„Tue Gutes, und sprich darüber“, lautet ein altbekanntes Sprichwort. Es besagt, dass man zu seinen Taten und Werken stehen darf und dies auch anderen mitteilen soll. Im Kern entspricht es dem Wesen von Marketing und Öffentlichkeitsarbeit. Was in vielen Branchen etabliert ist und zum Standard gehört, scheint jedoch von der Architektenwelt in der Schweiz eher argwöhnisch und aus Distanz beobachtet zu werden. Als Architekt zeigt man sich bescheiden und spricht nicht über sein eigenes Werk; der Bau spricht ja für sich. So jedenfalls der Tenor bei vielen Planungsbüros. Diese Auffassung steht beispielhaft für das Verhältnis von Baukultur auf der einen Seite und verantwortungsbewusster Unternehmensführung auf der anderen Seite. Das Dilemma des Planers als intellektuellen Dienstleisters ist, dass er als Entwerfer, Konstrukteur, Treuhänder, Kommunikator, Forscher und Spezialist dem eigenen unternehmerischen Handeln mit vielen offenen Fragen gegenübersteht. Zwischen dem Berufsethos des Planers und dem geschäftlichen Büroalltag scheint eine vermeintliche Diskrepanz zu herrschen. Viele Architekten haben Berührungsängste mit Marketing, insbesondere auch weil sie den Begriff als negativ belastet empfinden. Dabei geht es nicht darum, sich zu verstellen, sich als jemand anderer darzustellen. Marketing oder Öffentlichkeitsarbeit sind lediglich Werkzeuge, um die eigene Arbeit und das eigene Verständnis von Architektur potenziellen Kunden näherzubringen.
Kompetente Fachautoren zeigen in dieser Ausgabe verschiedene Wege der Akquisition auf und umschreiben die Wirkung von Marketing für Architekten.
Gerald Brandstätter, Chefredakteur