinzip des multifunktionalen Möbelstücks wird zudem im Badezimmer angewendet: Ein beinahe raumhohes Einbauregal aus Holz nimmt hier den Waschtisch auf und stellt zugleich den notwendigen Stauraum bereit. Im Gegensatz zum ansonsten präsenten dunkelblauen Farbton schmückt ein gelbgrüner Putz die Wand, während der Gussboden wie roh wirkt.

Genuss
Ein Raumwunder ist darüber hinaus die kleine Küchenzeile in jeder Wohnung, die als private Kochstelle zusätzlich zur grossen Gemeinschaftsküche im Erdgeschoss dient. Diese wurde unter der schmalen Treppe integriert, führt den dunklen Ton des Eingangsbereichs fort, nimmt sich dadurch etwas zurück und verleiht den kleinen Wohnungen gleichzeitig Eleganz. Trotz der minimalen Grösse fehlt es hier somit an nichts – ein grosser Kühlschrank, ausreichend Arbeitsplatz und Stauraum sowie eine eigene Waschmaschine finden Platz. Abseits des kulinarischen oder gestalterischen Genusses kommt man zudem auch in das Vergnügen eines einmaligen Bergpanoramas: Durch die besondere Lage Andermatts inmitten von vier Pässen, ist von jeder Wohnung aus der Blick auf ein Bergmassiv gegeben. Egal ob vom Esstisch oder auch vom Bett aus – die bezaubernde Berglandschaft wird dank der grosszügigen Fensterflächen förmlich ins Innere geholt. So ist Koya mehr als nur Wohnen und lädt zum Abenteuer vor der Haustür ein.

©Thomas Aemmer

Culture Clash: Wo alpiner Chic auf asiatische Einfachheit trifft – andermatt-swissalps.ch

Weitere Informationen zu dem Architekturbüro finden Sie hier.

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