Im Gespräch mit Angela Deuber

Im Gespräch mit Angela Deuber

"Architektur ist, neben vielen wunderbaren Gesichtspunkten, harte Arbeit." (Angela Deuber) – In unserem Format Vis-à-Vis sprechen Schweizer Architektinnen und Architekten über die verschiedenen Gesichtspunkte ihres Berufs und beantworten Fragen zu ihrer Idee von Schönheit und der Rolle, die sie in der Gesellschaft einnehmen.

Welche Aufgaben beschäftigen Sie gerade? 
Angela Deuber: Ich stelle gerade ein Privathaus in Graubünden fertig, ein minimales Haus mit grosszügigen Räumen. Darüber hinaus bearbeiten wir verschiedene Wettbewerbsaufgaben in unterschiedlichen Massstäben. Ausserdem unterrichte ich derzeit an der Oslo School of Architecture. Das Semesterthema heisst „Der Akt der Architektur“. Die Studierenden setzen sich dabei intensiv mit architektonischen Elementen auseinander.

Welches architektonische Werk hat Sie kürzlich begeistert? 
Das letzte – in Anführungszeichen – „Werk“, das mich kürzlich begeistert hat, waren Gärten auf einer Reise nach England und Schottland. Die Schönheit der Pflanzen fasziniert mich – sie sind übervoll und reichhaltig. Zwar ist die Landschaft stärker, wenn ich durch unsere Berge in Graubünden gehe – aber dort sind fantastische Pflanzen rar! Und all die Gärten versuchen grossartig zu sein, opulent und fabelhaft.

Inwiefern unterstützen oder behindern neuartige Materialien die Architektursprache? 
Materialien sind so gut wie das, was wir daraus machen. Handwerklich präzise zu bauen, ist eine Aufgabe der Architektur, die erfüllt sein muss. Das hat nichts damit zu tun, ob es sich um neuartige oder bewährte Materialien handelt.

Haben Sie eine Idee von Schönheit? 
Schönheit entsteht im Kopf. Schönheit in der Architektur sollte ein allgemeiner Gedanke sein. Ein Gedanke, den man mit Raum ausdrückt, und ein Gedanke, der von Menschen interpretiert werden kann. Letztendlich sollte sie etwas Objektives sein. Man muss mit dem persönlichen Gefühl beginnen und einen allgemeinen Gedanken entwickeln. Wenn die Schönheit nicht mehr persönlich ist, kann sie die Gesellschaft erreichen.

Wann wird ein Gebäude zu Architektur? 
Architektur entsteht durch Elemente, die einen Raum bilden, der von einem Gedanken getragen wird, der als Ganzes einen tiefen Sinn ergibt. Gleichzeitig wird sie mit allen unseren Sinnen erlebt! Architekturist nicht einfach eine Idee in der Art eines glücklichen Einfalls. Architektur ist, neben vielen wunderbaren Gesichtspunkten, harte Arbeit.

Welche Rolle spielen der Architekt und die Architektin in der Gesellschaft? 
Wir Architekturschaffende sind sowohl Zuschauer als auch Handelnde. Wir sollten eine Architektur schaffen, die dem Selbstverständnis des Menschen entspricht. Diese Architektur sollte Werte wie Grosszügigkeit, Menschenfreundlichkeit, Offenheit, Zugänglichkeit für alle und Freiheit beinhalten.

Kann Architektur die Welt verbessern? 
Architektur hat einen direkten Einfluss auf uns. Sie ist einfach da für uns als Menschen – positiv wie negativ. Architektur kann die Welt verbessern und auch verschlechtern.

www.angeladeuber.com