Diverse Moderne

Diverse Moderne

Das Vermächtnis des Bauhauses geht einher mit der Vorstellung vom „weissen Würfel“ in der Architektur. Doch war der Aufbruch ins 20. Jahrhundert geprägt von verschiedensten Reformbewegungen. Hier zeigte sich das Neue Bauen durchaus expressiv und bunt – gelegentlich auch schräg und rund.

Ein fotografischer Streifzug von Bernau über Berlin nach Magdeburg verweist exemplarisch auf parallele Strömungen und stilistische Vielfalt in den Stammlanden des Bauhauses. Die ausgewählten Hotspots aus der zum Jubiläumsjahr zusammengestellten „Grand Tour der Moderne“ belegen, dass der formale Kanon der Epoche nicht nur einen reduzierten Funktionalismus mit rechten Winkeln favorisierte.
Zwischen 1927 und 1930 realisierte Hannes Meyer – damals Direktor des Bauhauses – die Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes. Beteiligt waren Hans Wittwer – Meister der Bauabteilung – und Studierende aus der Baulehre am Bauhaus. Das sensibel in die Landschaft gebettete Schulungsgebäude mit Seminarräumen, Sporthalle, Speisesaal und Internat liegt in Bernau im Osten Berlins. Hans Scharoun plante zeitgleich die Grosssiedlung Siemensstadt in Berlin-Charlottenburg/Spandau nach dem Modell der aufgelockerten, durchgrünten Stadt. Während unter den sechs beteiligten Architekten beispielsweise Walter Gropius und Otto Bartning dem Trend der schlichten weissen Moderne aufnahmen, konnten Hugo Häring und Scharoun  bei ihren Zeilenbauten der Idee vom organischen Bauen folgen.
Auch Magdeburg setzte in Architektur und Stadtplanung Mitte der 1920er-Jahre auf den Zeitgeist von Bauhaus und Neuem Bauen. Mit der Berufung zum Stadtbaurat entwickelte Bruno Taut einen Generalsiedlungsplan für modernen Wohnungsbau in der Stadt an der Elbe. Das Ziel war dabei der Imagewandel von der grauen Industriemetropole zur farbigen Stadt. Entscheidenden Anteil an den Ausführungen hatte der Architekt Carl Krayl, den Taut als engen Mitarbeiter ins Hochbauamt holte. Krayl gestaltete zahlreiche Projekte, die von neusachlich expressionistischen Lösungen geprägt sind.

von Bärbel Högner (Text & Fotos)