Eine Sache der Umstellung

Eine Sache der Umstellung

Steter Wandel, beinahe täglich neue Herausforderungen und strukturelle Veränderungen scheinen die neuen Konstanten unserer heutigen Zeit geworden zu sein. Dabei begegnen wir jenen dynamischen Prozessen sowohl im öffentlichen Raum als auch in unseren eigenen vier Wänden und vor allem in unserem beruflichen Umfeld. Doch auch wenn das Motto „Heute für Morgen“ bereits für vorausschauendes Handeln plädiert, kann dieser Denkansatz mit dem heutigen Tempo kaum mehr Schritt halten. Vielmehr als diese dynamischen Veränderungen beobachtete der Schweizer Architekt und Designer Stephan Hürlemann auch einen strukturellen Wandel in den Ansprüchen an die Arbeitsumgebung. Dem zu Grunde liegt ein markanter Generationswechsel am Arbeitsmarkt: Anstelle vielversprechender Karrierechancen fokussieren Jüngeren primär auf eine ausgeglichene Work-Life-Balance, welche unter anderem die gekonnte Inszenierung des Büroalltags umfasst und heutzutage zu den Qualitäten eines guten Arbeitgebers zählt.

er Weg eines möglichen Lösungsansatzes wurde mit dem Auftrag des PwC-Experience- Centers in Zürich eingeschlagen: Hürlemann wollte für das IT-Unternehmen ein offenes Arbeitsumfeld schaffen, das auf das Wachstum und die strukturellen Veränderungen des Unternehmens reagieren kann sowie gleichzeitig attraktiver für die Mitarbeitenden wird. In gängigen Konzepten von Grossraumbüros konnte Stephan Hürlemann jedoch kein vertretbares Arrangement entnehmen, sodass eine komplett neue Strategie gesucht wurde. Als Ergebnis präsentierte der Architekt das flexible Bürodesign „Dancing Office“, das weniger den fertig geplanten Innenraum vorgibt, sondern vielmehr auf einem flexiblen System aufbaut – und der Kunde selbst die Innenraumgestaltung übernimmt.

Ausschlaggebend für diese schlussendliche Umkehrung im Designprozess waren die ständig wechselnden Rahmenbedingungen während der Planungsarbeit. Die Idee hinter dem neuen Konzept basiert nun auf dem „Minecraft-Prinzip“: Mit seinem Entwurf eines mobilen Trennwand-Systems, das verschiedene Funktionen ausführen kann, stellte Hürlemann den Nutzern eine multifunktionale Toolbox bereit, mit Hilfe derer sie selber und direkt auf die variierenden Anforderungen und dynamischen Prozesse innerhalb des Betriebs reagieren können. Dabei basiert das Gesamtpaket auf der sogenannten „Dancing Wall“, die in Zusammenarbeit mit Vitra erarbeitet wurde und sich vor allem durch ihre unzähligen Details und Klassifizierungen behaupten kann. Angefangen vom Umgehen der Kipplast sowie störender Ausleger über die optimalen Standardabmessungen bis hin zu der innenliegenden Kabelführung kann das genormte Element überzeugen, das serienmässig in den zwei klassischen Farben Schwarz und Weiss erhältlich ist.

Der Aufbau der mobilen Wand präsentiert sich auf den ersten Blick durchaus simpel: Ein Metall-Rahmen bildet das Grundgerüst, das dank dem hohen Eigengewicht gleichzeitig die notwendige Stabilität liefert. Variation bietet die Dancing Wall in ihrer Anwendung: Erhältlich ist das Möbelstück in verschiedenen Ausführungen und dient so als Regal, als Trennwand mit abnehmbaren White- und Pinboards, als Pflanzenwand, als Garderobe oder auch Screen-Wagen. Mit diesen Funktionen konnte der Architekt auf einen Streich gleich mehrere Probleme des modernen Büros lösen: Einerseits werden Alternativen für die meist fehlenden vertikalen Flächen zum Aufpinnen, Präsentieren und zum visuellen Bewusstwerden geschaffen. Andererseits wird das allseits bekannte „Ficus-Problem“, wie Hürlemann es nennt, gelöst, das durch zusätzliche Additive wie Pflanzen, Flipcharts, Garderobenständer oder persönliche Dekorationsgegenstände in die einheitliche Struktur in Büros eingreift.

Erhältlich ist das Möbelstück in verschiedenen Ausführungen und dient so als Regal, als Trennwand mit abnehmbaren White- und Pinboards, als Pflanzenwand, als Garderobe oder auch Screen-Wagen.

Erhältlich ist das Möbelstück in verschiedenen Ausführungen und dient so als Regal, als Trennwand mit abnehmbaren White- und Pinboards, als Pflanzenwand, als Garderobe oder auch Screen-Wagen.

Somit präsentiert sich die „Dancing Wall“ multifunktional und dynamisch: Vielmehr als eine statische, geplante Bürolandschaft wird hier eine Choreografie innerhalb der Arbeitsumgebung ermöglicht – das Konzept des „Dancing Office“. Im Selbstversuch wird dieses Büromodell in den neuen Räumlichkeiten des YOND in Zürich von Stephan Hürlemann und seinem Team nun selbst gelebt und erprobt. Mit dem Ergebnis eines stets umgestellten Grossraumbüros und einer überaus wohnlichen Atmosphäre, in der Kommunikation und Interaktion sowie auch gewünschte Rückzugsorte ihren Platz finden können. Im nächsten Schritt wird auch hier vorab schon ein weiteres Element des „Dancing Office“ getestet – eine akustisch isolierte Telefonbox, die Raum für ungestörte Telefonate zur Verfügung stellt. 

Unter anderem wird das Dancing Office von Stephan Hürlemann auch ein Teil des Vitra Summits vom 22.-23. Oktober sein. In diesem interaktiven Austausch zwischen Designern, Architekten und Wissenschaftlern werden neue Konzepte, Produkte und Best Practises für die eigenen vier Wände, das Büro oder auch unterwegs diskutiert.

Im Selbstversuch wird dieses Büromodell in den neuen Räumlichkeiten des YOND in Zürich von Stephan Hürlemann erprobt.

Multifunktional und dynamisch – die „Dancing Wall“ schafft neue vertikale Flächen.

Multifunktional und dynamisch – die „Dancing Wall“ schafft neue vertikale Flächen.